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FROM TBE BEQUEST Or

GEORGE FRANCIS PARKMAN

(CUuoflSM)

OF BOSTON

HEINRICH SEUSE

Deutsche Schriften

im Auftrag der Württembergischi

Kommission für

urttein Landesgeschic

herausgegeben '

Dr. Karl Bihlmeyer.

STUTTGART.

Druck und Veilaj von W. Kohlhanini iyo7.

HEINRICH SEUSE

Deutsche Schriften

im Auftrag der Württembergischen Kommission für Landesgeschichte

herausgegeben von

Dr. Karl Bihlmeyer.

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STUTTGART. Druck und Verlag von \V. Kühlliammer.

1907.

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Dem Gedächtnis

meines hochverehrten Lehrers

Professor ü. Dr. F. X. von Punk

in Dankbarkeit

;^evvidinet.

Eint" kritisclie Edition der deutaelien Sohril'ren Seuses bedarf flcbwerlich einer besonderen Itechtfertigung. Denifles Aasgabe. in ihrer Art eine treffliche Leistnng, kann der wiseeiiBcLaftlicIien Forfchuiiß nicht genügen, weil sie nur eine neu hoch dentsctie Über- Ira^nne des Originaltestes bietet, auf einer nicht völlig ausreichenden haiitWbrift lieben Grundlage beruht und zudem UDVoll^-tündig geblieben i»t Möge daher diese erste vollständige Ansgabe des Urtextes wohl- wollende Aufnahme linden! Kirchen-. Lileratur-, Sprach- und Kultur- gescliicble interessieren sich ja, wenn auch in verschiedenem Masse, fiir den liebenswürdigen schwäbischen Mystiker, der den Oeist des deutschen Mittelalters nach seiner scliünsten Seite repräsentiert und dnrch seine gemnlstieien Schriften noch heute wie ehedem zu fesseln vermag.

Das Hauptaugenmerk hei vorliegender Ausgabe war darauf

gerichtet, eine möglichst breite und sichere Basis für die Herstellung

des Textes zu schaffen. Zu diesem Zwecke wurden, von sonstigen

Xachforachungen abgesehen, auf wiederholten Studienreisen eine

^nisserc Zahl von Bibliotheken Deutschlands und der Schweiz nach

Seose-Haadscliriften durchsucht, so namentlich die Bibliotheken zu

rlin, Ei II siedeln, Engelberg, Kolmar, Konstanz,

I llailiingen, München. Nürnberg, St, Gallen, Stuttgart,

I Wnlfenbüttei, Zürich. Der Erfolg war ein günstiger, insofern

leine stattliche Anzahl wichtiger, noch nicht bekannter Manuskripte

afgefnnden wurde, mit deren Hilfe es gelang, den DeniHeschen

I Text an vielen Punkten erheblich zu verbessern und das Grosse

IBriefbncb in guter Rezension vorzulegen. Zum erstenmal werden

I in dieser .Ausgabe jene elf Briefe, welche Seuse gekürzt in das kleine

Briefbach aufnahm, in ihrer ursprünglichen Form bekannt gemacht.

Aii«drücfclich sei auch anf das bis jetzt unbekannte interessante

VI Vorwort.

„Testament der Minne" (Brief XXVIII) aufmerksam gemacht, ge^^en dessen Echtheit freilich begründete Zweifel bestehen.

Der Kommentar ist im allgemeinen auf das Nötigste beschränkt worden. Wie viel ich für das Verständnis und die Kommentierung der schwierigeren mystischen Stellen Denifle verdanke, bekundet fast jede Seite der einschlägigen Partien. Mit ihm, dem ausgezeichneten Kenner der Mystik und Scholastik, konnte ich es auf diesem Gebiete nicht aufnehmen, und es war auch gar nicht meine Absicht, seine Ausgabe ganz überflüssig zu machen.

Die Einleitung versucht eine knappe, aber im wesentlichen erschöpfende Orientierung über lieben und Werke Seuses zu geben, und insbesondere seine Stellung im Entwicklungsgang der deutschen Mystik und Literatur zu präzisieren. Am kürzesten glaubte ich mich in dem Abschnitt über die Lehre fassen zu dürfen, da dieser Gegen- stand schon genügend behandelt ist und Seuse hierin weniger original erscheint. Wenn ich in der Einleitung manchmal etwas warm ge- worden bin, so möge dies mit den Worten des edlen Linsenmann (in einer Besprechung von Denifles Seuse, Theol. Quartalschrift 1877,1 35) Entschuldigung finden, die ich zu meinen eigenen mache: „Dem Theologen ist das literargeschichtliche Interesse an den Schätzen der grossen Literaturperiode der deutschen Theologie im Mittelalter nicht das höchste. Was die mittelalterliche Mystik für ihre Zeit war, das könnte und sollte sie auch für unsere Zeit sein, eine Ergänzung der vorherrschend nominalistischen Scholastik, eine Lichtseite im religiösen Volksleben, ein Sauerteig, welcher Gärung und Bewefiung in die erstarrten Massen des kirchlichen Lebens bringen könnte. Uns ist die Mystik eines Eckhart, Tauler und Seuse nicht bloss romantische Poesie, noch blosse Philosophie, sie ist dazu bestimmt, Leben zu werden und Gestalt anzunehmen ..."

Unumgänglich schien es, der Ausgabe ein ausführliches Glossar beizugeben, da wir ein solches bis jetzt von keinem der bedeutenderen deutschen Mystiker besitzen und doch für philologische und literarhistorische Untersuchungen kaum entbehren können. Ich bin mir freilich bewusst, dass der vorgelebte Versuch etwas recht Unvollkommenes darstellt. Allein Zeit und Raum verboten, ein mehreres zu tun. Philologische Zwecke im eigentlichen Sinne lagen mir ferne; ich glaubte, die sprachgeschichtlich-lexikalische Ausbeutung Seuses den Germanisten von F.ach überlassen zu sollen. Um auch solchen, welche mit dem Mittelhochdeutschen weniger vertraut sind, die Ausgabe zugänglich zu machen, ist in zahlreichen Fällen die

Vorwort. VII

neuhochdeutsche Bedeutung eines Wortes angegeben. Ich hoflTe ührigens, in nicht zu langer Zeit eine Auswahl aus Seuse in Über- tragung für weitere Kreise vorlegen zu können, und behalte mir die Benützung der Ausgabe für solche Zwecke vor.

Es ist mir eine angenehme Pflicht, für die Unterstützung und Beihilfe zu danken, die mir von vielen Seiten zuteil geworden ist, ?>o insbesondere den Bibliotheksverwaltungen zu Berlin (Kgl. Bib- liothek), Breslau (Domkapitelsbibl.), Cues (Hospitalbibl.), Darm- stadt, Einsiedeln, P'ngelberg, Freiburg (Uni versitätsbibl. und Erzbischöfliches Archiv), Giessen, Göttingen, Heidelberg, Kolmar, München (Staatsbibl.), Muri-Gries, Nürnberg (Stadtbibl.), Paris (Bibl. nationale), Raigern, St. Gallen, Strass- barg (Universitätsbibl.), Stuttgart, Überlingen, Wien (Hof- bibliothek), Wolfenbüttel und Zürich (Stadtbibliothek), welche mir teils Manuskripte zur Benützung hieher sandten, teils die Kol- lationierung an Ort und Stelle ermöglichten, und der Universitäts- bibliothek zu Tübingen, welche die Entlehnung zahlreicher Hand- schriften in liebenswürdiger Weise vermittelte. Eine grosse Zahl von Bibliotheken des In- und Auslands erteilte auf Anfragen nach Seuse-Manuskripten gütige Antwort.

Für wertvolle Auskünfte und Winke bin ich ganz besonders deu Herren Professor Dr. Ph. Strauch in Halle, Professor Dr. H. von Fisch er und K. Bohnen berger in Tübingen, Hochw. P. P. von LoeO. Pr., Prior in Düsseldorf und Herrn Dr. J. Ries in St. Peter bei Freiburg zu Dank verpfliclitet. Herr Professor Dr. F. Vetter in Bern hatte die Güte, mir eine Abschrift des Büchleins der Ewigen Weisheit nach der Einsiedler Handschrift 710 zur Verfügung zu stellen, und die Kgl. bayerische Akademie der Wissenschaften in München erlaubte, den schon von Preger 1896 edierten Text des Minnebüchleins wieder abzudrucken.

Der Görresgesellschaft und ihrem verehrten Herrn Präsidenten Exzellenz Reichsrat Fn^iherr Dr. 6. von Hcrtling sage ich für '!ie Bewilligung eines Stipendiums für meine Bibliotheksstudienreisen geziemenden Dank. Ebenso der Württembergisehen Kommission für Landesgeschichte für die Aufnahme dieser Arbeit unter ihre Publi- kationen, und namentlich ihrem Geschiiftsiuhrer, Herrn Archivdirektor Dr. E. von Schneider in Stuttgart für stetes liebenswürdiges Ent- ge^'enkomraeu.

Für opferwillige Beihilfe bei der Korrektur schulde ich meinem

VIII Vorwort.

Bruder P. Pius Bihlmeyer 0. S. B. in Beuron und Herrn Dr. A. Hauber in Tübingen ganz besonderen Dank.

Mein verehrter Lehrer, Professor Dr. F. X. von Funk, dessen Stellvertreter zu sein ich zuraeit die Ehre habe, hatte schon einige Zeit vor seinem allzufrühen Tode gütigst gestattet, dass das Werk ihm, dem Altmeister der kirchenhistorischen Wissenschaft, gewidmet werde. Leider hat er die Vollendung desselben nicht mehr erlebt. So bleibt mir nur übrig, es als schwaches Zeichen des Dankes für die stetige herzliche Anteilnahme und die Förderung meiner Studien auf sein frisches Grab zu legen.

Tübingen, im April 1907.

K. Bihlmeyer.

Inhalt.

Seite

Einleltnnff 1*-163*

Erster TeU. Die Vberllefernnff ;r-62*

A. Die einzelnen Handschriften 3*— 29*

1. Handschriften des Exemplars B* 9*

II. Handschriften der Vita 9*— 11*

III. Handschriften des Büchleins der ewigen Weisheit . 11* 18*

IV. Handschriften des Büchleins der Wahrheit .... 18*— 20* V. Handschriften des Brief büchleins 20*

VI. Handschriften des Grossen Briefbuchs 20* 26*

Vn. Handschriften der Predigten. Das Minnebüchlein . . 27*— 29*

ß. Da» HandschriftenTerhftltnis. Art nnd Weise dieser

Ausgrabe 29* -45*

I. Das Leben Seuses 29*— 36*

11. Die übrigen Schriften des Exemplars 36* 37*

III. Das grosse Briefbnch 37*— 43*

IV. Die Predigten und das Minnebachlein 43*— 44*

V. Bemerkungen zur Orthographie des Textes .... 44* 45*

('. Bilder nnd Hprflclie des Exemplars 45*— 57*

Seuses Terliältnis zur Kunst 57* <)-2*

Zweiter Teil. Sensen Leben nnd Werke .... 63* -163*

A. Jui^end- und Lenijalire zu Konstanz und Köln (ca.

1295-1827) 6.r- 95*

1. (teburtsjahr und -Ort, Abstammun«:: 63* —70*

11. .Tugendzeit, P^intritt ins Kloster. Rekehnniir .... 70'*'^ 73*

III. Der Dienst der ewigen Weisheit 73* 76*

IV. Seuses Kasteiungen 76*— 80*

V. Visionen und Ekstasen 80^ —S5*

VI. Studiengang zu Konstanz nnd Köln 85"— 90*

\'ll. Das Büchlein der Walnlieit 90"^'- 95*

K. Seuse als Lel^tor und Pri4»r. Seliriflstellerisclie und

seelsor^erlichc Tätigkeit (ea. 1827-I;i4s) . . 95*- 130*

I. Allgemeine Verhältnisse der Dii)zese Konstanz und

des Dominikanerordens 95* lUO*

X inlialt.

Seile

II. Sense als Lektor in Konstanz 100*— 101*

III. Das Büchlein der ewigen Weisheit, HoroJogium

Sapientiae nnd Minncbiiclilein 101* 111*

IV. Seuses Leiden und Heimsuchungen. Seine seel-

sorgerliche Tätigkeit 111*— 117*

V. Seuses Briefe und Predigten ........ 117*— 122*

VI. Verkehr mit anderen Mystikern. Elsbeth Stagel . 123*— 127*

VII. Die Jahre des Exils (1339—46). Seuse als Prior . 127*— 130*

(*. S01180 in Ulm (ca. l^US-lSfU;), sein Tod und Nachruiini.

Übersetzungen und Ausgaben seiner Werke 130*— 163*

L Seuses AVirksamkeit in Ulm 130* -132*

n. Redaktion des Exemplars 132*— 136*

III. Seuses Tod und Nachruhm. Ikonographisches . . 136*— 140*

IV. Charakteristik von Seuses Person und Werken. Seine

Lehre 141* -150*

V. Nachwirkung Seuses in der Literatur 150* 156*

VI. Übersetzungen und Ausgaben von Seuses Werken . 157*- 163*

Text 1—554

Erste Abteilnng:« Menses Exemplar 1-401

Prolog 3—6

Eriites Buch« 8eases Leben 7—195

Erster Teil 7—95

Prolog 7—8

I. Kap. Von den vorstriten eins anvahenden menschen . 8 10

n. Kap. Von dem übernatürlichen abzug, der im do ward 10 11

III. Kap. Wie er kam in die geistlichen gemahelschaft der

ewigen wisheit 11-15

IV. Kap. Wie er den namen Jesus uf sin herz zeichente 15 17 V. Kap. Von dem vorspil gütliches trostes, mit dem got

etlichü anvahcndn menschen ri;izzct . . . 17 22

VI. Kap. Von etlichen Visionen 22—24

VII. Kap. in weler Ordnung er ze tisch gie 24—25

VIII. Klip. Wie er bcgie daz ingcnd jor 26 27

IX. Kaj». Von den Worten Sursum corda 27 29

X. Kap. Wie er begie die liehtmiss 29 30

XI. Kap. Wie er begir die vasnaht 30 32

XII. Kap. Wie er begie den m(?igen 32—33

XIII. Kap. Von dem eilenden krnzgang, den er mit Cristus

nam, do man in us filrte in den tod . . . 34 37

XI\'. Kaj». Von der niizzen tugende, du da heisset swigen 37—38

XV. Kap. Von ke.Ntgung des libes 39-40

Inhalt. XI

Seite

XVI. Kap. Von dem scharpfen kn'iz, daz er tnig uf einem

ruarg:en 41-44

XVII. Kap. Von sinem greliger 44—46

XVIII. Kap. Von dem abbrechene des tränke» 46—53

XIX. Kap. Wie er ward gewiset in die vernünftigen schule

zu der kunst rechter gelassenheit .... 68—54

XX. Kap. Von wetfmdem undorgene 55—61

XXI. Kap. Von inrlichem liden 61 63

XXII. Kap. Von dem usker uf sines nehsten heilsamen be-

hulfenheit 63—65

XXIII. Kap. Von menigvaltigem lidene 66 70

XXIV. Kap. Von gi'ossem lidenne, daz ime zft viel von siner

liplichen swoster 70—74

XXV. Kap. Von swerem lidene, daz im einest zu viel von

eim sinem gesellen 74—78

XXVI. Kap. Von dem morder 78 81

XXVII. Kap. Von wassernot 81—82

XXVIII. Kap. Von einem ruwliu, daz im got einest Hess werden 82 83 XXIX. Kap. Von einer minneklicheu rechnung, die er einest

mit got hate 84—86

XXX. Kap. Wie er von lidenne eins males kam uf den tod 87 90 XXXI. Kap. Wie ein mensch sin liden in lobricher wise sol

got wider uf tragen 90—92

XXXII. Kap. Wa mite got ergezzet in der zit einen lidenden

nienschon sines lidens 93 95

Zweiter Teil 96—195

XXXIII. Kap. Von dez dieners geischlichen tohter .... 96—99

XXXIV. Kap. Von dem ersten begin eins anvahenden menschen 99 102 XXXV. Kap. Von den ersten bilden und lere eins anvaheuden

menschen, und wie sin iibunge son sin mit

bescheidenheit 103—109

XXXVI. Kap. Von kintlichem andaht eins jungen anvahenden

menschen 109 114

XXX VIT. Kap. Wie er üpigü menschen zii gote zoh und lidendü

menschen tröste 114 117

X XXVII 1. Kap. Von einem vil jenierli<h«*n lidene, daz im hier

inne begegente 117—130

XXXIX. Kap. Von inrem lidenne 130-132

XL. Kap. Welü liden sien <h:m uiensclien aller nüzest

und got aller loblicliest 132-135

XLI. Kap. Wie er etlichü niinnendü herzen v(m zitlicher

minne zu gotlicher niiiine zoch 135 141

XLII. Kap. Von etlichen lidenden menschen, du mit sunder-

licher trüw iUtm dirner zii geh(»r(en . . . 142—144 XLIII. Kap. Wie im Christus vor erschein in eins Scratin.s

bilde und in lerte liden 144—149

XII Inhalt.

Seite

XLIV. Kap. Wie vestklich der müss «triten, dem der geisch-

lich pris soJ werden 149 153

XLV. Kap. Von dem minneklichen uamen Jesus .... 163— 15ö

XLVI. Kap. Güte underschaid enzwfisdien warer und falscher

vernünftkait in etlichen menschen .... 15.'> 158 XL VIT. Kap. Underscheid enzwischen ordenlicher und floieren-

der veniünftikeit 15ö— 160

XLVIII. Kap. Göt€r underscheid under warer und falscher

gelassenheit 160—163

IL. Kap. Ein vernünftiges inleiten dez ussren menschen

zu siner inrekeit 163— 170

L. Kap. Von den hohen fragen, die du wolgeiiptü tohter

fragte iren geischlichen vater 170 17H

LL Kap. Ein usrihtunge, wa got ist und wie got ist . 176 1K4 LH. Kap. Von dem aller hohsten Überflug eins geleptt*n

veniünftigen gemiite.s 184 190

LIIL Kap. Diss bfiches uieinunge ein heschliessen mit

kurzen einvaltigen worten 190 195

Zweites Bneh. Bficlileln der £wi|:en Weisheit . 196-3l>5

Prolog 196—200

Erster Teil 200—278

I. Kap. Wie etlichü menschen von got unwissentlich

werden t gezogen 200—204

11. Kap. Wie es vor dem krüzgenne ergie 204 207

III. Kap. Wie es an dem krüz umh in stund nah dem

ussren menschen 207—209

IV. Kap. Wie reht getrüwlich sin liden waz .... 209 -210 V. Kap. Wie du sele under dem krüz kunt ze einem

herzklichen n'iwenne und ze einem muten vergebennr 211 216

VI. Kap. Wie betrogen der weit minne ist und wie min-

neklich aber got ist 216—223

VII. Kap. Wie minnekliche tr(»t ist 228-229

VIII. Kap. Ein usrihtunge drier dinge, du einem minner aller meist mohtin an got widerstan. Daz ein ist: wie er s(> zornlich mug geschineu und doch so minnklich sin 229—230

IX. Kap. I>az ander: war umbe er sich sinen vründen dik uaii horzlust«' enzühet, und wa hi uian sin waren geireuwürtkeit erkenuta . . . 2:^0—285 X.Kap. Daz dritt*: war uuil»e es got sinen vründeu

als reht ülxd in zit irrstattet 236—237

XI. Ka]>. Von ienur werendem we der helle .... 237 240

Inhalt. XIII

Seite

Xll. Kap. Von unmcssiger vrode des himelrichB . . . 240 248

XJn. Kap. Von nnmessiger edli zitliches lidennes . . . 248 254 XIV. Kap. Von unsäglicher giiti der betrahtunge des got-

lichen lidens 254—259

XV. Kap. Von dem njinnekosen, daz du sei mit got hate gehebt unter dem krdze, keret si sich wider

zu siueni lidenne 259—262

XVI. Kap. Von dem wirdigen lobe der reinen königen von

himelrich 262—268

XVII. Kap. Von ire unsäglichem herzleide 268-271

XVni. Kap. Wie es ze der stund nah dem inren menschen

umb in stund 272—274

XIX. Kap. Von der ablosunge 275—277

XX. Kap. Von der jemerlichen schidunge von dem grabe 277 278

Zweiter Teil 278-B14

XXI. Kap. Wie man sol lernen sterben und wie ein un- bereiter tot geschaffen ist 278—287

XXII. Kap. Wie man inrlich leben soi 288—290

XXni. Kap. Wie man got minneklich enpfahen sol . . . 290-303

Gebet 303

XXIV. Kap. Wie man got grundlosklich alle stunde loben sol 304 314

Dritter Teil« Die hundert lletrachtungen und llegelirnngeii 314 322

Epiloir 322-324

Kecrister 324—325

^ritten Bach. Büchlein der Wahrheit 326—359

Prolog 326-328

I. Kaj). Wie ein t^elazener mensche beginnet und endet

in einikcite 328-329

II. Kap. Ob in der hohsten einikeit kein anderheit nnige

bestan 329—331

III. Kap. Wie sich der mensche und alle kreaturen ewklich

haben gehalten, niid von ircni gewordenlichen

usbruchc 331- 332

IV. Kap. Von dem waren iiikere. den ein jL^olazsener

mensche durch den einbornen 8un nemen sol 333 338 V. Kap. Von den hohen und nützen fragen, die ime du warheit lies werden von der glichnüsse eins

gelassen menschen 338-352

Vi. Kap. Uff welen pnncten dWu nicnsclien 4»ebristet. die

valsche friheit fiirent 352-357

VII. Kap. Wie adelliclien sich haltet ein reht i^elazsener

mensch in allen diufron 357 359

XIV luh'Ah.

Seite

Viertes Buch. Brief bfichlein . 360—393

Prolojjc 300

I. Brief. Von eins aiivahcndcn meuschen ledigen vonker

von der weit zfi got. Kegnnin mundi et omnem ornatuni saeculi contenipsi propter amorem do-

mini mei Jesu Cristi 300-363

II. Brief. Von einem demntigen undergang eins gotJicheu

menschen. Habitabit lupiis cum agno . . . 363 307

III. Brief. Wie sich ein mensch poI geben willeklich in liden nach dem bilde CYisti. Eisbeten der Staglin ze Tozz. Nigra sum sed formosa .... 367— 30S

TV. Brief. AVie ein ungelebter mensch sich zu im selber allein sol keren und endri'i menschen unberichtet söl lassen. Quoraodo potest caecus ducere? . 369 ;i72 V. Brief. Von jubilierender frode , die die engel und engelschlichfi menschen enpfahent, so sich ein Sünder bekeret. Exultet iam angelica turba coelorum 373 378

VI. Brief. Wie sich ein mensch sol halt-en unerschrokenlich, so es gat an ein sterben. Absalon. lili mi. quis

mihi det, ut ego moriar pro teV 37H— 3H1

Vn. Brief. Wie sich ein mensch in ustragenden emptorn sül halten. Oistus factus est pro nobis obediens

usque ad mortem 381 3SH

VIII. Brief. Wie sich ein gotlicher mensch in gotlicher suzze- keit sol haben. Elsbeth Staglin. Annunciate dilecto, quia amore langueo 384 380

IX. Brief. Wie ein mensch ze ruwe sinea herzen in got

söl kommen. In oranibus requiem quaesivi . 387 -389 X. Brief. Von etlichen stüken, die ze volkomenheit liorent.

Estote perfecti 389—391

XI. Brief. Wie sich ein mensch zii dem gotlichen namen Jesus sol andehtklich lialten. Pone ni«* ut signaculum super cor tuuni! 391- -393

Zusätze zum Brief hiichloin : Kr/ählinig toii der Verehrung

des Xamens Jesu, Morgenuruss und Sprüche . . 393— 4ni

Zweite Abteilang:. Die nicht in das Kxemplar auf-

l^enommenen deutschen Schriften Keanes 4u3 -.554

I. Das is^rosse Itriefbnch 405-494

Prolog . 4O5--406

1. r>rief. \{v\ l>avid s«Miuorat 406 410

II. Brief. B«*gnum mundi et omnem ornaium saeculi oon-

tempsi propter amorom domiui mei Jesu Oisti 410—417

Inhalt. XV

Seite

III. Brief. Surrexi, ut aperirem dilecto meo 417—419

IV. Hrief. Habitabit hipus cum agno 420-423

V. Brief. Sonet vox tua in auribus meis, vox enira tna

duJcis et facies tua dccora 423—425

VI. Brief. Vineae florcntes odorem dederunt, et vox tur-

turis audita est in terra nostra 425—427

VII. Brief. Trabe rae, post te cürremus in odore unguen-

torum tuorum! 427—429

M3I. Brief. Gustate et videte, quouiam suavis est dominus 429—432

rX. Brief. Quam dilecta tAbeniacula tna domine virtutum! 432—434 X. Brief. Kevertere, revcrtere Sunamitis, revertere, rever-

tere, ut intueamnr te! 434-437

XL Brief. Audi, fili mi, disciplinam patris tui! . . . . 437 439 XII. Brief. Nigra sum, sed formoaa, filiae Jerusalem, sicut

tabemaeula Cedar, sicut pellis Salomonis . . 439-444

XIII. Brief. Absalon, tili mi, fili mi Absaloii, ([uis mihi det,

ut ego moriar pro te? 444—446

XIV. Brief. Exultet iam angelica turba celonim! .... 446—451 XV. Brief. Surge aquilo et veni auster, perfla hortum meum,

et fluant aromata illias! 451—454

XVI. Brief. In exitu Israhel de Egypto etc 454 457

XVII. Brief. Quomodo potest cecus cecnm ducere? . . . 457 460

XVIII. Brief. Nemo potest dnobus dominis servire .... 461 XIX. Brief. Christus factua est pro nobis obodiens usquc ad

mortem 462 465

XX. Brief. Annunciate dilecto, quia amore langueo . . . 466 46H

XXI. Brief. In omnibus requiem quesivi . 468—470

XXII. Brief. Estote perfecti! 471—472

XXIII. Brief. Exivi a patre et v«*ni in niundum ; itenini relinquo

mundum et vado ad patn?ni 472—475

XXIV. Brief. Nos autem revelata facie ^loriam domini spe-

culantes in eandeni iniaginein transformamur a

claritate in claritatem. tamquain a domini spiritn 475—477

XXV. Brief. Mihi anteni adhaorere deo bonum est . . . 477 479

XXVI. Brief. Pou<' me ut sionaculum super cor tuum! . . 479— 4sO

XXVIl. Brief. Cum essem parvulus, loqucbar ut parvulus . . 480- 4H5

XXVIII. Brief.*) Testament der Minne oder Miiin.reirel . . . 486—494

li. Predi|:ten 495 r>;i6

I. Predigt. Lectulus noster fioridus 495- 5( »8

TL Predigt.*) Miserunt .Tudaei ab Jero»olymi.s sueerdotes

et levitas ad Johannem, ut iuterrogarent

eum: Tu quis es? 509—518

*i Der Asterisk bedeutet, dass die Echtheit des betreffenden :^tiUkf<5 /Avoifelhaft ist.

XVI Inhalt.

Seite-

III. Predigt.*) Exivi a patre et veni in mundum, iterum

relinquo mundum 518— 62B

IV. Predigt. Iterum relinquo mundum et vado ad patrem 529—536^

III. Das Hinnebfiehlein*) 537-554

' I. Kapital 537-543

IL Kapitel 544-547

lU. Kapitel 548—554

Berichtigungen und Nachträge 555—558

Glossar 569— «28

Verzeichnis der Bilder.

1. Zur Vita.

Abb. 1 (Erklärung S. 3) 2

Abb. 2 (Erklärung S. 20; 19

Abb. 3 (Erklärung S. 51) 52

Abb. 4 (Erklärung S. 65) 65

Abb. 5 (Erklärung S. 130) 129 |

Abb. 6 (Erklärung S. 140) 141 j

Abb. 7 (Erklärung S. 148) 147

Abb. 8 (Erklärung S. 152) 150

Abb. 9 (Erklärung S. 152) 151

Abb. 10 (Erklärung S. 155 j 154

Abb. 11 (Erklärung S. 195) 195

a. Zum Büchlein der Ewigen Weislieit.

Abb. 12 (Erklärung S. 258) 255 |

*) Der Asterisk beloutct, dass die Echtheit des betreffenden Stückes j zweifelhaft ist.

I

Yerzeiohnis der Abkttrznng^iL

= Leben Seiues. = Büchlein der ewigen Weisheit. = Büchlein der Wahrheit

J = Kleines Brief bttchlein.

Bfb ■= Grosses Brief buch.

= Minnebttchlein. r. = Horologium Sapientiae.

= Deutsches W^örterbuch. (i). = Handschrift^en). = Jahrhundert. = Urtnindenbuch.

lir oder ALKliM = Archiv für Literatur- und Kirchengeschichte deH Mittel- alters, ^i^ == Buch von geistlicher Armut, hrsg. von Denifle 1877. OL = Denifles Scuseausgabe (1880). iep. = Diepenbrocks Senseausgabe (•1884).

^hut = Pfeiffer, Deutsche Mystiker des 14. Jh. 11 Meister Eckhart (1857). •^th = C. Grrith, Die deutsche Mystik im Predigerorden (1861). rxer = M. Lexer, Mittelhochdeutsches Handwörterbuch, 3 Bde (1872 78). ;)PH = Monumenta Ordinis Praedicatonim Historica ed. Reichert (1895 ff.j. ^^T I— ril = W. Freier, Geschichte der dmtschen Mystik im Mittelalter,

8 Bde (1874 93). 'eger Briefe- = Die Briefe H. Susos hrsjr. von Proger (1K67). •eisrer Vurarbeiteu = P reger, Vorarbeiten zu einer Geschichte der deutschten

Mystik, Zeitschrift fiir bist. Theologie 1869, IflF. »eberg - K. Strebe rg. Ein Kampf um jenseitiges Leben, liebensbiid eim^s

mittelalterlichen Frommen (II. Sense) 1HH9. tranch, Ad. I^angmann = Die Offenbarungen der Ad. I^. hrsg. von Strauch,

ifV 26 (1878). Inoch, Marg. Kbner = Strauch, M. E. und Heinrich von Nördlingen (1882). iriot = Oenvrfrs mystiques du bienh. H. Suso, trad. par Tli. T (J8?^9). toer = Th. Vetter, Ein Mystikerpaar des 14. Jh. (H. Sousr und E. SUigel) 1882. ~ Z^-itsrhrift für deutsches Altertum. = Anz^-iger der Zeitschr. f. dt»Qh. A. ih = Z**it<ichrift für deutsche Philologie.

Einleitung.

^«^ ^«.

II . M- u c, Dentiohc Schriften.

A. Die einzelnen Handschriften.

Die deutschen Schriften Seuses sind in sehr zahlreichen und »«'( zersirtuteit Handschriften überliefert. Soteeit sich ihre Pro- tmem feststeäen Insst. stammen die meisten derselben mis Nonnen- Wiiiem, besonders des Dominikanerordens, in Süddeutschland (Elsass, Baden, Wärtlendterg, Bayern) und der Schweiz, doch nicht wewiye auch aus Mittel- und Niederdeutscfdand; nach dem Osten (Österreich) tthniten Seuses Werke weniger gedrungen zu sein. Insbesondere das pde» ist im 14. und 15. Jh. so häufig abgeschrieben worden, dass jede grössere Bibliothek in Deutschland und in der Schweiz mehrere Exemplare daran enthält. Es kann sicJt daher bei der Aufzählung noch bei der Benutzung der Band- tAriflm um absolute Vollständigkeit handeln; namentlich aus Privat- ÜUiothtken »cird noch dies und jenes Manuskript nachgetragen werden länwn. Möglichste Lückenlosigkett ist jedoch angestrebt bei den Mdtrhandschriften des sog. Exemplars (d. h. des von Seuse selbst T*digiiTien Sammelwerks, seine oier Hauptschriften: Vita, Bdew, Bda und Kl Bfb umfassend), beim Leben Seuses und beim Gr Bfb. Dit in dieser Ausgabe benützten Handschriften sind mit fettgedruckter fiißre bezeichnet; von den übrigm sind die meisten wenigstens ein- ten worden. Bei der grossen Zahl der zu eneähnenden Manu- 'ipte musste die Beschreibung so knapp als möglich gehalten werden.

L Handsehliften des Exemplars.

A = Berlin, KijL Bibliothek Ms. germ. 'inarto 840 face. 9493),

'trg. ISO Bl. (die Bl. 84—87 sind au falscher Steile gebunden,

gehören zwischen fik und (i9) 170 X 215 mm. Lagen von ge-

Einleitung'. I. Die Oberliefpmng.

1

wöhtUich 12 BL, durch schnittlich 33 Zeilen auf einer Seite, von einer, sich aber nicht immer gaiiz gleichbleihoiden Hand in da zweiten Hälfte des 14. Jh. sorgifältig geschrieben. Dieselbe Hani hat nachträglich Korrekturen vorgenommen, dann und tearw, aba seltener, auch eine zweite, spätere Hand. Dialekt alemannisch, tooh nur ganz leicht vom elsässischen heeinfiusst. Inhalt: das Ejremplat vollständig mit Prolog, Bildern und einigen gemalten Initialen (übet die bildliche Ausstattung siehe genaueres unter C). Die Kapitel»' Überschriften und Anfangsbuchstaben sind rot. BL 1 ' oben am Bandi steht von alter Hand (rot): Pater noeter et Ave Maria, d<irunter: Gelobt vnd gebenediet sy der werde nameti vosers herren tesn spi vnd der lioh gelobten junefrouwe Marien einer mftter eweclicben an ende Amen. Darauf von jüngerer Hand (15. Jh., teilweise rer- wischt): lESUS MARIA zarter minneclicherherre vnd frunt . . . hertzea Amen. Darunter si;hu:arz (14. Jh.): XI bilde. .Im Schltisse BL 160* steht (rot): Explicit. Finis adeat vere Echriptor wnit precinm habere Die für die Seuseforachwig ätisserst wichtige Hs. sie ist dh älteste Htid beste Hs. des Exemplars und daher dieser Ausgabe zw gründe gelegt hat merkwürdige Schicksale erl^t. Sie stammt aui d-er Bibliothek des Johanniter havses zum Grünen Wörth in Straw bürg, imtrde, wie ihr Zustand zeigt, von den dortigen mystisch g* stimmten Kreisen fiel gelesen und kam bei der Aufhebung d* Klosters mit anderen wertvollen Hss. jener Sammlung ') in die Strasf burger SladtbibUothek, wo sie wie vorher die Signatur B 139 trufft Hier wurde die Hs. von K. Schmidt zu einem Auf säte über Senat in Theol. Studien und Kritiken 1843, 835 ff., der auch maneh^ Auszüge daraus gibt, benutzt, ferner in den vierziger Jahren dm 19, Jh. von dem bekannten Germanisten Franz Pfeiffer, der etfM Ausgabe Seuses projektierte'), in ziemlich mangelhafter und ungenau«i Weise teils abgeschrieben*), teils kollationiert. Pfeiffers Man»

'> Vgl. darüber J. J. Witltr, Cataiogus Cod. Mt». in InhUothtca eaen ordinis UUroaoh/mitati ArgetUorati aseervatoram , SIrtusburg 1746 (uim* Stastits. S. 19 unter B 139, doch füUchlkh aU Fapitrh». btteichntt): J, Äad gtber, Die htl. Schatte der früheren Strassb. Stadthibliothek 1876, 41 f.', C. Schmidt, Zur Ge*eh. ätr älteattn Blbliothtken za SImstburg 1883, ISj K. nieder, Dir OottMfreund vom Oberland 1905, 35eff.

') Übtr di«s( Stint PMiie tgl. K. Bartack in eeinn- Biugraphie Pf*ifftr in ,BriefiixfliatI gwisdmn Jos. von Lassberg u. L. Uhland' hrsg. von F. Pfefffi 1870, XXX f., XLVIl.

•) Ein Teil der Absehriß ist aUtydingg nicht von Pfeiffer nrlb/ä, sondert vnn unbekannter Hand.

t einzolnen HandBolirift«ii. 5*

•kfii>lc ') kamen nach eeiium Tode (f 29. Mol 18^) in äü HofbibUotkek n Wie» (=Suppl. 2778 [N. S. 208] eMkalteml Vita'), Bdw, KIBß. und Sujijyl. 2779 [Nr. 15379; tujL Tnbuine codd. VIII, 155 f.] enthallend Bdmf, Gr Bfb [)>. imU-r VI], Predigt I und IV (•. anter VII], und eiuüje Stacke von Eckhort nach Abuchift «ow J. Hfitiptj, ifo sie auch Dtnifie für "eine Aiisgahe heniitzte. Die Siiassburger Hs. selbst galt als verloren, da am 24. August 1870 i"i der Behgerung die Stadfbibh'ofhek in Brand geschossen und zer- 'lärt trurde. Gross wnr daher die Überraschung, nls Schreiber dieses m September 1903 rfns verlorene Manuskript in Berlin wieder ent- d«ktf. Eingezogenen Erkundigungen zufolge ist es im September ms «US dtm Nachlass Pfeiffers käuflich eiteorben worden. Es lifgt die Vermutung nahe, dass der Gelehrte die Ha. zur Benützung fntliehen hatte, jedoch starb, ehe er sie zurückgeben konnte, und dass tit darauf als sein Eigentum angesehen und verkauft wurde; dass man in Strassburg den Verlust nicht bemerkte, ist zwar auffallend, "btf dem Krieg konnte die Sache aber uiohl in Vergessenheit geraten. tt« Zweifel an der Identität der Hs. kann nicht bestehen: nicht nur ist die alle Signatur B 139 anf dtm Rücken des Einbandes «och deutlieh sichtbar, sie stimmt auch aufs genaueste mit den f^neipten Schmidts und den Abschriften Pfeiffers. Habent sua Mit libeUi!

IL = Einsiedeln, Stiftsbibliothek Ih. i\r.710. Pap. 9 + 232 ■m (Uter Hand numerierte Bl. fol. (208 :- 302 mm), d(rppel>^ltiy der Bweiten ') Hälfte des 15. Jh. sehr achün geschrieben, reich Miniaturen ausgestattet (s. unter C). Sprache: alemannisch- ^Kkicdbisch. Inhalf: Bl. 6'^—7'^ Register; Bl. I—XXI (alte Be- iißerung} Gedicht von Christus und der mtnnenden Seele (mit Bildtni}, da» sich auch in der 1/onaueschinger Hs. Nr. 106 Bl. 1—40,

') Über «rmm bis jrtst gan£ ungenügend auegtniUiUn und he/ichriebentn, He ilt G*9ehiehU der druttchen MyHik trei-tvolltn Naehlasfi vgl. jftzl Otto ^faofl, Oberlirfrrung und Handselirifttnverhältmn den Traktate« ,Sehfcetter JPalf«', Diss. Hau* 1906, 9 f.

*) liit »r»tr tlätftr dergeiben ist nach der Stuttgarter He. Cod. aseet. I&, fr^ith nicht »eilen nachlattig abgrschrirben und nach der Straesliurger Hs. i-Hatio^rrt, tiuu iJenifU XX,637 und Zfda XXI, IST nie/it erkannt hrU, in der netitn H'ilftt i*t nur da» Strateh. Manutkript kt^ien.

*) Dmiße XXVIII weist die H». dem Anfang dts JH. Jh. tu, aber die TON dtrttlhen Hand geeehriebene Einsiedler Ha. Nr. 3^3 ist im Jährt 1463 "Mendti (tgl. Vatatogus Codd. tnet. in hihi. Monaiä. Einsiedl. descript. a. P. 0. iltler I {189.9} 260K

L

Einleitung. I. Die Überliefenmg.

ni K'irWuhe, Cod. St. Georij. Pap. Germ. 91 Bl. 1—80 (ehenfnU» mit Bildern), und Überlmgm, Hs. Nr. 22 (= U) Bl. 3-20 findet ');, Bl, XXIII"— CLXXXIIII'- das Exmplnr vollstäiidüj mit Prolog, von da l/is Schhiss Bl. CCXXIX kleinere asketische und mystisch* Stucke (vom christlic/tt-n Lehen, von einem geistlichen Kloster nach St. Bernhard, Bruderschaft der ewigen Weisheit im Auszug [Bl. Cölt—CCIll], ton vollkommener Demut, von dm Graden und. Staffeln iler Geduld, von einem anfangenden, zunehmenden und voll^ kommenen Leben «. a.). Die Hs. stammt laut altem Eintrag Bl. 4*" aus dem Uominikanerinnenklosier St. Petrr zu Konstanz; Vergleich mit Hs. Nr. 383 und 752 ') legt die Vermutung nahe, da» sie wie diese von detu reichen und angesehenen Patrizier geschleclii der Ehinger ihr Wappen findet sich in allen drei Hss. dortt hin geschenkt wurde. Auszüge aus den lier Schriften des Exemplar* nach K bei F. Vetter, Lehrhafte Literatur des 14. und 15. Jlh, 2. Teil: Geistliches (= Kürschners Deutsche Nationoüiteratur Xlt^ 2 [1889]) 109—247.

R = Hs. der Domkapilelsbibliothek in Breslau, ohne Sigtiatur^ Pap. 293 Bl. fol. (220 x 320 mm), mit Bildern, am Ende dlH lö. Jh. von Schwester Katkarina Menttellwergerin (Bl.220'*) » lieh fiächtig geschrieben. Dialekt: bagerisch. Die Hs. utammt dein Dominikanerinnenklosier zum hl. Kreuz in Regensburg, und irurd« i'on Kardinal Diepenbrack der Bibliothek des Domkapitels Ht' Breslau vermacht. Inhalt: Bl. i™ 244"* dtis Exetnplar vollständig* mit Prolog (vom Bdw fehlen aber die Kap. 3, 4, 6, 7, vom Kl Brief 6 und 7); Bl. 244'"— 79'* 23 Briefe des Gr Bfh (s. untei VI); Bl. 279 •*—82 -* Zttmtz zum Bfb (393,8—96,5); Bl. 282'*~93* Bruderschaft der ewigen Weisheit.

H= Wolfenbüttel, Herzogl. Bibliothek Cod. 78. ö. Aus fol., Pap. 322 Bl., im 15. Jh. (Bd. 322": 1473) in bayerisch«» Dialekt von mehreren Händen geschrieben und mit Miniaturen autfi gestattet. Die Hs. stammt vermutlich aus einem Nürnberger Klostä lind enthält das ijanze Exemplar mit Register, Prolog und den Na^ trägen zum Bfb, die Bruderschaft der ewigen Weisheit und da

') Ein Brucltttück ül in Monet Anziifftr VIII (1839) 334 ff. abgtärudt dit AnfSngt ttnd Ühtrsehrifltn aun übet F. VilUr, Das Lehm der Sehtür.ttt n> Tßen 19oe, X f. Bttehreibung bei A. Peltter, Deutscht Mystik h deutliche Kunst (Studien »ur dtulschen KumtgeschichU H. 31) lti99, 181 f.

') Betehreibung diuer Hs. bei Simon a. a. 0. .Uff.

•) Deitifle» Ängnbi- XXVIII f.. da»» das Bdew fehle, ist HfiriehHg.

Die Giuselnen HaoilBchriften. 7*

Stunfthenbuch Mersicinf '). beschreihumj in 0. ton Ittiiir iiiuniis Kntäog 2. Aht. IV (19fM>) 7.

f = //(f. der Freihuryer Universitätsbibliothek AV. 45S, Pay. 213 bl. fol. (220 x 290 tum) 15. Jh. (Bl. 212'* : 1440), im dmanninehschwäbisckem Dialekt, das Exemplar vollsiätidtg mit Re- jiiltr, Vorrede, Nachträgen und die Bruderschaft der ew. Weish. fntkaltend; früher im Besitz des Fransiskaner-Tertiarierinnenklostere a ImiykofeH bei Sigmaringen, dann des Professors F. K. Ories- h-ibrr, Hftch dessen Tod (ISfiG) die Hs. »ach Freiburg gelangte.

H = Hs. der Siodtbibliothck in Nürnberg Cent. VII, DO, Pap. 173 Bl. 4' (150x210 mm) mm 15. Jh., in bayerischer Mundart; sehr fehlerhaft und ohne Verständnis geschrieben, früher dm Dominikaner Konrad Förster von Ansbach zu Nürnberg ge- *mj. Enthält Bl. 2^66 Bdew vollständig; Bl. 67—123 Vita bis Sr.Uuss von Kap. 44, teils stark gekürzt, teils mit Auslassung einzelner Kapitel (z. B. 6, 30, 33, 34, 57 usw.), wofür dann andere ab- jäfjlt und mit neuen Überschrtften versehen werden''); Bl. 124 Bdic; BL 140—73 25 Briefe, eine Kompilation aus Briefen des KldJ Nr.) und Gr Bfh (14 resp. 15 Nr.) mit den Nachträgen :m Kl Bß. Vgl. die TabeUe zu VI.

m = ll8. der Münchner Staatsbibliothek Cgm 819, Pap. S46 bl. 8 ". 15. Jh., in bayerischem Dialekt. Der Inhalt ist, von im fehlenden Bdew abgesehen, genau derselbe wie in N mit allen charakteristischen Eigenheilen und Abweichungen, besonders in der yita und im Brief buch; man ist zur Annahtne genötigt, dass ent- wdtr Mite Hss. eine gemeinsame Vorlage hatten, oder dass eine von der anderen direkt abhängt (wahrscheinlich m von N). Beschreibung iir da. in SchmeUeis Katalog 139. Das Briefbuch der Hs. m hat H". Preger 1867 unter dem Titel: „Die Briefe Heinrich Susos »och einer Handschrift des XV. Jahrhunderts" ediert in der irr- limiichen Meinung, darin das endgültige, von Seuse redigierte Brief- iuch gefntiden zu haben (weiteres unter B).

B' = Äs. der Kgl. Bibliothek in Berlin, Ms. germ. fol. f58, Pap. 232 Bl., 15. Jh. (ztveite Hälfte), in bayerischem Dialekt, mit Bildern, aus dem Dominikanerinnenkloster Allenhohenau bei Wnsser- barg in Oberbayern, dann im Besitze Meusebachs. Besteht aus zwei

>) Ühtr diitet vgl. Strauch in Z/dph 1902, S3il.

•) htr Schreibt'' htgrUndet »ein Verfahren am Schiuti lies Prologs der f'ia: ilocli han ich das pest damn!; gelesen in knrtzen «orten, und SI. 139': ptoMum ed fieri per phtra, qitod pnte«t flen per panciora.

8* Einleituüg. I, Die Übcrliefermig.

'leilen: 1. Bl. 1 85 Heiligenleben, 2'eil eines Pasnionals; 2, 1 147 Vita mit Proloij de^ Exemplars und Bdew, aber ohne di 100 Betrachtungen. Text spät und umucetiätsig.

P = Paris, Bibliol/iique nationale. Ms. aUem. 223, Pap. 3U Bl. 4". 15. Jh., in alemanninoh~el«ässischeiii Dialekt, aus dem Do* minikanerinmnkioster St. Nikolaus in imdis zu Sirassburg stammendi Inhalt: Bl. I'-^IOO' Vita; Bl. lOff—lW KlBfb ohne Nr. tl {Pone me); Bl. 118' 24' die Bilder des Exemplars in sehr rohM Ausführung mit den Sprächen dazu. Über den weiteren Inhalt dei interessanten mystischen Sammelhs., auf die zuerst F. fetter'] aufmerksam gemacht hat, siehe die Beschreibung bei G. Hue% Catatoque des mss. aliemands de la bibl. nationale, Paris 1895, IStj rollständiger und genauer bei Simon (s. o. S. 5* Ä. 1 ) n. a. 0. 27^,

S = Cod, ascet. 15 der Kgl. Handbibliothek in Stuttgartf Jetzt (seit 1901) in der Kgl. Landesbibliothek, Pap. 233 Bl. 4* (145x210 mm), von zwei Händen in der ersten Hälfte des 15. JA^ schön gesehrieben; alemannische Mundart. Itihalt: Bl. 1' Sprüefn eom ersten Bilde; Bl. 2"" —233' Exemplar mit Prolog ohne Bdeit^ Die Bilder fehlen, aber der Platz dafür ist freigelassen. Die war früher im Besitz des Dominikaneriniienklosters Ötenbach be Zürich laut Notiz auf der Rückseite des vorderen Deckels von einei Hand des 15. Jh.: Dis hdoh iat des cODventz an Ötenbach genl {=: gebet es) dur got wider; i.päler kmn sie nach Weingarten (Bl. 1 oben: Monasterti Weingarteusis 1674). lil. 233' steht (rot): Ga (ienkent Johannea ^eye (irohl Verunstaltung aus Seüs) durch go^ darunter: Gedenkent durch got Jnngkher DiethelmB von klingen dem band wir dis bücb.

S' = Cod. theol. et philos. fol. 381 der Kgl. Landesbibliothei in Stuttgart, Pap. 228 Bl. 210x310 mm, alemannisck-schittäH acher Dialekt, zweite Häufte des 16. Jh. (Bl. .39' : 147G, Bi 228': 1475). Ent/tält Bl. l'—39' das Leben der gel. MargareU von Ungarn*), dan sich auch in der St. Gallsr Hs. (>03 (vgi Vetter, Viten von Tös VIII), in Cgm 750, in de)- Hs. der Nünt berger Stadtbibliothek Cent. VI, 53, und in U (s. S. 9" Vetter a. a. 0. XU) findet; Bl. 42' 220' Exemplar

') Ei« Mi/stikerpaar (s. S. 97) 57,0I> Anm. 47 and 62.

<] Tockttr König Bila» /^', + 1271 als Lominikanermnnt. Ihre Vt itt von dem Hominikaner Garinu» 1340 eriftust, von gtinen Ordetisgeitott JSrg VaHf und Konrnd deultch btarbriM trordm. Vgl. darüber Kaini im Ärohiv für öttfrräeh. Otich. 91 (1903) 53 ff.: Riet. Jahrbuch 19o6, HO.

Die einzelnen Handschriften. g*"

B^ter, Prolog und Nachträgen zum Bfö, aber ohne Bdew;

BL220^—28'' Bruderschaft der ew. Weish. S^ ist mit f nahe verwandt und hat dieselben zahlreichen Fehler; dem ersten D)'uck im li82 lag eine S^f ähnliche Hs. zugrunde (vgl. Denifle in Z/da XIX, 350 f.).

\i = Hs. der Überlinger Stadtbibliothek Nr. 22, Pap. 321 Kfol. (210x295 mm) in alemannisch-schwäbischer Mmidart, aus dm Dotninikanerinnenkloster Zofingen zu Konstanz stammend. In- kalt: BL 5'' 20^ Gedicht von Christus und der minnenden Seele h. oben S. 6*); BL 20 *" 125 *" Exemplar mit Prolog, doch ohne Bdeic'); BL lW—25'' 14 Briefe des Gr Bfb (s. unter VI); über den iceiteren Inhalt der Hs. (Viten von Töss und Katharinental, Lehm der sei. Margareta von Ungarn und des hl. Ludwig, Traktat CO» den 40 Myrrhenbiischeln ) vgl. die Beschreibung bei Vetter ff. n. 0. X—XIII").

n. Handseliriften der Tita.

Ausser d-en unter I aufgeführten Hss., welche sämtlich al^ trtte^i Buch des Exemplars das Leben Seuses enthalten, sind folgende nock besonders zu nennen, in welchen sich nur die Vita oder Bruch- ftidce derselben finden.

A* = Hs. der Universitätsbibliothek in Strassburg L genn. 75, hp. 142 BL 4 ® (145 x 220 mm), 15. Jh., alemannisch'elsässii<che Xundarf, aus dem Dominikanerinnenkloster Unterlinden in Ko/mar ftmmend. Enthält BL 2'' 4"^ den Prolog des Exemplars, BL 4"" ktf U2^ die Vita.

M = Hs. der Münchner Staatsbibliothek Cgm 362, Pap. n^ BL, von denen zwei an falscher Stelle {das 25. nach dem 35., 36. nach dem 38.) stehen, 4^ (145 x 220 mm) vom Anfang des ^5. Jh. oder vielleicht noch etwas früher, ziemlich fiüchtig 7nit teil- fciw fiark verblasster Tinte geschrieben, in alemannisch-schwäbischem Kffteti; enthält die Vita in ganz eigener, von den übrigen Hss. ab-

^ Die Sehreiberin begründet Bl. 90 r die Auslassung damit, dass das *•■ ^»onst als trohl und gut gescJirirlen'" in ihrem Kloster vorhanden sti. " ^ Tat gind zwei Exemplare des Büchleins aus dem Zojinger Kloster noch **^ (#. unter III F"^ und K\).

*) Die ebenfalls das Exemplar voraussttzende Kolmarn- Hs. Nr. 2ii(i {sie '^ ia9 Bdw und Bfb als 3. U7id 4. Buch ein) wird unten unter IV auf-

lU* Einleifoing. I. Die Überüefcruug.

weichender Rezension, worüber unter B ausführlich zu himdtln ia Bl. 1 ' steht oben : assit prinoipio eaDCta maria meo. Item der wndfl sves; uiilfn am Bande von späterer Hand: das bftch von dem (liene der ewigen wizhayt; Bl. 73'' unten (hei Kap. 38): ich han den eysseti lieb vod hertzen. Vi/l. auch die Beschreibung der Hs. durch 'Strauch in Äfda IX (1883) HO.

Vollständiy, aber in ziemlich verderbter Form enthalten den 'iWt der Vita auch Cgm 4374 Pap. 4" 15. Jh. Bl. 1—129 (v(4. SchmeUers Katalog 449) und die 1596 geschriebene Hs. d^r Uni- eersitätsbibliothek in München Hr. 146.

Nur im Auszug von Kap. 1—44 und zwar ganz in der Ä* sension der oben angeführten Hss. N und m ßndet sich das Leb«» Seuses in folgenden drei Hss. :

Ms. Theol. 133 der Göttinger Universitätsbibliothek, Pap, 167 Bl. 15. Jh. in mittelfränhschem Dialekt (vgl. W. Megerf Katalog II, 3G3); Hs. der Stodtbibliotfiek in Mainz, ohne Signatufi Pap. 15.116, Jh., ebenfalls in mittelfränkisc-hem Dialekt (Beschreibung von F. W. E. Roth in Zfdph 26 [1894] 67 f.); Wien, KaUen HojUbliothek Nr. 3022 Pap. 236 Bl. 4" 15. Jh., niederrheinise, (den iceiteren Inhalt der Hs. in Tabulae codd. II, IdO und Öt Hoffmann von Fallerslcben, Verzeichnis der altdeutschen Hut der Hofbibliothek zu Wien 1846, 346).

Eine Anzahl von Hss. ') endlich enthalten Bruchstücke d«\ Vita: Berlin, Ms. germ. oct. 69 (s. unter VI) Bl. 135—4$ 264^73: Kap. 49 und teilmise 50, 11, 12, 8; (iättingen, i^ Theol. 292 Bl. 55, 131—36 : Kap. 49 und teilweise 20 ( W. Mty« Katalog II, 472 ff.); Kolmar, Stadibibliothek Nr. 268 Bl. 174-7$ Kap. 9 (vgl. Bartsch, Beiträge zur Quellenkunde der altdeutschel Literatur 1880, 314): Milnchen, Cgm 455 Bl. 1—6; Cgm 45i Bl. 64—70 und Cgm 457 Bl. 318—23: Kap. 13; Cgm 531 /o| Bl. 116—24: Kap. 1—9; Muri-Gries, titiftsblblioihek Cod. 10^ 157 Nr. 104, Pap. 16.117. Jh., enthaltend Kap. 1—33 und im Am zug 40—49; Stuttgart, Cod. theol. et phil. od. 19 (vgl. unter VI. Bl. 61—64: Sprüche aus Kap. 35; Cod. a.-<cet. 203 Bl. 10t, 176-82, 191 f.: Kap. 6, 49, 35.

Nach K. Schmidts Angabe in Theol. Studien und Kritikü 1843, 865 Amn. befanden lich in der 1870 verbrannten Hs. dt Strassburger StadtbihHothek B 146 Teile der Vita. Eine Hi

ü aiigrfirhrii dem l.'i. .Jh. angtMrtnA

Die eitueliia» IIitui]»chrifteii.

Pnvalbesiiz (Dr. Karl Widmann), Pcr.j. und I'fi/i. lü. Jli. 'p4m, i-tneichtiel K. Roth, Deutsche Predigten dc^ 12. und 13. Jh. , 3 Anm.

m. Handscliriften des BfieblelnH der ewigen Weisheit.

Dit Zahl der llss. des zweiten Buchen Scuses iat Legion. Keine im Gebiet der deutschen Mystik aiigehörige Schrift wurde so uft kopiert und go viel gelesen. Bei diesem Btwhe ist ma» daher auch m der gtückÜcken Lage, eine Ansa/d alter Pergamenthss., die in die Zeit Sevses selbst zurückgehen oder ihr wenigstens nahe steheti, iur Verfügung zu haben. Von ilen unter I aufgeführten Bss. des Krtmpltirs ist das Bdew in A K K \V f X B ' enthalten, oon di»m aber nur A und K zur Rezensierung des Textes verwendet Wrden sind. Ausserdem sind zu nenneti:

l=Hs. der Stiftsbibliothek zu Engelberg Nr. 141, Perg. 113 Bl. 4" C118-Xlt>6 mm), 14. Jh., nlemannischer Dialekt. Be- ickmibung bei B. G ottwald, Catalogtis cudd. mss. in bibl. monast. Engtlb. 1891, 144. Die Kafiitdilberschriften utid initialen sind rot; die Hs. ist von einer alteren gleichzeitigen und eimr jüngeren Band des 15. Jh. nachkorrigiert wurden, von lezterer zienäich will- käriieh. Leider fehlt etwa ein Drittel des Bdew: der 2. 5. Sextern int eoüständig verloren gegangen, i'on dem ersten sind nur zwei Blätter übrig. Inc. Bl. 1'' : enwoltest dv (202,12), Schluss Bl. 2": Itificegen ergie (204,3); Bl. S"" beginnt: gerent doe dv frümelichen i'24ii,26>. Das Manuskript stammt aus dem Benediklinerinnen- läufter St. Andreas zu Samen, das sich bis 1015 in Engelberg neben •lfm dortigen Mönchskloster befand. Auf der letstett Seite stehen wi zwei verschiedenen Händen eine Reihe von Einträgen, von denen iii für die Geschichte der Hs. bedeutungsvollen aufgeführt seien: Ueben geiBÜichen frowen gedenkent ouch min Jo. frikers des alten äohribers von lucern der vch da half singen dur got. Datum circa Verene ( 1. Se/zt.) Anno domini MCCCLXXVIII ". Weiler unten i(«i älterer Hand, welche mit der ersten korrigierendrn identisch ist: Gedenkent dvr got. S. f'= Swester) Elyzabeten Btaglin ze t6z in dem feloster vnd ir vater Rödolfes Margareten ir mftter vnd drier ir brfider . fridrihes . otten . vnd Riidolfes. Gedenkent 5ch eines bröders Ines brüder iobana von Rauenspurg von dem man vcb den mergten ')

') Gottwtld a, a. 0. liest meDst«ii, re hin»» aber Steher mcrstea, woraus iIm niUert Hand meyrten gemacht hm.

n

12* EiuleituDg. I. Die Dberlivl'emat'.

teil an dis Buch gab. Aus der letzteren Notiz yeht hervor, das» i Hs. aus dein DomimkanermnenUloster Töss stammt und in irgen welcher Beziehung zu Seuaes geistlicher Freundin, Etsbeth Stagtl die „mit solchem Fleisse und göttlichen Treuen hehalfen war", sein Büchlein zv „vollbringen", d. h. abzuschreiben ( Vita 109, 6 f.) gestanden hat, sei es nun, dass sie dieselbe selbst schrieb^), oda wenigstens durchkor rigierie. Die Notiz über den „Bruder" d. offenbar Dominikanermönch Johann eon Baoensburg^) will in ihn zieeiten Teile wo/U besagen, dass aus einer von diesem nach TSt gemachten Stiftung die Kosten der Herstellung der Hs. zum grösstt, Teil bestritten wurden. Später kam dieselbe in den Besitz Luzerner Stadtschreibers Johannes Friker'), der sie 1378 ; Engelbery schenkte. Als älteste aller Seusehss. hat sie auch Jetzt noä hohe Bedeutung.

t' = Hs. derselben Bibliothek Nr. 153, Ferg. U7

') Bits is( Denißee Anntihmr. (305 A. J).

'') Ed lausen sieh mthrn-e Johattnee von Raptnshnrg nachweiset Der fine, Sohn de* Schuhmachers Htinrich von Üaransburg, var Katar m llofschreibrr def BiicIwfM Nikolaus 1 von Konstant (1334— 4t ), Laie, und sta vor 1380 (i)yt Hegesta »pisenporum ConstitntitHsium II, 171, 193: PA. Ru_ perl, Die Clironihen der Stadt Konslam 1891, 45 ff.). Ein andertr, au» A liavenebvrger Palrititrgeschleeht äti- Hunlpis { Uttmpiss) slammtnd, Prirtter u Chorherr am Kollegiatstift Mänsttr (Beromüneter im Kanton T.uttrnI, iet i bunälich zwischen 1340 und 1369 lu htlegen {Geschichtafreund XXXII, ISoM XXXIV, 352; X, 90: V, 199: dominus Joh. de H.: Heu. ep. Comt. JI, 3i fi. 6767, vgl. n. 5994). Doch handfit es sich walimcheinlieh um keinen i dieem beiden, da die Btteichnung Srudfr" doch ico/il auf eitieti Mönch, d.1 hier einen Dominikaner hinwii»t. ils ist daher wa/trscheintieh Johanr Raretulnirg, atanfiaeher MinisteriaU und Herr tu Löwental (bei Friedi-iehshafa^ gemtini, der l'JfiO ia das Dominikanerkloster Konstant eintrat (FrÜb. DiöKi Archiv 1901, 31, 47 f.i und ewtschtn läüO und 1204 bei licchtsgeechllften tilgender KonnsTiklöster Stints Ordens oft als Zeuge ersehrint {Reg. ep. Const. J 301 n. 1704: Wirt. TJrk.-Buch V, 181, 213, ::i.% 285, 398, 301, 360; V. ISH: Zürrh. L'rh.-Bueh Hl, HIB, 346). Sein Name ist in dem Kalendarim eines iJaminikaaerinnenkltister (in Konstant oder TSss?> au» dem 14. Jh., i der Kinsiedler Hs. Nr, 623 Bt. 6', am äO. April eingetragen.

') Joh. Friker de Brugga iBrugg, Kanton Aargaul ist als noiariue « Lutertt öfter» betrugt; tr vertiehtele 1378 aufsein Amt, nachdem er es 17 Jaht verwallet und tag sieh ~in den Hnf auf die T.aiimpfrilnde" (irohl am kermatift tu Lutem) turitck, starb am 34. Februar unbekannten Jahres (Q schichtefreund II, 136: IV, 222: XXII. 154). Er »ehrieb auch die Engt herger lls. Cod. memt'r. 1S5 und schenkte sie 1380 dem Fraaenkloster i Kngelberg (Goltwald, Catalogtig ViSf.; M'. Wackernagel, Aitdtutea Predigten und Gebete 187(i, 390).

r>ie einzelne» Uanil^chriften.

13*

(/. 101 fehlt) 8" (83x12<) mm) 14. Jh., zweispaltig schön i/e- triebe» in alemannischem Dialekt, mit gemallen Initialen, ebenfalls dem Frauenkloster Engelherg-Sarnen. Die Hs. ist vom Miniator ausserdem von einer späteren Hand dunhkorrigiert worden. Der (325, 18—28) fehlt. Vgl. auch Gotitoald n. „. O. 149. f = Hs. der Freihur ger Universitätsbibliothek Nr. 474, i'trg. 223 BL 8" (77 >c 120 mm), 14. Jh. alemannisch, am Gries- habere Vermächtnis. Zwischen 212 und 213 fehlt ein Blatt. Ent- hält Bl. l'—223' Bdew; 223'— 28' Gebete m Maria, die aber States Stil nicht eerraten, vgl. Denifle 5<iO A. 5. Die Hs. ist von Fnaz Pfeifer in Stuttgart 28. Dez. 1842—10. Jan. 1847 ab- jtsehrieben und mit der Sirassb. Hs. B 139 koUntioiUert worden; it Kopie ist jetzt in Wien, Cod. Vindob. Suppl. 2779 BL 1-149 (>. oben S. 5*).

F' = Hs. des Krzbischö fliehen Archivs in Freiburg i. B., ohne

Mgtutur, Pap. 13t} Bl. 4" ( 148 >^. 202 mm), Anfang des 15. Jh.,

Hnisch-schifäbisck, am dem Dominikanerinnetikloster Zofingen

'i.cAenS.9* A. t). Bl. J*"— /a' Bdeu) ohne Vei-mahiung an die

•hreiher; Bl. 72' 75' myst. Gedicht: von armfit des gaistes

^iatutbt bei Tauler 1543 f. 332', in Cgm 447 und 455, in Cod.

■Ol. ijervu qtiart. 191 Bl. 170^71); Bl.75'-—133' mgst. Trtik-

(Inc.: Es ist ze wissest daz in der sei obrosten vemunft . .;

ron Interm leben; Bl. 90" 102'' deutsche Stücke unter

iniichen Überschriften : de resurrectione tnaterie hominie, de oom-

pontiooe hominiB, yirginitaa, novitas vite usw.; Bl. 108'' Maiater

Bggbiirt sprach Cristus mag Dtt eopfaDgen werden in des men-

tAm eel . . .)'

f- = Ifs. desselben Archivs, ohne Signatur, Pap, 191 Bl, 8" (100x^148 mm), 15, Jh., alemannisch-schwäbisch, ohne den Epilog «I die Abschreiber, ebetifalle aus dem Zofinger Kloster.

H = Hs. der Universitätsbibliothek in Seidelberg, Cod. Pal. Stm.446, Perg. llO Bl. 4" (130^170 mm). 14.115. Jh., ale- manni.*chschKäbisch, geschrieben von Conrad von Wynsperg (Bl. 1 10 '). ifw-hreibung in K. Bartschs Katalog 188?. 139.

Z~Hs. der Stadtbibliothek in Zürich C 172 (früher726), 146 Bl. (90,-125 mm), 14. Jh., aUmmniach: drei mer (zwischen 8 uml 9, 19 und 20, 66 und 67) fehlen. Die hat »ehr guten Tcxf und namentlich die Vdterzitate am Bande tMsländigsten, eine spätere Hand hol Korrekturen, die leicht er- ibar und ohne besondere Bedeutung ^itd, angebracht. Auf der

14* EinlottuDg- I- riie flicrlieferung.

Rücksäte den vordereii Deckels steht: dis bflcli ist des conventen | ättenbaoh. gebend es durch gott wider (vgl: oben S. 8*).

Zu den beachtenxwerlen alten Hss. des Bdew {sämtlich Pety.j gehören ferner folgende: Äarnu, Kniilotisbibliotheh B 98. 14. Jh., ohne die 100 Betrachtungen, aus dem Frauenkloster Hennetsek ivffl bei Muri; Maihingen, Fiirstl. Öttingeii-WalUrstein. BibU» thek HI 1. 8" 1. 154 Bl. eon 1408, am dem Kloster Kirchhä» im Bies; München, Cgm 174, 124 Bl, 14. Jh.; Wolfenbätt^ Cod. 67. 9. Aug.. 184 Bl. 8" 14. Jh., Bl. 2'-— 130' (»gl. v. HeiHi manns Katalog IX, 134); Zürich, Kantonsbibliothek Cod. 14S> 131 Seiten 14. Jh. aus KloKter Bheinau, unvollständig (Kap. bis 15 fehUn).

Die Papierhss. de.< Bdew aus dem 15. Jh., soweit bekam seien summarisch aufgezählt: Berlin, Ms. germ. quarto 173 £S 2—148: 194 Bl. 3—105'); 1121 Bl. 1—131; 1135 Bl. 7—10, (aus dem Kloster Buxheim); oct. 379 ( unvoUstandig ). An^efO{ SM Ms. germ. fot. 1155 Bl. 1—71 aus dem IH. Jh. Ber Stadtbibliothek (vgl. F. Vetter in Germania 1877, 357). Bresla Universitätsbibliothek Hs. I 8" 27 von 1402 (vgl. Anzeiger f. Kun\ der dtsch. Vorzeit I [1832] 282), Eichslätt, Seminart hibliothek (nach gütiger Mitteilung von Prof. Dr. Schlecht in Freising^ - Einsiedehi Nr. H23 und 708 Bl. 122— 1>4. Engelber Cod. 340 (Gottwald a. a. 0. 240). St. Florian, SHfk hibliothek Cod. XI. i^ß Bl. 57—146 (rgl. Czerngs Katalog l&Tl 114). St. Gallen, Stiftsbibliolhek Nr. 961 und 995. Goth Hm-zogl. Bibliothek Cod. 138^ Bl. 127^70 (am St. Klara in Nüm berg). Heidelberg, Universitätsbibliothek Cod. Pal. germ. ^ Bl. 1—81; Cod. Pal. germ. 474 Bl. 1—77 und 570 Bl. 1—lOi (vgl. K. Bartsch« Katalog 9 ff., 144, 154). Kalmar, coangel. Pf arr hibliothek Nr. 321 Bl.11—123 (beschrieben im Jahr buch für Geschichte, Sprache und Literatur Elsass-Lothringens XQ [1903] 20 ff.). Konstanz, Gymnasialbibliothek Nr. 29 a

•) Enthäh Bl 199'-— S12^ das Leben de» ««ligin Ehbeth van BemU lüttrtr, Mtmtrläasigtrar Vrrsion (aUmantütehl, als der von Birlinger in A mannia IX, 376 ff. X, Slff. ISS ff. aaeh einer Strtu&hurger und Inndm^ Ha. eilitrte TtJ't. Ich gedmke in Bdidt nach diestr und der Maihinfft Ht. HI 1. 4" 8. Bl. ari4—301 mitzuteilen. In der Berliner Hs. Hfhl Bl, S13—i Mermeine Bearbtitung von Ruyshroek» ,Zierde der gtisiUchen Hochxeit'. Still aus dem Bdew hat Bormann in v. d. Hagenn Germania II, 173 ff. « iiirtntlieM.

Die eiiiaelneii Handucliriften. 15*

dm Konstamer FVamiakanerkloskr. Maihingen III 1.

Bl. 193—304; 1. i" 25. itus Kloster KircJüie'm. Mainz,

SminarbibliotJtefc zwei Hss., beschrieben von F. H'. E. Roth in

Otmattia 1892, 283 f.; die oben S. 10* eriräknle Hs. der Sladt-

hibliitthdc in Mainz enthält im ersten Teil dwi Bdew ( alemannisch )

m Uli. Melk, Stiftsbibliothek Cod. 72 Bl. 1—174 und Cod.

17S Bl. 1 281, beide in bayerischer Mundart (vyl. Catalogus codd.

m.in bibl. mun. MeiUcemis I [1889] 142 ff., 258). Die StaaU-

läbliothek in München zählt ausser dem oben angeführten Cgm 174

wirf abgesehen non den kleineren Bruchstücken noch zwölf Hss. des

BSchleins: (gm 352 Bl. 1—96; 403 Bl. 106—71; 405 Bl. 1—106

nw Wessobrunn; 406 Bl. 59—153; 746 Bl. 127—234 aus Tegem-

m; 759 BL 1—102 aus St. Ulrich in Augsburg (vgl. Strauch

in Zfdph 1903, 236 f.); 765 BL 114—240 aus Fölling; 820

Bl 1—146; 3900 foL BL 27—09; 4275 unmllständig; 4308 aus

\im 17. Jh.; Clm 15604 BL 218 ff. awi Kloster Rot am Inn.

EXürnberg, Sfadtbibliothfk Cent. VI, 43" BL 122—85; Cent. VI,

wSI Bl 1 248 iius dem Dominikanerinuenklosler St. Kathwina in

KSirnbtrg, alte Signatur Iv (vgl. den Bibliothekskahdog des Klosters

Waü Jostes, Meister Eckhart und seine Jünger [Oollectanea Fribur-

PfiNÄo IV] 1893, 133); Cent. VI, 85 BL 1—131. Paris,

f Bibliothi'jue nationale Ms. allem. 303 (vgL Huet a. a. 0. 138).—

ft*th, Ungarische Landesbibliothek Cod. germ. 15 bezw. 14 in 12°

\ ftgi. A. Hartmann, Deutsche Meisterliederhss. in Ungarn 1894, 2).

I - Prag. Univer.iitätsbibliothek Cod. XVI G. 25 Bl 225—343 (vgl

I Sn-opeum 1859, 56 f.). Baigern bei Brunn, Stiftsbibliathek

\Mi. TheoL 360 BL 4—121 aus dem Kloster St. Katharina in Nüm-

■in^ (vgl. Neuer Anzeiger für Bibliographie und Bibliotkeksrnssen-

m^ftimi, 353 ff.). Stuttgart, Kgl. Landesbibliothek Cod.

Bwfl. et philos. fol. 19 Bl. 1 47 mit einem gereimten Eingang in

mli Zeilen von dem Schreiber: aoh h&eter vatter Jbesu Crist . . .

Wtgl. K. Bartsch, Beiträge 366); 4" 57 BL 1 ff.; 4" 98 BL 28

Kit 80, beschrieben von K. Helm in seiner Ausgabe lies Eeangelium

^icorfewi, LH. Verein 224 (1902) IX. Wien, Bibliothek des

peWtenrti/fci .Vi-. 57 Bl 84—180 (vgl. Hübler, Catalogus codd.

fm9, 58 ff.); lioßibliothek Nr. 2974, nicht vollständig (Tabula^

eod. tte. II, 165). Wärzburg. Uniiersitätsbibliothek M. eh. 9.

f7 (rgi. Archiv des hist. Vereins für den üntermainkreis IV, 3,

m). Zürich, Stadtbibliothek Cod. C 108* Bl 1—122.

Nach der Vorschrift Seuscs in seiner Schlussermahnung an die

16* Einleitung. I. Die Überliefenmg.

Abachreiber (325,22 f.) sollten nur die hundert Betrachtungen aus dem Bdew gesondert abgeschrieben werden dürfen. Trotz der dem Zuwiderhandelnden angedrohten göttlichen Rache finden sich doch in sehr vielen Hss}) Bruchstücke des Büchleins^), so in den fol- genden: Berlin, Ms. germ.4'' 125 Bl. 25—26; 8 ''42 Bl. 43—60; 8^ 69 Bl. 194-200; 364 Bl. 115—28. Büdingen, Fürsü. Isenburgsches Archiv 4 Bl. Perg. 14. Jh. (vgl. Zfda X [1856] 290). Einsiedeln Nr. 645 Bl. 16—69, 16. Jh. Engtet- berg, Cod. membr. 94^ Bl. 8 9. Frauenfeld , Kantons- archiv Hs. Y 80 Perg. 14. Jh. (vgl. Katalog der Thurgauer Kantonsbibliothek 1887, 489). St. Gallen, Stiftsbibliothek Nr. 955 S. 251; 982 Bl. 127—67; 986 S. 135—63; 1142 S. 490 bis 624. Göttingen, Ms. Theol. 292 Bl. 231—32. Heidel- berg, Cod. Pal. germ. 617 Bl. 273—85; Cod. Salemit. IX, 16 Bl. 36—38. Karlsruhe, Cod. St. Georg. Pap. Germ. 91 Bl. 30.

Kloster7ieuburg, Stiftsbibliothek Cod. 1226 Perg. 14. Jh. Bl. 26—29 (vgl. Anzeiger f. Kunde d. dtsch. Vorzeit 1861, 310 ff.).

Kolmar, Stadtbibliothek Nr. 268 Bl. 174—76. Krems- münster, Stiftsbibliothek Cod. VI. 184 (vgl. J. Bach im Theol.. Literaturblatt 1868, 210). München Cgm 58 Perg. 14. Jh^ Bl. 206^8; 215 Bl. 166—97; 354 Bl. 139—46; 412 Bl. 1—29; 437 Bl. 101—6; 488 Bl. 1—28; 831 Bl. 56—63; 843 Bl. 125—30; 4880 Bl. 261—69. Muri-Gries Cod. 239 Nr. 103 Bl. 1—6, 10—11. Nürnberg, GemMn. Museum Nr. 18525 Bl.98—13ff.

Stuttgart, Cod. theol. et phil. 8^ 19 Bl. 34—44; 8^ 24 Bl. J/".

Besonders häufig wurde das 21. Kapitel des Bdew: Wie man sol lernen sterben etc. separat abgeschrieben meist von 280y7 an und mit eigener Einleitung als Sferbebüchlein verbreitet *) so z. B. in folgenden Hss.: Dresden, Kgl. öff'entl. Bibliothek M 277 Bl. 89—106 (vgl. Schnorr von Carolsfeld, Katalog II, 516 f.). Heidelberg, Cod. Pal. Germ. 105 Bl. 76—90. Karlsruhe, Cod. St. Georg. Pap. Germ. 97 Bl. 7—33 (von 1560).

Maihingen 111 1. 4' 23. Bl. 284—96; 1. 4"" 32. Bl. 80—90.

München Cgm 234 Bl. 177—22; 622 Bl. 156-62; 763 Bl. 37-44; 835 Bl. 56-^74; 841 Bl. 72-89. Nürnberg, Stadtbibliothek Cent. IV, 36 Bl. 152-58; VI, 43''; VII, 88.

^) Wo nicht anders bemerkt sind es Papierhss, des 15. Jh. ') Besonders häufig Kap. 13 über das Leiden. ^ Vgl, die Anm. zu 278^20.

Die einzelnen Handschriften. 17*

Von der Erlaubnis, die hundert Betrachtungen, welche den dritten Teil des Bdew bilden, separat abzuschreiben und zu ver- Mm (325,23), wurde reichlich Gebrauch gemacht ^). Sie finden sich in folgenden Hss,: Bamberg, Kgl. Bibliothek N. 178 Ed. Vlll 0 BL50—1OO (15.116. Jh.). Engelberg Nr. 155 Perg. 14. Jh. BL 9 23. Freiburg, Universitätsbibliothek, Deutsches Gebet- buch 15. Jh. S"" BL 37 ff. Karlsruhe, Cod. St. Georg. Perg. G&rm. 41 Bl. 15 ff.; Cod. St. Pet. Pap. 9; Cod. Licht. 37 vom IL Jh. (nur der Anfang); Cod. Licht. 99 ; Cod. Wonnenth. 16 tmie. Jh. Kolmar Nr. 271 Bl. 25—38 (aus Unterlinden). -- Maihingen III 1. 4"" 5. Bl. 137-^43; 1.4^ 4L Bl. 250—58; 18' 12. Bl. 155—88. München Cgm 455 Bl. 126—48; 763 Bl.69—75; 851 Bl. 1—17. - Nürnberg, Stadtbibliothek Cent. V App. 81 Bl. 23—39; Cent. VI, 86.

Die bisher angeführten Hss. des Bdew sind sämtlich in hoch- ifutschem Dialekt geschrieben. Bas Erbauuungsbuch war aber auch m Mittel- und Niederdeutschland nicht weniger beliebt und abreitet und wurde namentlich im 15. Jh. sehr oft ganz oder teilweise abgeschrieben. Eine Hs. in mitteldeutscher (hessischer) Mundart, Perg. von ca. 1400, aber nur fragmentarisch erhalten^ findet üich im Fürstl. Hohen zoller nsc/ien Museum zu Sigmaringen, fl«. W (vgl. Lehner, Verzeichuia der Hss. 1872, 21); ferner zwei ^okhe zu Gi essen, Universitätsbibliothek, Cod. 778 Bl. 2—216, firg. 14. Jh.; Cod. 852 Bl. 22 94, und eine in der Bibliotheca PhiUippica zu Cheltenham Nr. 647 Bl. l—()7 (vgl. U, Priebsch, l^eutsche Hss. in England I [1896] 60 f,). Zahlreiche nieder- deutsche und niederländische Hss. des Bdew oder von Teilen ^tmlben in Amsterdam, Ebstorf Flensburg, Greifswalde, ^ftngy Hamburg, Hildesheim, Kopenhagen, Münster, ^Idenburg^ Osnabrücky Rostock^ Upsala, Wolfenbüttel ^ftschreibt sehr sorgfältig Borchiing in seinem 1. 3. ^ Reisebericht^ , ^'(ichrichten der Göttinger Geselli^chift der Wissenschaften ^ Beiheft ^^08, 85, los, 127, 178 f., 243, 254 ff., 289, 299, 309, 315; 1900,

') Dies geschah besonders unter dem Titel: yKurs oder Tagzeiten (nd, 9ffiden) von der ewigen Weisheit, mit Verteilung der Betrachtungen auf die fintdnm Tage und Hören, tote auch hei Diepenhock* 416 ff.

FT. Senn«, Dtfutich« Sohriften. 2*

18* Einleitung. 1. Die Überlief er uug'.

26. 38, 40, 127, 158, 175, 194; 1002, 44, 85, 214 '). Dazu Jtornm. noch folgende: Berlin, Ms. geitn. fol, 76; qttttrto 172 Bl. 1 Sf 553 Bl. 1—63; 1253 Bl. Iff.; oct. 340 Bl. 1—147 aus der Am» waldtschen Sammlung (vgl. Jahrbuch des Vereins für nd. Sprach forsckung 1883, 132 f.); 349 Bl. 12—16 (vgl. Jahrbuch a. a. 0.)_ 380 BL 1—26; 393 Bl. 50—87. Bonn. Universitäts&iblwthi Cod. 390 vom 16. Jh. Brüssel. Kgl. Bibliothek Nr. 2841 (vgl. Jahrbuch a. a. 0. 132 Anm. 2; ebd. ist eine Leidener Hs. dt 16. Jh. mtiert). Cues, Hospitaibibliolhek M 115 Bl. 1—67 (Beschreibung unter V). Darmstadt, Grossherzogl. Bibliothtk Cod. 1847 Bl. 71—155 (vgl. unter VI); Cod. 1956 (vgl. Germania 1887, 343). Greifswald, Ms. theol. N. 8 Bl. Gl~86 14. Jh. Heidelberg, Cod. Träbner 44 Bl. 49 ff.; 1474 Bl.74 ff, Sigmaringen, Fürstl. Museum H". 45, 48 und 49, alle de» Perg. vom 15. Jh.

Zum Schlosse sei noch auf einige verlorene hezw. verachoUm Hss. des Bdew hingewiesen. Die verbrannte Stadtbibliothek in Straw bürg enthielt deren mehrere, vgl. Witter l. c (s. oben S. 4* Ä. 1) 19 f^ unter B 139, 140, 147, 148; G. Hänel, Catalogi liborum mss. 1830, 468 f. und K. Schmidt in Theol. Stud. und Kritiken 1843, 851 Weitere Notizen im Zentralblatt für Bibliothekswesen 1900, 421 ut in Germania 1886, 336 f. Auf ,Catalogue ofthe libranj of Dr. Kloa of Franckfoii a. M.' 1835 verweist Strauch, Äüg. deutscfie Biogr, XXXVn, 179 (vgl. ders.. Marg. Ebner XVII, Ä. 2).

IT. Handschriften des BOchleins der Wahrheit.

Die oben aufgeführten Hss. des Exemplars AK H ÜfytntiS* 0 enthalten auch das Bdw ; sie sind alle ausser BW und m für diiS{ Ausgabe herangezogen worden. Abgesondert findet sich dieses Back lein, dti« wegen feines schwerverständliche», Inhalts nicht so häu^ abgeschrieben irurde wie die Übrigen Schriften Seuses, in folgenden Hss,.

B= Berlin, Kgl. Bibliothek, Ms. germ. quarto 191, Pap\ und Perg. 398 Bl. (150'K220 mm), 14. und 15. Jh., ans Dam Sudermanns^) Besitz, früher in einem Strassburgei- Kloster; i

') Zu beachten iatwas B archUng, 1. Reisebericht ISOsagt: aas den Werken Seine« sind tcohl häufiger, als man annimmt, unter den (wr schitdeiieten Titeln versleckt."

'') Sadtrmann ist geboifn am 3i. Februar löBO eu Lattich, war tangi Jahre Hofmeiittr bei verschitdmten Grafen und Herren in Deiüsehland, seit ISS in Slrain-hur^, wo er nacli /Ö.7 J slarh ; Schrenh/eldlann; gfintlicheT LitderdichtU

Die eimeliiL'n UandBchrifteii. 19*

lm*.-'nnte, von mehreren Hunden geschfiebetu mystische Sammdks., dertn eimelw Släcke (I XLVIII rot numeriert) erst später ^M- Mmmeni/ebundfn teiirdtn. Mundart: nlemanntsch-elsässigch, Haupt- inhalt: Bl. llr llS' Predigten und Lehren von Bruder Heinrich, Btichtiger zu Schönernteinbach ( JJotnimkanerinnenkloster im Elsass); hl. 115' 18^ von dem Sterben des Genannten, au/gezeichnet durch mnm Nachfolger Johann von Mentze*) (Mainz); Bl. 132^—202' Prtdigten und Traktate von Tauler, Eckhari, Heinrich son Löwen k. a.*); 81. 205—16 12 Perff.-BL 14. Jh., mgst. Traktat dex Bruder Konrad Kn Weissenburg, betitelt „Der Baumgarten", teilweise gedruckt in t. der Hagern^ Germania II, 303 Kl (vgl. dazu P reger II, 51 f. wi Strauch in Afda IX, 121); Bl. 219'-—S7'' Bdw »lit gutem Ttil; Bl. 237' 70' Legetiden (von der seligen Schererin, f 1409 Strassburg, und von der seligen Krüppelgredtn, Klausnerin zu Ktmtantinopel, Barlamn und Joeaphat, St. Petemeüe) ; Bl. ^S^ bin W?- WM dem Baum göttlicher Lieb und Tugend; Bl. 352'~-9V Spräche eon Mgatikem (darunter Gregor, Augustinus, Bernhard, Diem/tius; die der deutschen sind bis auf wenige^ von Pfeiffer Germania III, 235—43 abgedruckt [vgl. dazu Preger II, 110 f. \i Strauch a. a. 0. 127 A. 1}); Bl. 391'— 'M^- drei Predigten Bruder Kon r ad von Esslingen, Provinzial Wolfram*) und Lese' lur yikolaus von Köln (^ von Stritssburg), nach der Adelhouser (htmik im Freib. Diöz.-ArcJiiv 1880, 189—93 veröfentlicht.

C = Kohnar, Stadtbibliothek Nr. 2G0, Pap. 137 Bl. 4" (!ä0>:220 mm) 15. Jh., alenmnnisch-elsässisch, am Unterlinden; itf Schreiber bis Bl. (iO scheint derselbe zu sein wie bei A^

trnagtl, liai deidaeke Kirchtnlifd I, 666 ff. V, 546—676). Die Ton ihm gemmiaeiun ll/is. der dtuUchtn Mystiker harnen in die t/i. Bibliothek nach Berlin ; Vtreeic/iiiix dcrselhtn und voti Sudermanna Schr^fttn a. Aiugahm vm Tauler, Bui/sbroek; Eckhari, Seus') bei A. F. H.Schntide r, Literatur der Schwenkfeldttcken Liedtrdiehter bi» Daniel Sudermann, . £eriiu mm, 12 ff. 17 f. •) Ein Brief von ihm if 1467) in der Nürnberger Ha. Cent. VII, 20, Vfi. auek K. Schieler, Joh. Nider 1886, 354 und Joh. Meyer, LeheH der fkkineiuteiMbaehfT Sehiceetem (Tübingen, Univere.-Bibl. U». Md 4öfi).

"i Bl 303' unten steht aehtrer festHich: ditz bBcli ist brflder . . iuliaua k*ta«u(cT teiuehea oritens i?l.

'i Au/faB*ttdenceier sind gerade die Sprüche rf« Johannen Puterer (vgl.

Hu 33,1 ArnnJ übergangen. Ich werde tie bei anderer Gelegenheit mitteilen.

') WM idenUteh mit br&der Wolfram öiuer proftncifti, der in den Vilen

«« Ti$»fed. Vetter 67,11 genannt im. In der Freifmrger ffn. heitnl tr Wolfart.

20* Einleitung. I. Die ÜterlietVrung.

(h. oben S. 9*). Enthält Bl. 2'—2i' Bdw; Bl.25'-—49' Kl Bfi (11 Briefe); Bl. 49''— 57' Predigt Lectulm; 57'~60' dr»i Bri^ «US dem Gr Bfb: Surge aqiiilo, Quotnodo potest und Nemo poU (XV, XVU, XVIII); Bl. 61'—13G'- von anderer, späterer Hm geschriebette Briefe und Predigten von dem Dominikaner Johann Nider (f 1438), götlicbur kvnste meUter, seinen geisUivhen Kiruient {Nonnen) geechriben nnd gelert zii den zitCD, ak er leezmeiBter') waz. Es sind 23 Stücke, meist mit tuteinisckeni l'ün-pruch (Egreden de terra, Exaudiat dominus orationes, Fylia conlide, Ädorna tha: lamuDi usw.), eon Sense beeinfiutst, aber ohne seinen Geist*).

Eine spätere , felderhajh Abschrift des Bdw enthüll Codi nscet. 303 (4" 15. Jh., ans dem Kloster Oggelsbeuien) in Stutt gart Bl. 153 75, in welchem neben anderem sich auch Stück f c* Tauler, Eckhart, Merswin (Rutfsbroeks ,Zierde der geistlichen Hock zeit' bearbeitet, vgl. Strauch in Zfdph 191/7, 124} und der Trakt» von den drei Fragen finden. Ein kleines Bruchstück ist in Bt lin f Ms. gerin. qunrto 125 Bl. 75 7(!,

V. Handschriften des Brlerbttchletni.

Von den bisher beschriebenen Has. ist das vierte Büchlein e Exemplars in AKRWfNmPSS^ VC, in Nw freilich in eigentümliche t'crquickung mit dem Gr Bß>, gegeben. Abschriften einzelner BrüJ firuleti sich dann und wann, doch ohne besonderen kritischen Wti aoinSt.Gallen, Cod. 10(17 Bl. 235— 41 Brief III, IV, VI, VIl München, Cgm 456 Bl. 54—00 Brief VI; H43 Bl. 12(r und m bis 125'- Stacke au? Brief IX, III und II; Muri-Grits, Cod. 21 Nr. lOS Bl. fi—10 Brief III und 1; Nürnberg, Cent. VII, i Bl. 197—20] Stücke aus Brief III und IV. In einigen anderen Ht sind Briefe dr.s Kl BJb unter die des Gr Bfb gemischt, s. unter Vi

VI. Handsohrirten des Grossen Briefbaches.

ht die Überliefemn'/ der Schriften des Ej-emplars eine i t/rossen ganzen geschlo-^sene nnd tinhtHUch'-, da sie von Seuse seiht

') Xider lear 1428—37 Profasor an thr UnivereiW und Lektor oh i OrihmachUte zu Wien.

') Der 11. Brirf urf an Weihnaditen eu Nürnberg gaehrieben (Bl, WO* da» wdnt auf 1427 oder liJib hin. Von obigen Brieftn Nidurg weies Sehiiti in siiner wnfangrticken Biographit (vgl. auch aeinm Arlikel im IX', 34Sff.) nicht». Bneff Nider» ßnde» »ich aiu-h in Nürnberg Cent. 20, wohl auch Cent. VI, W*, ein eimeiner in Cgm 312 Bl. 141—43; vgl Jotle» a. n. 0. XXI A. 1.

Hie einzeluen HimJscIirifteii

21*

1

gtgen Ende feines Lebens rfoidiert und zur Htniusifnbe bestimmt levrdeti Mnd, so wird bei den Schriften (Gr Bfb und Predigten), dtren Art drr Kopieruntf und Verbreitung mehr oder weniger dem Zm/aä nnheim gegeben war, das Bild ein viel mannigfaUigeres und ica kritische Verhältnis komplizierter. Van den Briefen enthalten iie einen Hs». nur einige Nummern, andere elwn ein Dutzend, wehrrre ?3— 2C; im einzelnen ist grosse Vnriiition, doch laust die Atifeinander- fölge und Textgeft^ltting der Briefe auf ein einheitliches Schema in ier Anordnung titid auf eine Ureortage schliessen. Zur Erleichterung itt Chemicht ist am Schlüsse dieses Abschnittes eine Tabelle het- jtgtben, durch welche der Inhalt dei- Hss. des (Ir Bfb und zu- jirt'cA dessen Verhältnis zum Kl Bfb statistisch dargestellt wird.

Die einzelnen lixe., von denen bisher der Forschung (Denifle, Prtger) nur der kleinere Teil bekannt war, sind folgende:

b= Berlin, Ms. germ. oct. ß9, Pap. 308 Bl. jmxUSmm, (OB mehreren Händen am Ende des 14. und im 15. Jh. in aleman- 'tikh-tlaässischem Dialekt geschrieben, aus Daniel Sudermanns Besitz, die H». mit vielen Bandglosaeti versehen hat, früher einem Strass- Hr Nonnenkloster') gehörig. Hauptinhalt: Bl. 2' 35' asketischer Lehren einer ,erleuchteten, grossen dotteafreundin', worin rj iler Täweler, der von beröwe, von biele zitiert werden, mit itistischem Einschlag ähnlich der Gottesfreundliteratur , uncoll- idig überliefert; Bl. 3S-—1W Prolog zum Gr Bfb, 18 Briefe Predni Lectidus, meist unter der Aufschrift (rot): eine gute ligc; Brief XII ist nach derselben Vorlage doppelt abgeschrieben ,S.i3$J, Nr. II und XX sind unvollständig; Bl. 112'— 35'' Traktat ,hohen Berge' (vgl. Denifle, Taulers Bekehrung 1879, 10); il 135'— 49' und 364'— 73^ Auszuge aus Seuses Vita, BL 194' bis 'üXf iius dem Bdeie; Bl. iS.V' Sfi" Predigt des Lesemeisters bei den Bar/iltsfm bflcoirlin'); Bl. 166'-— 78'- Brief IV aus dem Gr Bfb; BL 18ir—91'- Traktat von der Messe; Bl. 20(1'— 20G' Stücke aus

') Der Umeiand. dax» b im BritfAudifili (439,11 Katberina slatl Angnesc •tkrtibt. iitüt a-ohl auf da» ßnfninikantrinnenklasUr St. Katharina hin irgl. ou-A dii Anm. tu Vita 23,1), leas tHtderunt die Fermulanj/ nahe legt, dass dan in h 6btrlie/rrte Teetameni der Minne t Brief XX VIII) an dataelb» Kloattr $tw<mdt tforden ixt.

*) Konrad BÖmlin iB'inAlini, Franiiskaaer, yeh. um 1380, trat in EMÜitgm in den Orden, I409 Lektitr su SehwOh.-Haü, 1449 ea Hrilbronn ije- iM^n. Vgl. aber ihn K.Brehm im Diöt.-Ä'-chlf für Sehwaben 1904, ISü ff. Hidtdu Prtdifflm Bitnling ßndm sich auch in Berlin, Ms. germ. ifuarlo 194; Karleruht. Cod. St. Sias. 76.

22* Einleitung. I. Die Überliererung.

TuuUrs Predigten; Hl. nS^—'^d" mystische üprüche (Bl. 221': * von berowe); Bl. 230' ^5' Leben der sei. Margareta po« Ypert ff 1237), nach dem Lateinischen des BrudeiS BygeroB 1391 geschrieben; Bl. 248^ 60" Testament der Mintie oder Minneregel (vielleicht Sei4se).

Die Briefe Seuses nach b finden sich in Abschrift von Suder- tnanns Band nebst der Predigt Lectvlus und vielen anderen Stärken aus Tauler, Eckhart und späteren Mystikern in der Berliner ffst. Ms. tferm. qtiarto 344; derselbe hat sie darnach in einem Sammel- werk unter dem Titel: Güldene Benrttbrieff vieler Alten Qottseeligen Kirchen Lehrer : Ale Johann Thaiilere, Heinrich Seiissen, Johan CreStzera vnd mehr Anderer: In etliche Theil abgeteilt vnd den vhraltea Schrifften durchausz gemäez gantz vnverfälscht an dasz Liecht ge- geben. D. S. Anno 1622 (34 Seiten 4"), herausgegeben*).

C = Kalma r Nr. 266, oben unter IV beschrieben, entl^ drei Briefe, davon Nr. XVII unvollständig.

0 = Cues, Hospitalbibliothek Ms. 115 (früher D 41). Pap. 1H Bl. foL, 15. Jh., niederrheinischer Dialekt. Beschreibung (ungenatti bei J.Marx, Verzeichnis der Hss.-Snmmlung des Hospitals zuCuesl90i Ulf Inhalt: Bl. 1—67'" Bdew; Bl. 67'*^8l'^ vom Leiden CkriOi iuc: Elegit Buependium anima mea . . . (teilweise eine NachahmiMi des Bdew und der Vita Seuses); Bl. 83"-— 113^ 26 Briefe des ^l Bfb mit Prolog und vorausgehettdetn Register, in 36 Kap. eingeteilt Br. XVn uiul XX unvollständig; Bl. 113"— 18" Predigt LectuluS

d = Darmstadt, Grossherzogliche Bibliothek Cod. 1847, Pap^ 342 Bl. 8^ (!Ol>xl45 mm), 15. Jh., iiiederrheinisch. Beschreibung von F. W. E. Roth in Germania 1687, 341 f. Enthält Bl. 206'— 69* 24 Briefe, davon X, XVII, XX, XXI nicht vollständi</.

g = St. (fallen, Stiftsbibliothek Nr. U70, Pap. 319 Seiten (135.^200 mm), 15 Jh., alemannisch. Beschreibung in Scherrer* Katalog 363 f. S. 13-71 Traktat Audi filia iiber das hl. Sakn

•\ Der Tiltl luieb A. V. H. .Schneider u.a. 0. 15.- vgl. auch DtnifU in Zfda XIX, 3t7,37U, deuten An</aben durch obigtv sugleie/i rrgiinU und V liehtigt nnd. Ein Exemplar des Druckes i.it in n'olfeitbmtel : er enthnU m den ernten Tri!, eben Seuses Briefe (mehr schtiM nicht erschitntH tu w<i^ Mir liegt »in Exemplar der Dniversitiltbibliothtk T&bingm vor, mit fatgenik Titel: Der Erste Theil, Inholtend EÜicb schone »uHzerleBene Brieff auch I Predigten, welche Herr UBinrich Senme vor ohngefchr dritthalbhundert Jäh an Geisllicho Jaiiglruweii g^iclirieben vnd get'ertiget hat . . . abgetchiieben ds D. S. (■ohne Ort und Jahr).

Die einzeloen Haudechriften. 23*

rf<r üi Hm. oft beyeijnel (no in Berlin, Kurlsruhe, Kolmiir, Mnihingen, Nümbery, Stuttgart, Zürich); S. 82'— SS' Brief Habitahit (IV); S. 127—39 und 150 der Proltxj und weitere 10 Briefe, von denen dir meinten aber unvollständig sind, wie überhaupt g manche Spuren rinfT gewissen Überarbeitung (teils Kürzung, teils Veruäsetrung) an sich trägt; S. 13'J und 149—50 zwei PredigiexserjHe'), Inc.: ••) Jesutn qneritis Nazarennm . . . disü wort sprach der engel . . . hl Delicie mee . , . mir ist gar wunueklich . .; S. 140 49 Predigt Ifclultig, stark gekargt.

h = Cod. Heidelberg. 358, 38, Pap. 326 BL, 16. Jh., in ukieä/iischer Mundart. Beschreibung in Bartschs Katalog 206. Bl.3'~14' Bruderschaß der ewigen Weisheit: Bl. 15'— m* 26 Briefe mt dem Prolog (Bl. 21'), davon aber XVII, XX und XXVI in Bezettiimt des Kl Bfb und zwischenhineiu Bl. W 19' die Er- tÜtury ton der Verehrung des Namens Jesu und der Morgengruss ßSß— 396,5) ; Bl. SO'— 84' Vocatum est und Sprüche (396,20 bis

mß).

n=: Cgm bl9 und N = Nürnberg Ce>tt. VII, 90. Über mitRiiB. 8. oben S.7*. HVr haben m ihnen eine ziemlich fehlerhafte, einem späteren Abschreiber herrührende Zusammenschweissung Kl und Gr Bfb, in der iVeise gearbeitet, ilass auf Brief I /// <fe< ersteren 14 Briefe des letzteren folgen, dann wieder sieben des irtkren (IV X), darauf als 25. Brief Vocalum est mit den Sprächen, tk Nr. 26 Pone me (XI vom Kl Bfb) mit der Erzählung vom Jmtn Jesu und Morgengruss^ Die Inferiorität dieser Überlieferung )er der in den anderen Hss. des Gr Bfb liegt auf der Hand wird unier B (S. 39^ ff.) auefiihrlicher nachgewiesen werden. n = Nürnberg Cent. VI, 55, Pap. 344 Bl. 4" (15ox205mm), !ä. Jh., (Bl. 219' : 1447), bayrischer Dialekt, aus dem St. Katharinen- ieOer in Nürnberg, alte Signatur E XXX VI (vgl. Jostea a. a. 0. ^f.). Mystische Sammelh»., darin Bl. 1' 37' Augustins Hand- *fhUin deutsch; Bl. 37' 66' innerliche Hede der Seele mit dem \tr;en und des Herzens mit der Seele; Bl. 67' 76' Bede Richards » St. Viktor mit dem Herrn nach seiner gegenwärtigen euigen fofie; Bl. 97' 201' Von dem Leben der geistlichen Schwestern;

n Dait me von Stute slammrii, wofür ihre ümg^ung epreehen ki)nnte, flieh, aber niekl s*hr wahrtchdnlich. An Auhtoritäleii werden Auguetin, wd, Chrytoetomu», Grtgw und Ämhrosiu» litiert. *) BritfMihi auf. tat mU einfm StUek aus der ersten Prtdigi verbunden.

24* Eiulpitutif,'- I- t»ie Ülierlieferuiit'.

Bl. 2-^6'— 9u' -JO Briefe iU.s Qr Bfb, die aber sämtlich stark 6. arbeitet, teils gekürzt, teils erweiiert, teils umgestellt sind; tli-r zireit« Teil non Itegtmm muiidi steht nach Nr. XXVI, der erste mich Xj in Nr. II, XI, X VII fehlt ein grösseres Sfiiek.

H=z Breslau, DomkayitdsbibUothek, n. oben S. (i*. Enthält Bl. 'M4'-'-—79'* 23 Briefe mit Prolog, davon «her XIV Ejttltet in der Rezension </«t Kl Bfb.

% = Stuttgart Cod. theol. et phil. qunrto (i7, Pap. 84 Bl. 145x2u5 mm, 15 Jh.'), in alemannisch-elsässischer Mundart. Vont ersten Blatt ist die untere Hälfte weggerissen und «wischen 10 und n fehlt ein Blatt. Inhalt: Bl. 1"—G2^ Prolog und 35 Briefe, in Abschrift ■') vm F. Pfeiffer in Cod. Vindob. Suppl. 2779 BL 158—244 (beendigt 24. März 1851), vgl. oben S.S'; Bl.62^—7C* Predigt Leciulus, nach deren Schluss: Explicit über Deo graciu Amen; Bl. 77''— 84'' von späterer Hand i/eschrieben und »nchti-äglich angeheftet drn Predigten Taulers, Frankf. Ausg. If, 323f. 3<J7 ff. 111, 133 f.

s' = Stuttgart Cod. theol. et pkit. od. 10, Pap. 176 Bl. lOUxlöO mm, 1.5. Jh., iiiemunnisch-schteäbisch. Bl. 17" 49' untf ISO'— 37' sechJi Briefe aus dem Gr Bfb; BL 92 ff. Meister Eckharts Wirtschaft zu Köln; Bl. f25ff. von zwei Predigern und «»«*, Müüerin; Bl. 127 ff. von 12 Meistern iu Paris; Bl. 133'— 35' Klagsprüche des leidenden Mennchen (397,9 ff.}.

U = Überlingen Nr. 22, s. oben S. '.I*. Bl. Hb' -25- 14 Brief», davon Nr. II nur zur Hälfte.

Z = Zürich. SladtbibUothek Hs. G 96. Pap. 139 Bl. (145x210 mm), 14. ,'15. Jh., alemannisch -schuäbisch. Beschreibung der Hs, bei Vetter, Ein Mystikerpaar 59 f. A. 62; P Zfda XX, 374 f. , vgl. seine Ausgabe des Minnebüchleins (s. S.537} 441 A. 1. Enthält: Bl. f 41' 21 Briefe des Gr Bfb mit Prolog, dav(m. Nr. XI und XVII unvollständig, II in zwei getrennten Hälften (dit zweite erst nach XIX); Bl. 63'— 7.5' Minnebüchlei nach dieser (einzigen) Hs. von Preger (zugleich mit den nicht von Seuse stammenden Gebeten Bl. 75' tfO') und in dieser Ausgabe n&i gedruckt. Weitere Stücke aus der Hs.: Bl. IMf^Utp Brief eint» Gotte-sfreumUs, 118'— 21* ein göt lere des Talers (schwerlich echt!), 121'— 22' Brief Taulers (?), 122'— 22' Sprüche sind bei Prege.

') Dtntßt Z/da XIX, 367 nimmt wohl mit Unrtcht das 14. ') FTi« dir ährigfn fiüditig uad at^tnau gemacht.

-' ' •=V"K

Die einzelnen Handschriften. 25*

MjfstiklU, 411 f. ediert. Bl. 13^—3^ ist ein Brief einer Gottes- freundin, in verderbter Form gedruckt bei Tauler 1543 f. 329".

Endlich sind noch zu erwähnen einige Hss. von geringerer Bedeutung, welche nur den einen oder andern Brief aus dem Gr ifl enthalten: Berlin, Ms.germ. quarto 125 BL 74 75, St,0 allen Nr. 965 S. 134—35 (vgl. Simon a.a.O. 17) und Cgm 447 Bl. ^""—217" haben ein Stück aus Br. XI Audißli; Berlin, Ms. germ. juarto 149 BL 75''— 77"^ Br, XII Nigra sum (des süsen bredige), Bl 125''— 27" Br, XXVI Pone me; Ms. germ. quarto 182 BL 30 bU 40 Br. XXVI, III und II (von aüen aber nur ein Stück und miigeänderter Einleitung). St. Gallen Nr. 1014 (vgl. Scherrers Katalog 386 f) S. 89 116 Br. X Bevertere, aber nur den Anfang da^an, der mit dem Traktat ,von rechter, wahrer, sicherer Ända4:ht^ ^) zmmmengefügt ist. Göttingen, Ms. Theol. 292 (vgl. oben S. 10*) bl, 137^-^47^ Br. XII Nigra sum in ziemlich fehlerhaftem Text (ob g* bei der Edition 439,9 ff. benützt). Die verbrannte Strass- hur g er Hs, F 128 enthielt 23 Briefe in der Reihenfolge von s, ds vorletzten aber den Br. Exivi (XXIII), der in s fehlt (P reger in Zfda XX, 375).

Die folgende Tabeüe soll die Überlieferung de,s Gr Bfh in den wichtigeren ^99,j namentlich die Aufeinanderfolge der einzelnen Briefe veranschaulichen. ^ iiigleich im Kl Bfh enthaltenen sind gesperrt gedruckt, die beigegehene 2aW (in runder Klammer) zeigt ihre Reihenfolge an. Eckige Klammer bedeutet, ^ der betreffende Brief in der Hs. in der Rezension des Kl Bfb enthalten w^ der Asterisk, dass ein Teil desselben fehlt, Brief XK VIII (Testament ^ Minne) ist, weil nur in b sich findend, weggelassen. Zu bemerken ist noch, ^h Bl. 61* und 66 *• eine Notig hat, womach Br. XXI (In omnibus) und ^^VI (Pone) falsch eingereiht sind; ersterer sollte eigentlich nach XIX (Chri- «<>«), letzterer nach XXV (Mihi autem) stehen.

*) Kommt häufig in Hss, vor, so in Berlin, Ms. germ. 4" 174: Karls- »•»Ae, Cod. St. Pet. 19; Kolmar !}6S; Cgm 457; Nürnberg Cent. VI, 43^ 'ol. :i74r steht am Rande: Eberhart Madach [Dominikaner prior in Nürnberg i*^-:i6, vgl. Schieler a. a. O, 73 ff.]): VI, 100.

26*

Einleitung. I. Die Überlieferang.

Übersieht Ober die Überlieferung des Grossen Briefbuehs.

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I. David Rex .

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II.Regnum m.

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2

1

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[1]

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2

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2*

IIL Surrexi . .

18

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6

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3

IV.Habitabit

(2) . . , .

19

4

3

1

6

[2]

6

4

4

V, Sonet vox . .

3

5

4

4

7

5

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6

6

1

VI, Vineae. . .

4

6

6

6*

8

7

17

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6

1

VII. Trahe me . .

5

7

6

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7

7

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9 .

VIII. Gmtate , .

6

8

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6*

10

9

18

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3

4

IX. (Juam düecta

7

9

8

7

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10

19

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6

*

0

X, JRcvct^tTt .

8

10

9*

8*

12

11

8

10

10

6*

XLAudifiU . .

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25 .

XX VII. Cum esseni

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23

Die einzelnen Handschriften, ^7*

TIL Handschriften der Predigten, Das JtUnuebttclilein.

A'«r die erste Predigt Seuses ist in reichlivher Weine überliefert, icas icoht mit dtr benonderm Wertschätzung zusammenhängt, deren sie »ich bei ihm selbst (131,28/.) und bei anderen üottesfreunden erfreute; sie begegnet üfter» (eo in bCcgs) unter den Biiefen und rrschaint gleichsam als au diesen gekörig. An der Verbreitung der übrigen Predigten lag Seuse wohl icentg, und duher sind sie nur tnangelhtift erhalten. Dabei tritt die auffallende Erscheinung su- tage, dass für Predigt 2 i fast nur mittel- und niederdeutsche Hss. in Betracht kommen. Es lässt sich dies wohl nur damit er- ktären, di'ss einerseits das Nach- und Abschreiben homiletischer Er- teugnisse der mystischen Literatur im 14. und 15. Jh. in Mittel- und Siederdeutschland (Siederrhein) ganz besonders im Schwünge war, andererseits die überragende Kraft und AitktoriUit Taulers als Prediger diejenige Sevses in den Hintergrund gedrängt hat. Schon frühzeitig wurden die Uomilien des letzteren immer von der ersten abgesehen mit denen Taulers vermengt. Es ist wohl möglich, dass eine sgstematische Durchforschung und stilhitische Untersuchung der Tttulfrüberlieferung neite Predigten Seuses zutage fördert oder wenigstens eine bessere Basis für die Textesrezenaierung der be- kannten schafft; diese Arbeit lässt sich aber nur im Zusammenhang tnit mer kritischen Taulerausgabe unternehmen.

l. Die Predigt Lectulus ist in folgenden Hss. tnthalten:

b = Berlin, Ms. germ. oct. 69 Bl. 93'— UV (s. oben S. 31").

= Basel. Universitätsbibliothek Hs. B XI 23, Peig. 22f! Bl. 16", 14. Jh, Beschreibung bei W. Wackernagel, Altdeutsche Predigten 547/. Enthält S. 314—69 die Pr. Lectulus, welche nach dieser Vorlage bei Wackernagel a. a. 0. 552 61 abgedruckt ist. Die S, 172 314 vorangehenden Gebete zu den Tagzeiten und zur Kominunion ßei Wackeriuigel 561 83) verraten nicht Seuses Stil,

C = Kolmar 266 BL i9'-57' (s. oben S. 19'/).

e =Cues, Ms. 115 Bl. IVr'—lä" (s. oben S. 22f).

S = St. Gallen, Ms. 070 S. 140—49 (s. oben S. T^ f,).

m = Cgm 819 und H = Nürnberg Cent. Vit, 90 haben nur ein Stück aus d^r ersten Predigt (vgl. S. 495 u. ob. S. 23* A. 2).

n'= Nürnberg Cent. VI, 43", Pap. 298 Bl. 4", 15. Jh., bayerischer Dialekt, aus dem Kloster St. Katharina in Nürnberg. Bl.t-r.2 TralAat rom hl. Sakrament (vgl. oben S. 22*); Bl. 53-136 Bu4:h con wahren Tugenden Alberts des Gr.; Bl. 160—67 Stücke oiu </<TM Benner Hugos von Trimberg; Bl. 248 56 Pr, Lectulus.

1

28* Einleitung. L Die Überlieferung.

S = Stuttgart, Cod. theol et phil quaHo 67 Bl. 62^— 76"^ (s. oben S, 24*). Abschrift von Pfeiffer in Cod. Vindob. Su-ppl. 2779.

Weiter findet sich die Predigt Lecttdus, meist mt minder- wenigem Text, in folgenden Hss.: Bamberg Nr. 178 Ed. VIII 6 (Katalog von Leitschuh J, 3.30 f) BL 1 22. Berlin, Ms. germ. quarto 149 Bl. 77^—84% 174 Bl. 138'''-48%' 580 Bl. 1—8; 1094 Bl, 102^ 10^ niederdeutsch (vgl. Jahrbuch für nd. Sprachf. 1884, 36). München Cgm 447 BL 86—92; 456 BL 90—116. Münster, KgL Bibliothek Nr. 501 Bl. 7 28, moderne Abschrift eifier älteren Vorlage (vgl. Katalog von Ständer 110). Nürnberg Cent. VI, 43*^ BL 135^ 45'', im Verlaufe aber stark abireichend. Stuttgart, Cod. theol. et phiL foL 155 BL 264—72 (aus dein Dominikanerkloster in Bottweil; vgl. atich iJenifle Bvga XI). Zürich, Stadtbibliothek Hs. B 223/730 enthält ein Bruchstück der Pr. Lectulus (vgl. Wackernagel a. a. 0. 259, 552, 558 ff.)- Die Strassburger Hs. A 88, welche ebenfalls die Predigt hatte (vgl. K.Schmidt in Theol. Stud. und Krit. 1843, 856), ist verbrannt.

2. Die zweite Predigt ,Miserunt Judaei^ (Echtheit zweifelhaft !) ist handschriftlich fast nur mittel' und niederdeutsch erhalten:

b^ = Berlin, Ms. germ. oct. 329 f Pap. 348 BL, 15. Jh., nieder- deutsch, aus dem Klostrr der Franziskanei'tertiaren in Aachen. BL 114 56 Collacien von Joh. Brinckerink ; Bl. 118 jf. Stücke aus M. Eckhart; BL 274 "• —82«' Pr. Miserunt.

g''^ = Gi essen, Universitätsbibliothek Nr. 850, Pap. 239 BL

foL, 15. Jh. (Bl. 239*': 1460), mittelfränkisch. Beschreibung in

V. Adrians Katalog 251 f. BL 1-167 der Seelentrost; BL 194 f.

229 ff. Predigten von Tauler; BL 205 29 Marcus von Lindawe

aber die zehn debote; Bl. 235*" 39*' Seuses 2. Predigt.

r = JJs. der Gyninasialbibliothek in Rostock, unsigniert 8 BL 4 ^, 15. Jh., niederdeutsch. Beschreibung und Abdruck im Jahr- buch f. nd. Sprachforschung II (1877) 11— W.

DieseMe Predigt ist nd. auch in Brüssel, BibliotJieque royale Cod. 14688, Perg. 14. Jh. BL 93*' 118*'; genaue Beschreibung der Hs. bei Borchling, 1. Ileisehericht268ff., und von Priebsch in Zfdph 1904, 58ff. Ein Auszug aus der Predigt Einsiedeln Cod. 708 Bl. 6*^—8*' (alemannisch).

3. Die dritte Predigt ,Exivi a patre' (ob echte') war bisher nur in dem Taulerdruck von 1543 bekannt mui ist darnadi S. 518 ff. abgedruckt. Nachträglich iiurde ich auf die Taulerhs. Cod. Vindob. 2739, Perg. 14. Jh. niederrheinisch, aufmerksam, welche die Predigt

Da» HandschriftenTcrliSItiiis. An und Weise dieser Auscalie. 29*

Exivi Bl. 79" 87"* enthält; eine Kollation dieser Hu, folgt in den Nachträgen. Jn dernelbeti Hs. Bl. S?"* 92" ßiidet sich unter Seme» Na$MH die vierte Predigt ,Iterum relinquo'; henätzt wurde eine Ab- idirift von J. Haupt in der Wiener Hs. Suppi. :^7i) Bl. 247-— SO* (cijl. obai S. 5*).

4. Da» Mianebächlein ixt allein in z = äs. der Züricher Staätbit>li</lhek- C 96 Bl. 63'-75'- überliefert (s. oben S. 24').

1

II

B. Das Handschriften Verhältnis. Art und Weise dieser Ausgabe.

L Das Leben Seuses.

Fiir den Prolog des Exemplars, der der Vita vorausgeht, litid haiiptmchlich AÄ'KS benüiist, in zweiter Linie auch RVW uni 1 = erste Druckaungabe Seuses, Au(/sburg 1482; die letztgenannten f/«. und der Druck weisen sämtlich sehr eerderbten Tejct auf.

Für die Herstellung eities guten Textes der F/i«') sind vor "Im AA'KMPS, .^bsidiär auch B'NRS'UWf zu benützen. Von -I md M sind die Varianten vollständig in den kritischen Apparat "i'Jpiiommen, um ein genaues Bild von diei/en Hsn. zu geben, von A' die meisten, von A'PS die bedeutsameren, von den übrigen Hsfi. nid von «, die sämtlich von Fehlern und Verderbnissen wimmeln, hmnlm nur in einzelnen wichtigeren Fällen die Lesarten verzeichnet "^tritai. Übrigens ist bei den ersten Kapiteln das gilt auch für 'iit folgenden Schriften Seuses ein ivichlicherer Varianteimpparat l'rijtgelien, der in der Folge auf das Nötigste beschränkt wird.

Weitaus den besten, wenn auch nicht fehlerfreien Text bietet A, vdthe Hs. daher zugrunde gelegt ist. A zunächt stehen in bezug auf ^it Gült der Überlieferung K und S, dann folgen A'MP mit schon fhr ritten Fehlem und Lakunen. A zeigt verhältnismässig die nächste yerwandtschaft mit S, S mit P, ohne dass jedoch auf direkte Äh- l>^«gylceit zu schliessen wäre; APS bilden eine zusamntengthörige Gfvppe, wie eine Anzahl gemeinsamer Lesarten und auffallender Awila*gungen zeigen (z. h. 40,13.28; 5«.Ö; 72,30; 83,14; 12t>,5;

'I Hiete Autgabe xöhit nur 53 Kapitel, Deniflf 56, Diepmttroek fl/" und [ *r tntr Druck 59. Die betten Bss. markieren bei 8,4; äü,U: I40,16 ttear * Äbeatt, abm- *«n neues Kapitel; «ii goklies wird «ontt immer durch eigene flw»cir[/l gekefimeichn't.

30* Einicilimg. I. Die Überliefemnsj.

145,18; 158,24 usw.). Femer stehen unter sich in gewisser Beziehung die H«8. A und Ä', K und M, SP und M, besonders aber M und Ä\ die eine Reihe, allerdings meist minder wichtiger Lesarien gemeinsam haben; in der Hauptsache gibt A' die Texigestalt von A wieder, wit es auch den Prolog des Exemplars enthält, der in M fehlt.

Wie man sieht, ist das Hss.-Verhältms ein kompliziertes und daher auch nicht möglich, in allen Fällen eine sichere Entscheidung über eine bestimmte Lesart zu Ireffen; eine gewisse Bürgschaft ftif^ die Zueerlässigkeit des Textes bieten die Gruppen AA'K, AKP, KMP, besonders auch A'KMa. gegenüber von APS, Jedenfalls tat CS aber in dieser Ausgabe gelungen, den Text gegenüber Denifle an nicht wenigen Stellen zu verbessern.

Eine gesonderte Betrachtung fordert die Hs. M. Sie zeigt zahlreichen Stellen tiefgreifende Änderungen, Auslassimgen und Zusätze*), welche unmöglich alle von blosser Schreiberwillkür Ä«r-i riüiren können und somit dazu nötigen, die Entwicklungsgeschichtt lies Vitatexfes zu untersuchen. Diese Verschiedenheit von M gege» aber den übrigen Texteszeugen ich nenne sie A-Gi-vppe nach Hauptrepräsentanlen hat Anlass zu einer heftigen Kontroverai ztoischen Preger*) und- Denifle^) gegeben. Ersterer behauptet«^ A und seine Trabanten stellen die erste, M die letzte, für dat Exemplar bestimmte Redaktion der Vita dar, letzterer, dem sich wesmUtchen auch Strauch*) anschloaa, trat mit Entschiedenheit die Priorität von M ein.

Es kann nun aber, vollends auf Grund des durch diese Au»- gäbe erschlnssenfn reichere?» Materials, kaum mehr einem Zweifel unterliegen, dass die Pregersche Hypothese durchaus verfeMt ist, Wentt zwei Redaktionen der Vita ztt unterSchäden sind, so Jtniwl man in M nur die erste sehen ; das hat Denifie, der überhaupt ^m eine gründlichere Kenntnis der Hss. verfügte, siegreich nacftgewiei Ausschlaggebend ist allein schon der Umstand, dass sämtliche Uli der Vita, welche das Exemplar enthtäten oder wenigstens vorauasetBti (im ganzen ca. 20), samt den Drucken die Rezension von A i weisen; es wäre aber doch ein merkwürdiger ,Zufall' zu nent wen7i gerade dfis für das Exemplar bestimmte Leben Seuses

') Diudben tnnd weder hti Deni/li noch b»i Fiegtr fs. folgtndi Anm.) voUetSndig aufgtfährl.

') Zfda XX (1876) <Ofijf.; Oetch. d. d. MytUk II, 5/0/. '^ ^da XXI (1877) 126 ff.! Settae XVIJt—XX. ■) Afdtt IX, 13S-40.

j Das HandacbritleDTcrhÄltuis. Art tind Weise dieser Aiingabe. ^l*

halit flesseiben gemten, das nickt für die Veröffentlichung vorgesehene dagegen in das ,gereckte' Exemplar ( Vita iß) gelangt icäre^). Weitere Gründe werden im folgenden Erwähnung finden.

Ist es nun aber unumgänglich notwendig, amunekmen, das»

Seuse feine Biographie zweimal redigiert habe'i' Vor allem ist zu

sagen, dn*s der Text von M bisher zienüich äbeischätsst wurde; er ist

weder so alt noch so gut, wie Deniße und Preger meinten*). Eine

vBrüfung des Variantenapparates zeigt, da^s der Schreiber von M

kAl ,^ort und fort den grössten Fleins" *) aufgewendet hat, nondern

jSkk zafülose Nachlässigkeiten zu Schulden kommen liesg. Oft hat

br bei schwierigeren mystischen Partien den Sinn nicht mehr ver-

tUmtdtn, wie die« bei sfpäteren Abschriften gewdhidich dsr Fall ist

ff» z. B. 164,12; 165,17; 167,5; 168,15. 24; 170,12. 19; 174,23;

175,*' usw.), häufig macht er Änderungen und Zuslitze, um das

Yentändnig zu erleiditern (z. B. 8,3; lO.llf; 21,6; 46,5 f. 60,6;

I e8j2/. ; 67fif 10; 70,7 usw.), wobei aber öfters etwas gattz Un-

' '-'-fe«*) und Sinnloses herauskommt (so 12,10; 16,9; 27,15;

(,J7; 77,21; 83,20 ff.; 105,26; 108,9; 111,3 umc); Überhaupt ist

» Tendenz zur Erwaterung d. h. Verfluchung und Verwässerung

nTe.eUs hervorsUchend (z. B. 50,8; 57,4; 59,33; 66,4f.; 70,3;

IK; 75,14f.; 77,25; 86,23f.: 87,22ff. usw.). Man sieht sich

f Irrund von alte dem zu der Annahtne genötigt, dass in M bezw.

litwr Vorlage nicht so fast die Hand eines Abschreibers, als die

t Bearbeiters tätig war.

Daneben weist aber M manche Spuren hiJheren Alters auf in

fcritom gegenüber der A-Gruppe, die nach Ausdruck und Inhalt

t «Aj susonisches Gepräge tragen, da.'ts sie nicht als Interpolationen

*^uh9H werden können"). Bei 15,4 und 82,11 f. Hesse sich der

baftUl eines Satzteils allenfalls durch Homoioteleuton erklären, nicht

tr bei 122,lf. und 159,13 f. Es ist kein Grund abzusehen, warum

f Seuxe bei einer zweiten Redaktion sollte gestrichen habe?t;

') Dit Vtrntutung Fregere 11, 342 ff., Seitee iti durch den Tod gthindirt •*«, 'tin vkHeiliges Werk m einem Bande tu viitinigen, und lin Schreibrr w* doM Mufanig die falgche Vita in das Extmplar aufgtnumnen, int dach ' |«««fci iMd data tchon durch den Prolog hinrrichend tcidtrhgt. *) Vgl dagtgen da» vwiiehtigere üneil Strauch» a. n. O. 140. ^DtnifU, Zfda XXI, 131.

) SanuitfT gehört auch 5ä,39 die AHseteuitg eines nrurn KapUtb mit "pvtndm Überschriftt Wie er «ch aioig hielt. ■) Irh habi^ tlie»eibeii in < > gtsettl.

32* Einleitung. I. Die Überlieferung.

mindestens ebenso plausibel ist die Annahme, dose schon im Arche' typus der A Gruppe die Auslassung durch ein Schreiberversehen geschah.

An einer Anzahl von Stellen hat M Sonderlesarten von ge- ringerer Bedeutung, die zwar gegenüber van Aund seinen Anhängern ursprünglich sein können, aber keineswegs sein müssen und es meines Erachtens auch nicht sind, da sie sich ungezwungen aus der schon konstatierten Art des Abschreiber-Bearbeiters erklären lassen (so 12,14; 50,27; 51,10; 62,15; 80,22; 86,25; 88,9; 99,3; 100^0; 103,10 f.; 118,24; 126,20; 135,32; 143,32 f.; 158,25; 168,3; 172,6; 177,23; 179,32; 180,1).

Von besonderer Wichtigkeit ist die Lesart von M 18,11/.: daz (nämlich das Gebet Anima mea) er do schreib an dem nacb- genden briefb&chlin (vgl. auch A^ in den Varianten) und der Zu- satz 155,7: als an dem nüwen briefb&cb(l)iD, daz hie ze hindroflt och stet, aigenlich ist geschriben. Der M-Text kann an diesen Stellen, tvie auch Preger^) sah, nicht von erster Redaktion her- rühren, denn er setzt ja das abgeschlossene Exemplar voraus, aber auch nicht der zweiten, endgültigen Redaktion bei V erÖffentUchwng des Exemplars angehören, denn sonst wäre es unerklärlich, warum aOe anderen Hss,, von M und teilweise A^ abgesehen, berichten, Seuse , habe den Morgengruss nur an „etliche^ neue d, ä. gekürzte Briefe büchtein geschrieben (18,12). Diese Na^ihricht muss aber richtig sein, denn keine alte Hs. enthält den bezw. die Zusätze (vgl. Anm» zu 393,6). So bleibt nur die Annahme einer Interpolation übrig, die auch von Denifle^) und Strauch^ gemacht wurde und zu de0^ Charakter von M gut pa^st. Dies gibt uns aber das Recht, auch den ungeschickten Zusatz in M 175,21 : als da vor gesait ist eis eine spätere Einfügung zu betrachten.

Einem Schreiber- Bearbeiter, der sich solche Eingriffe in def^ Text erlaubt, wird man auch Auslassungen zumuten dürfen. Vita 63,ld ist in M der Name Anna tveggela^sen und der Satz entsprechend geändert, 64, 1 65,3, enthaltend die zweite der Anna geworderi^ Offenbarung samt der Rosenvision, fehlt. Mit Sicherheit ist hierauf weder auf erste noch auf zweite Redaktion zu schliessen: SeuS^ konnte ebenso gut nachtragen als tilgen % Immerhin spricht meh^

M Zfda XX, 407,409; Mystik II, 311 f,

«) Zfda XXI, 128,137,

«) -4. a. 0. 139,

*) So auch Strauch a, a, 0,

D»8 HuKlucliriftünverhtiltiiü. Alt iiml Weise -lieBer Äiisii-abr.

33*

fir Denifif» Auffassuni/, du es Ja, nenn ihr Schri/Mel/er auf die nxh Ufiendf Anna Jiückiticht nehmen woUle, yenvgt hätte, ikrtn Samen toeg zulassen ; zudem ist Kap. H7 mich in M eine Anna •/mannt, ivelehe lenhrscheinlich mit der in Kitp, '4'i erwähnten identisch i4. Ater auch De7nßes Annahme, M veirate hier die erste Redaktion, ht nicht Bioinffend, denn es konnte auch der Schreiber von M den Text an der ernten Stelle ändern und an der xueilen die beiden Hr- iMunge» streichen, ohne dass wir den Grund hiefür eu erkennen »rmöchten; cielleichl geschah das letztere deshalb, weil in Kap. 34 zwei SMiche Ersählungen folgen. Ganz tihnlifh liegt der Fall auch in houy auf den in M fehlenden Passm von dem ,neuen Büchlein', dos in den Rhein fiel tffl,f> t3J, und bei den kleinen .Ittslnssungen äI.Ü— < und S5,18—VJ.

Am tiefsten einschneidend und für unset-e Frage am wichtigeteti *d die Abweichungen von M in Vita IHO.lff. und 177,1 ff. Am Ort bringt die He. statt der allgemeinen Andeutung, dam so schwer verleumdete Unschuld sich liermtsgesteUt habe, die konkrete Xachricht, der Ordenageneral und der Provimial von tnltmia hätten die Sache genau untersucht und alles als böswillige YtHeumdung erkannt usw.; ausserdem ist die folgende, 10 Zeilen nfiuftendt Ersühlung von der Erscheinung eines Freundes, der jenem 'früAir unrecht getan, gestrichen. Auch hier stehen wir vor der Alter- lative. Streichung des interessanten Zusatzes in A, oder spätere Ilin- fJiyuHg in M anzunehmen. In der Tat möchten Denifle^) und !^lrauch*) den Zusatz der ersten, Preger') der zweiten Redaktion twfisfn. Aber wahrscheinlich ixt keine der beiden Annahmen richtig. f'.inmal finden wir in jenen Worten Seuses «onst so leicht erkennbaren Stil jiicht wieder, die Aund rucksweise klingt fremdartig*) und sehr nichterti, sodann ist Preger zuzugeben, dass Sense, wenn er einmal tiM Ehrenrettung durch die höchsten Instanzen des Ordens in tni-Jctntn Worten niederschrieb, sie schwerlich in der zweiten Redaktion Kitder getilgt hätte. Daher empfiehlt sich auch hier wieder die An- nahme, dass ein Unbekannter die Interpolation gemacht und die Änderung vorgenommen hat. Seuse selbst hat sich wohl in bescheidener Xvrilckiuiltnng mit allgemeinen Andeutungen begnügt, seine Un-

') Z/da XXI, 130 f. ') ia. U. iSBf.

■) Zfda XX, ifJH: Mystik II, 3Hjr. ') Atuk Strauch a. a. 0. ßnäel die Leg '■ Guekuiaek weit anaithrndn:

I A paerl/ieher und filr

&»•«■

, DmIwiM SebriflMi.

34* Einleitung. I. Die Überlieferung'.

xchuld id ja ^^orausfietzung der yanzen Erzählung! nach seinem Tode aber hat ein mit den Verhältnissen l^ertrauter , vielleicht ein Ordensgenosse im Ulmer oder Konstanzer Konvent, die Notiz ein-, gefügt. Anregung d/izu mochte ihm die Bemerkung (126,13/,) üher das Kommen der Ordensobereti (nach Konstanz) geben, die von selbst dem Leser die Frage nach dem Atisgang der Untersuchung auf die Zunge legte; die anschliessende Erzählung über die Erscheinung eto verstorbenen Freundes konnte dann als entbehrlich wegfallen.

Wer den Text zu Beginn von Kapitel 51, wo über die G Ott eser kenn tnis gehandelt wird, nach der A-Gruppe und M mit einander vergleicht, erkennt unschwer, dass hier eine einschneidet Änderung in ganz bestimmter Tendenz vorgenommen worden ist. Während in M nach dem Vorgange Bonaventuras, der hier ah Quelle dient (vgl. den Nachweis in den Anmerkungen zu 176,11 ff»), und Meister Eckharts^) dargetan ivird, dass Gott das j^rimum cognitm sei und dieser Gedanke den ganzen Abschnitt beherrscht, wird in A der Frage nach dem Ersterkannten ausgewichen und- der Ged/inke!h gang in recht gezwungener Weise dahin gewendet, dass Gott nicht in die zerteilten Wesen aufgehe, sondern der Enthalt aller Diny sei ^). Kein Zweifel, dass der Text in M besser fliesst und deti Ein' druck der Urspriinglichkeit macht. Daher meint Denifle% dat Hervorgehen des Textes von M aus A lasse sich in keiner WeifC begreifen, wohl aber umgekehrt; anfangs habe sich Seuse fast sklavisch an das fünfte Kapitel des Itinerariums gehalten, später aber, ab er daranging, die Vita zur Veröffentlichung vorzubereiten und (& schwierigen mgstischen Partien dem Provinzial Bartholomäus vorlegt {Prolog 5,18ff.)y habe er den Text ^so gut es ging^ geändert, weH

') Vgl Denifle in seinem Archiv II, 619 f.; 587,21: 600,15: 605,6, ^) Vgl Denifle, Zfda XXI, 131 f. Der Versuch Pregers II, SIT nachzuweisen, dass zwischen A und M kein wesentlicher Unterschied bestehe und dass die letztere Hs. und Bonaventura Gott nicht für das IJrsterkanM^ halten, verrät so wenig Kenntnis der scholastischen Terminologie, dass er aJb ganz verfehlt nicht weiter zu berücksichtigen ist. Vgl auch Denifles scharfe Zurückweisung im Archiv II, 620 A. 1, 687, Dass die Lehre der älteren ^ansii*^ kanerschule von der ,cognitio in rationibus aeternis^ mit der thomistischen Lchr€ nicht harmoniert, die Herausgeher des Itinerariums fs. Anm, zu 176,6), SchoUim p, 487 ff , suchen vergebens Bonaventura und Thomas in Einklang zu bringen hat neuerdings lichtvoll und überzeugend M. Grabmann, Die philosophiwke and theologische Erkennt nisUhre des Matthaeus vwi Aquasparta (= Th%dU Studien der Leogesellschaft H, 14) 1906, 65 ß\ gezeigt (S. 60 f über Bonaventura)* Vgl auch Krebs, Meister Dietrich (s. S. 3:!^8) 124 ff. '•') Zfda XXI, 131 ff.

Das Handschriftenverhältaiis. Art und Weise dieser Ausgabe. 35

jepie Lehre der im Orden streng vorgeschriebenen ^) thomistischen Doktrin widersprach.

Die Lösung des Problems ist sicher eine ansprechende, tve^in"

gleich nicht alle Bätsei schwinden. Anfallend bleibt dann immerhin,

warum Seuse bei seiner „ängstlichen Furcht** (Denifle) nicht besser

dafür sorgte, dass die Spuren der anstössigen Lehre verschwanden ,

und wie er überhaupt dazu kam, in dieser wichtigen Frage von

Thomas, den er so hoch schätzt und dessen Gegner er so sehr tadelt

(Vita 180,16 f,. Hör, 151 f.), abzuweichen^). Doch wird man die

Möglichkeit nicht leugnen können, dass er trotzdem jene Theorie, die

sieh auf die Auktarität des grossen Augustinus stützte und von einer

Reihe von Theologen seiner Zeit, vor allem von seinetn Lehrer Eck-

hart, vertreten wurde, adaptierte und in seiner mystischen Spektdation

anfänglich zum Ausdruck brachte. Viel schwerer wird man zu der

Annahme greifen, und sie bliebe allein noch übrig dass etwa

auch hier der Interpolator von M, der die Notiz 130,1 ff. einfügte,

8ewi€ Hand im Spiele hatte, indem er sich angetrieben fühlte, den

Tejrf der Vita nach Bonaventuras Itinerarium, von dem Seuse so

flötzlich abweicht, zu ändern und zu ebnen.

Das Resultat dieser Untersuchung ist demnach folgendes: wohl wr in bezug auf den Anfang des 51, Kapitels kann man mit ziem-

*) Auf dem Generalkapitel von 1278 wurden die Dominikaner streng auf Lthrt des fd. Thomas von Aquin verpflichtet und zugleich eigene Inquisitoren ^fgttteÜt, durch welche die NichtnThomisten bestraft , aus ihrer Prooine aus- 9*iiouen und jeden Amtes enthoben werden sollten (MOPH III, 199). Ähnliche ^»Ummungen wurden öfters wiederholt, so auf den Generalkapiteln von 1279, ^ 1309j 1313, 1329, 1342, 1344 usw., ein Beweis, dass sie nicht immer genau f^thaUen wurden und dass die antithomistische Strömung auch im Prediger^ ^dtn tUcht unbedeutend war. Meister Eckhart und Dietrich von Freiberg, die ^olzdem hohe Ordensstellungen bekleideten, sind Zeugen dafür. Übei- des letzteren ^rienntnislehre , welche ebenfalls antithomistisch ist und, wenn auch von «»<fef«i philosophischen Grundlagen ausgehend, doch in der Hauptsache mit der ^alteren Franziskanerschule zusammentrifft, vgl. Krebs a. a. 0, l'^3 ff., ^*ff., 203*; ebd. 220* auch über den Traktat von der Minne (bei Preger ^ it9ff.).

^ Als Gegeninstanz wird man weniger betonen dürfen (vgl, Denifle ö fl.0. 134 A. 2), dass Seuse kurz vorher (17 2,1 ff,) den Weg der Gotteserkenntnis P^ crtüturas auf aristotelisch-thomistische Art beschreibt, und dass auch das ^^ßff, angeführte Beispiel vom Licht und von den Fledermausaugen der Lehre, ^ göttliche Wesen sei das primum cognüum, nicht recht entspricht. Ein der- ^^ti Ineinander spielen augustinischer und aristotelischer Gedanken findet sich <w»cÄ in itm System Bonaventura.?, bei Matthäus von Aquasparta n. a. (vgl. Grab' »'»n« a,a, Q. öTjff., 60 f.).

\

36* Einleitung. I. Die Überlieferung'.

licher Wahrscheinlichkeit von eifier doppelten Redaktion der Viia reden; einen grösseren Umfang hatte diese scJiwerlich^), Doch mri bei dieser Annahme der Ausdruck „Doppelredaktion*" besser ver- mieden *), denn auch die Rezension von M war von Anfang an für das Exemplar bestimmt^): Vita 18,11 f und 155,7 {s. oben S. 32*) i$t von dem Briefbüchlein die Rede, 96,2 wird das Leben als erstem Buch, nämlich des Exemplars, bezeichnet, und es fehlt auch nicht der Hinweis auf die Bilderausstattung desselben (193,24).

II. Die übrigen Sehriften des Exemplars.

1. Das Bdew hat eine verhältnismässig sehr alte, gute, aber i doch nicht ganz einheitliche Überlieferung, Von den benutzten JSTä | (x, S. 196) ist der Konformität halber auch hier A zugrunde gelegt m obwohl wir in EE^Z einen älteren und besseret Text vor uns haben; in rein sprachlicher Hinsicht stimmt jedoch A mit diesen Hss, foit vollständig überein. Relativ den besten Text hat Z, dctö auch dk Autorenzitate am Rande am genauesten verzeichnet, dann feigen^ E und E\ Diese beiden Hss, weisen Korrekturen von einer äUerei^ und Jüngeren Hand auf, welche nicht immer mit voller Sicherheit unterscheiden sind, Z nur solche aus sjniterer Zeit ; die sicher jängerm und unrichtigen Korrekturen sind im Variantenapparat nicht berück^ sichtigt. In E^ und F, welche miteinander verwandt sind, zeigt Hdk häufig ein willkürliches Eingreifen des Schreibers; E^ hat daneben . aber auch oft sehr gute und alte Überlieferung. Verwandt sin^ feriier F und F^, E^F und F\ namentlich aber A und K, denen sich noch manchnuxl cl anscMiesst, AKol, welche das Bdew in der Form repräsetitieren, wie es in das Exemplar aufgenommen wurdSm stehen durch zahlreiche Änderungen, Auslassungen und sonstige Korruptelen allen übrigen Hss,, welche das Büchlein separat übef^ liefern, als eigene, minderwertige Gruppe gegenüber, weis zu defn Schlüsse berechtigt, dass der Vorlage von A keine sehr gute Abschrift f= X) des BdeWy das schon ca. S5 Jahre vor der Redigierung d0^

^) Höclisteiis wäre noch 159,13 f. an ein Kingreifen Seuses seihst zu ifonÄ?**^ ^) ÄXAch Denifle redet wiederholt nur hypothetisch davon (Seuse

Zfda XXI, 137),

*) Unrichtig sagt Denifle, Seuse XIX: „w steht fest, dass das

in M von Seuse nicht für das Exemplar bestimmt war.^ Dagegen mit

F reg er, Mystik II, 321 f.

I>ii8 HftDilachrifteuvcrliSIiuia. Art und Weist dieafcr Äusgalie. 37*

larif nerfnsit war, zugrumle Ici/^); und zwar musn X in

Beziehunff zu der in Töss geachriebeHen Hs. E ge^tandm

dae zeiijt das äfiers vorkommeiidv Zusnmmetitreffm von A 'f AK und E, AKx und E, neben d^m jedoch auch die Ver- tuen AF und AI! betnerkemweri xinri. In ZweifelufSllen wird ich hei HezenMerwiff den Textex in der Hegel auf jene Hss.- w zu stützen habe», bei der Z vorkommt. Es gelingt auf diese öfters einen zuverlässigeren Text gu erzielen, als ihu Denifle hat,

und E' bevorzugte.

2. Dna dritte Büchlein (Bdw), weniger kopiert und daher tr verdorben, ist ziemlieh gut überliefert. Führerin ist A, und itser H«. bezw. ihrer VorInge scheinen alle übrigen abzustammen ; ndt tiitd besonders A und li, A und K, A und S, AB und S. Ha Varianten eon CXSfm, welche voll Fehlern »ttcken, »ind mir zum iäntUn Teil angeführt. Gegenüber JJeniJIr. der geringeres Material bte, ist der Text nn manchen Punkten verbessert. H. Beim Bfh gilt so ziemlich dasselbe, wie beim Bdu: A über- oU$ übrigen Hss„ von denen VKPS manche, N Ü H'fm a. sehr Verderbnisse aufweisen, weit, und nur sehr selten muss eon tbgtgangen werden. Verwandt sind unterei minder //emmders .1 S, C und S, AC und S, K und U. m und N. 4. Di« Zuaätze zum Bfb') sind in mangelhafter iVeise über- t, und zwar weichen die Hss., welche das Exem/ilar enthalten h/j, lind a öfters ab eon denen, welche sie in Verbindung mit hBfb bieten (Shms'). Der letzteren (rrujij/e wird meistens, itlieh bei den Sirrüchen, der Vorzug zu geben sein. Denifle rie scheint, nur x und m benutzt. Zur Grundlage sind df genommen, weil diese Hss. die älteren Sprachf armen und lannifchen Dialekt am meisten bewahrt haben.

III. Das Grosse Briefbach.

Nach ö'dHWfi Zeugnis hat seine geistliche Tochkr Elsbvth ' an» .allen" Briefen, die er ihr und andern seinen geistlichm (TU i/esandt, ein Buch gemacht; er ."elbst nahm einen Teil der

'\ Au/falimii in dire aÜndingn, da Seutt nach l'rolog 4,1 ß'. Obrr Schreiber- rrlmiitf, spttirll im Bdmt; hhujl und von Mine" Banitlimtgfn um lin ,ge- 'f Eiimplar btrielittt. Mim ivird 'iber von rinem miltfl-aUerlicHen Schrift- * W«< aOtH grotet Akribiti erwartfii diir/mi. 1 ygl dif Anm. S. 393.

'iS* Einleitung. I. Die Überlieferung.

Briefe, kürzte sie und machte ein neues Büchlein (873,22: diz kleia ding) von elf Briefen daraus, dds er als vierten Teil dem Exemplar einverleibte; die Briefe, welche ihm zur Aufnahme nicht taugUek schienen, vernichtete er (Prolog zum Exemplar 4,18 ff.; Vita 18,12; Kl 360,1 ff., 373,22 ff.).

Ist nun wirklich das ursprüngliche, ungekürzte Brief buch der Stagel unwiderruflich verloren, oder ist es in irgend einer Form e^ halten geblieben? Über diese Frage ist vor 30 Jahren zwiseki» Denifle^) und Preger^) eine heftige Kontroverse ausgefoehUB worden, die zwar kein völlig sicheres Resultat herbeiführte, derm Verlauf aber doch unzweideutig erkennen Hess, auf welcher Seite sick der grössere Scharfsinn und die umfassendere Kenntnis des haut' ^ schriftlichen Materials befand^). In seinem ersten Aufsatz hatk Denifle ausgeführt, dass das ursprünglicfie Brief buch nicht, wie mm glaubte, verloren sei, sondern sich im wesentlichen in der Stutigarltr Hs. Cod. theol. et philos. 4^ 67 (^ s, s. oben S. 24*) erhalten finita H während das von Preger 1867 herausgegebene Brief buch des Cgm 8tt 1 (s. oben S. 7*, 23*), das dieser für die endgültige, von Seuse für dm "^ Exemplar bestimmte Redaktion ansah, sich nur als ein ungeschiMm ^ Konglomerat aus Briefen des ungekürzten und gekürzten Briefbuchm *1 darstelle. Dem gegenüber suchte Preger nachzuweisen, dass dir i Si<igelsche Sammlung gar nicht erhalten sein könne, da Seuse naek seine)} eigenen Worten (373,27 ff.) sie vernichtete; derselbe hoklf \ mederholt eine Auslese aus ihr veranstaltet : die erste besitzen wir noA in s (das „alte^ Brief buch), die zweite in den 11 Briefen des erski^ ' Druckes (das „neue^ Briefbüchlein), die dritte, für das vierteilig^ Sammelwerk bestimmte, die aber durch einen Zufall nicht in ioM Exemplar kam, in m.

Das neu^ Material, da^ in vorliegender Ausgabe der Forschung unterbreitet wird, ergibt mit Sicherheit, dass Denifle in allen wesffHp*

') ..Zu Seuses ursprünglichem Brief buch,'' Zfda XIX (1876) 346—7$» ^Ein letztes Wort über Seuses Brießücher,'' ebd. XXI (1677) 89—138. Fffc auch Seuse XXV IL

«) ..Die Briefbücher Susos^ Zfda XX (1S76J 373—416. Die Abh€mS^ lang in Gesch. d, d. Mystik II, 331 ff. bringt nichts Neues von Bedeutung ebensowenig die persönlichen Erklärungen der beiden Gegner in Äfda Uly 211 1

^ Strauch, Afdn IX, i56* hält Denißes Ansicht für glaubhafter^ AÜg. dtsch. Biogr. 37,179 schliesst er sich derselben rückhaltlos an. Vett€ a. a. 0. 59 f. meinte, es habe nicht bloss ztvei, sondern mehrere BriefbUcher abweichender f^^ihenfolge und Ausirahl der Stücke gegeben, die „Kürzung^ dmrc^ Seuse sei nur entschuldigende Fiktion eines spiUeren.

r>M Uaii(lEchri(t£ii Verhältnis. Art und Weise dieser Ausgabe. 39*

liekfH Punkten da« BicJitige genekett hnt, Preyer dotjfijeH wie »Vi bezug

auf dif Vita so auch hier sich nuf falscher Fährte hefund. Was

zKHQchai das Heitif mUr neue (ijekürzte) Büchlein mit 11 Briefen

anlangt, so kann es keinem Zweifel mehr unterlitym, dnsu tvir darin

die Iftste, in guiiz ttestimmter Tendenz^) benrheiteie und in das

Eiem/tlar auft/eiwtnmene Auswahl Setises cor uns hahrn. Gegenüber

dem Zeugnis der Hu»., welche dasnelbe sämtlich ausser m und N in

tinhtiÜicher Form bieten u»d als viertes Buch dem Bdw anfügen,

mken die Pregerschen Erkfärungscenmehe und Kombinationen *)

luthU zusammen, m, wozu n/s Dopjielgängeriu die fast identische

Hl. S kommt (s, oben S. 7* ), kann dagegen unmöglich als Schluss-

ttdaktion Seusei* gellen und ist überhaupt gar keine Originalarbeit ^).

Di« Entstehung dieser Kompilation lässi sich unschwer begreife».

Ütr Münchner fiezw. Nürnberger Bearbeiter hatte eine Hs. cor sich,

m welcher airf das Kl Hfb das ungekürzte ( und wohl auch die

1 Prtdigt Ltctulus) folgte, solche Hss. haben wir noch in B und V

I ~ fr H/ihm da.i erstere ganz auf, von dem letzteren aber nur die-

I 'r^gen Briefe (14), leelche ein abiceicketides Motto trugen und fügte

(K aaeh Br. 111 (Nigra num) ein frgl. oben S. 23*). Dieses Ver-

fihrtn hatte notwendig Ungleichheiten in den Überschrifli-n und eine

.itihe unnütter Wiederholungen 2ur Folge*).

1 DU Vtiri-tde »p'i'cfit von ttna- Itre, jeder Brief ist mit einer ni/eiien fUnchrift ctTtehrn, die KurEUtig, Zusammensettunff untt Äbfntyt der Brieff Ut nocA taehtiehen Getiehtupankten {». ü. 43* A. S) beteerksleliigt. Alt« Vita JS,1I/. ffrAl hemir, data Abnehriften des Kl BJ'b schon vor der Sehluss- niikiini 4** Extmplar» im Umlauf irarcn.

1 Hfda XX,41fi: MusUk 11, 342 f. Vgl. dagegen iiamtntlich ll'Uifti', Zlia XXI, 136.

'i IHc einsetnen Argumente Pregers , der iifUr» angtjch'ckl Ofieriert, laaiirhin hi*r nicht mthr uiidtrlegt tu werden: Drnifle hat dies fast in aUrn AWw fieyreieh getan, tgl. hefondtis Zfda XIX, 300f. XXI, 103ff. llOff.

Dir» eehuH dir tinieuehtendt Krktaiung Drnifles, Zfda XXI, Wo.

^ treilere Xolizen übtr dir lifscliaßenheit des Textes in m N. Der

« dtrettbe wie im Kl Bfli, Die 11 Briefe de* letiieren sind, tornn

Khr rtrdtrht, in der Rezension eon A, doch hat der Kompilator nicht

, leo es ihm pattmd seMm, eineelnr Wörter und Phrasen aus dem

Sfh tu äbemthmen, bette, rinselnes utiezulaiitrH, val ts dort nicht stand;

t Beispiele hat schon Denifle, Zfda XXI. llOff. aufmcrklam ge-

io ist Sö,t3 (ich tiiiere Pregtr nach Üriltn und Zeilenl in den Uer-

GrBfl' tll,Vi: L'!f,l steht liegcheidenheit etatl inrkeit = J.?0,&; 30,1

~ 43/,l().- 61,17 waz will. leren = 467,17: 0:1,10 on seinem gebet

«WI; SJ^ goükhen = «V?-- «-'.^ g<"«8 ^nialiol =M«^S; TO.lü fehlt

.S'dmAui = 4St),t8. Am Sehlues ron Brief II, III, XXII, XXIV (nach

40* Einieituiig. I. Uie Überlieferung.

Dem geijetiüber tceisen s luid die dnmit zusammen zustellenden Hss. bCcdgg^hnRs^Uz untrüffliche Merkmale tiuf, an denen loir m die Singelscke Sammlung erkennen können. Per Prolog (405,1 ff.) redet nicht von einer Auslene wie heim Kl Bfb (3G<t,äff.), son/lei weist deutlich auf die Originalhritfe hin '); esfelilen die yedaktionel/en Zusätze, welche Brief IV, V, VI ( Anfang undSchluss)im Kl Hf herhalten haben*), samt doch ausgenommen hÜs' der Erzühbmg con dtt

Pftgtrl isl ein lateiniacher Spruch: hec nobie cnncednt ille, qui pusua eet pro noUi l'iiltr ähnlich) angefügt. Die rfdnttiontlh BeiMfkung fi4,4~~T iBriff (^uomot polMt, vffh diese Ausgabt 371,3^ ''of-A "«* tcelchtr Preger iZfda XX, 40Si Myalik II, 339f.) für seine Hyjmtiiee« KaiHfnl *chl/lgt, hnt Itenifle, Zfda XXI, IJSff, aberitugend als mnsehifbsel dfs Kiimpilators nachgtwi

') Es ist Seiuea Geteohnheit , i'n deii Vorreden und aoast bei ff«- Irgenheit sich über die Entstehung seiner Schriften auszulasten (vgl. Dei a. a. 0. lOfJf.i; irie das gtkärwte Rfb au iitande kam, erzählt er sogar dreimali liier aber haust et rinfaeh : die (briefB) SAnte ... Tsl das nieht ein deutlieh» Fingertrig, datt tcir keine von b'euse veranstalttle Sammlung vor uns habent Er pflegt sich sonst auch nicht ein, sondern der dieuer der ewi^-im wisheit a^ itfimtu. liats ein Satt in beiden Prologen fast identisch ist, darf ' " '--^ sondtra auffallen, dctm Seuss hat auch Verse der Slagel eiiiirlnen Absekrifit* des neuen Bfb lugrselxt, und einige davm unter die tu Bild 1 und gehört Sprüchr aufgeniimmen. I'regti- räumt übrigens selbst die Möglichkeit der i lehnung ein (Zfdn XX, 380).

') Brief XVII KJuumodo poteidj des GrBfb (vgl. Kl Bf b IV) erfordert i/tsonderte Betrachtung. Er terfällt in twei deutlieh gssrhiedme Teile, die n ins unter einem Motto, doch durch rote Initiale und Absat» getrennt (i£a,tO) fiei eiTiandsr stehen, während C e d nur den erstell, n t nur den neeitm TA enthalten. Im KlBfb sind die swei Stücke mit Hr. XVIII (A'tmo igtest) t tammtngisehmolsrn und haben eine historische Einleitung erhalten, aus »elchn hervorgeht, dass alle drei Teile an dieselbe Adrcssalin, wenn nueh nicht alle M gleicher ZeÜ geschickt worden waren. Da na» im Gr Bfb mr der tmeitea At teitung VOR Br. X VII dieselbe Einleitung steht, vttnn auch ausführlicher und m clutrakttristischen Zügen bereichert r Jß8,/0— <iW,9(, teie im Kl Bfb (370,1— so sieht Preger <Zfda XX, 3S0: Mgslik II, 33af.l darin einen uniriiglicha Seiceis der Rtdigierung durch Stuse selbst. Doch ixt dir Argumentation fliW beweiskräftig und schon von I'enifle fZfda XXI, 90ß.) genügend iridn-ltg worden. Warnta soUjene Einleitung nicht schon in Stagtls Sammlang gttlandM haben f Es ist aneitnehmen, dass Sease den xweitm Teil zugleich mit dem vatt an dieselbe Nonne sendete ; deshalb hat jener auch krin eigene« Motto, nms tom bei allen Briefen Seusrs der l'aü ist. n allein {S. im Variantenappiital 1 458tl0> kann dagegen nichts beictisen. du diese Tis. überhaupt einen sehr ttm und oft villißrilch bearbeiteten Tc.rt enthält.- nueh bei 4U1,19 selten n Ml4> unmoticisrienctito den Beginn eines neuen Briefes an. Eher noch känhU A ftir »ich unrrrstKtidliche Er "fri Heijinne der Uriilhlui-g (ifiS.ldi auffallen, ab mellticht hat die Slagrl hier geändert.

l'iia Quiidi-L'liriftvuTerhallDiH, All iiail Weise dieetr Ä-Ua^abe. 41*^

Vn-rhruuff des Samrns Jesu, Morgengrits» und Sprüchen, und über- haupt ergibt sich dfU Gi' Bfb ') bei genauer Vergleichung unzwei- deutig als die Vorlage zu erkennen, »(ich der die 11 Briefe des Ki Hfl) gekürzt und zusnmmengeslellt ifordeti sitid^). Ein Blick in _ die TabeOe S. Hfi* (vgl. auch die S. 25* vorangehende Notiz) zeigt, da"«

Üi Aufeinanderfolffe der Nummern des <Jr Bfb in den Hss,, zu I 4«w auch die ehemalige Strasshurger Hs. F 128 {s. oben S, 25*) ■n sleUen wäre, die nur wenige Briefe enthaltenden Manuskripte HfamMm nicht in Betracht im wesentlichen konstant ist; nur gegen HEcUuas macht sich ein leichtes Schwanken gellend. VerhäUntsmäBsig Hm) besten scheint die Abfolge des Originals in s repräsentiert. Es Hvl eine interessante Beobachtung und zugleich eine Probe für die ^mBichtigkeit obiger Beweisführung, dass die Art, wie die Briefe des

^1 'i leb fftbrauehe diese Set*ichnung, nicht wie TJeniJle „vnyekil-rttea- Bi-itf-

^B kal, Hvä (Ttr nt'cAt sieher missen, ah alle BiieJ'e dtr Slagelachfn Sammlung ?J thhm sind. Zudem mag der eine oder andere noeli nachträglich data ge- J Wnmi stin: so ist Nr. XXVII lair .*» drei S}>ätereH Hss., XXVIII (die irl Mthtit prtittumirrlj nur in einer überlit/crt.

'I *) E* ist ron Inlcrrste Seusrs Vorgehen hierbei tu beobuchtfn. Er kärtt

■r-t >kkt bhi», sondrm macht dann und mann auch kleinere ndsr grösser^ ZusMte '\ i'fi Brir/ IV—VIEinleitungeti, s. S. 40*1, verdeullie/U ditreh Vtrlausehung ^L ■»« JHsA-Hck» durch einen anderen, bringt hleint stüistieche Vtrbesnerungen ^K «. Die Sprache im Gr Bfb ist Sftera origineller, kräftiger, weniger gefeilt, ^1 ii Kl Bfb glatter, weniger iiersflnlieh. Infolge der Kürsung icird der Gedanken- H l»f oitr laicAl immer klarer, z. B. int S68,S7 ff. : 370,16: ilS3,17 ohne die Vor- V V tann rrrständlieh. Im eintelnen entsprechen sich die Briefe im Kl and m (irBß ia folgender Weise (die betreffenden Partien des Kl Bfb sind immer 'm funiKgtsttlll und die Briefe des Gr Bfb mit römischai Ziffern btteiehnet): H Ikrguiua mundi besteht am II 1. Teü {Stiü.lU— 362,19^410,10— 413,17) and ^tbuwi .Sluek von III Surr rxi iSG2,äO— 32 = 418,ß -419,10); der 2. Teil von ^^AifNHn ainndi im Gr Bfb, der ganr spesielle lialsMäge für eine Nonne ent- ^BlllL ist im Kl Bfb übirgangeu, ihn nie eigenen Brief ansusehen (Preger in ^I^iId XX, 375), ist aber kein genügender Grund. 2. Habitabil ist aas seetis ^m-nthiedtntn Teilen suaammertgesetst : a) 363,4— 364,16 = IV Uabitahit ; ■^1 364,1S-3S = V 8onet 423,18—424.22; c) 364,29—360,2 = VI Vintae ■«;U~3S. dt 360,3— I(J= VIII auslote 430,5—13: e) 365,11—366,6 X ÄWtoTB i3(i. 4-437. 13.- f) 36U.7—^ = KI Audi ^7,31—439,7. 3. Mgra sum ^■M »<u XII stark gekürzt. 4. In Br. Qutmodo polest entspricht 369,4—871,32 ^Bh »mntUchtn XVII und 371,33—372,25 XVIII Nttnu polest. 5. Exulttt ^■^ XtV. - 6, Abealiin= XIII (tisndich erweitert). 7, fChristusI, 8. (Annun- ^g>su> iMd 9. fln nntnibwii geben die Vorlage Br, XIX— XXI unwesentlich ■••^•J« wieder. 10. Eslole besteht aus ev>ei Teilen: al 389,24 ^3m,37 im = XXU 471,3—472,11; b) 3al,l-10 = XXIV Noa autim 476,7—24. - ]L Pone

««^AXK/ 4IM Schlms ovniieri.

12* ifiinleitung. I. Die Uberliefening.

O Bfb aufeinanderfolgen und wie die einzelnen kombifiiert sitid, leutlich erkennen lässt, dass Seuse eine Sammlung vor sich hatte, velche die Briefe so ziemlich in gleicher Reihenfol-ge und Anzahl wie enthielt^).

Man wende nicht mit P reg er '^ ein: Stagels Samndung ist ja mi Seuse vernichtet worden, wie kann sie dann erhalten sein ? Wir umnen doch nicht annehmen, dass Ehbeth ohne sein Wissen und Wollen eine Briefsammlung veröffentlichte! Darauf ist zu sagen, lass die Absicht einer Veröffentlichung in den Worten des Prologs licht notwendig gefunden werden muss; sie haben einen guten Sinn, cenn Elsbeth die Briefe auch nur für ein Kloster bestimmte^ bbrigens ist ein eigentliches Verbot, die Briefe anderen mitzuteilenf tuch flicht gegeben worden, die Bedenken Seuses gegen eine weitere Verbreitung (7,9 ff\, 118,24 ff\) bezogen sich zunächst nur auf das, vas er von seinem eigenen Leben, seinen Übungen und Leidefi erzählt xatte, und davon enthält da^ Gr Bfb nicht viel. Dass sich Seuse n seiner Meinung, das ursprüngliche Briefbuch sei bis auf den ins Kl Bfb übernommenen Beat vernichtet, getäuscht hat, ist richtig und mmerhin auffällig. Aber die Tatsachen verlangen die Annahme: 'S muss noch ein zweites Exemplar des Briefbuches, sei es in der Hand der Stagel oder einer Gesinnungsgenossin (vgl. 113,24 ff",), xistiert haben, das erhalten blieb. Völlige Aufhellung des Rätsels vird uns wohl nie gelingen.

0 Vgl. die vorige Äntn. Warum im Kl Bfb von Nr. JT— VI eine andere Ordnung beliebt ist, ist leicht ersichtlich. Kr war dem Lehrzweck angemeesen, gleichartiges zusammenzustellen: Br. 1 V behandeln geioissermassen die Anfangs- gründe des geistlichen Lehens. Das Wort ..alle'' im Prolog (4,19) ist nicht n^ pressen ; es wäre auch kaum möglich gewesen, dass Elsbeth alle, möglicherweise ceit zerstreuten Briefe Seuses in Abschriften zusammenbrachte. Dass uns nu^ in „Bruchstück'' (Denifle, Seuse XXVIII) der Sammlung erhalten sei, i^^ laraus aber nicht zu folgern (vgl, auch Preger II, 333), Die in die Yit^ ^erarbeiteten Briefe sind selbstverständlich nicht in die Stagelsche SamnUut^ lufgenommen worden : dafür tvaren manche von ihnen nicht geeignet und ^-^ nusste genügen, sie auf jene Weise ror dem Verlorengehen gu befvahren. 1)09^ Hr. XX Ännuntiate in allen Hss. des GrBfb unvollständig ist, dürftt ledigUc^ Schuld der Abschreiber sein, die den Schluss, weil völlig gleichlautend mit d$s^ Kl Bfb, wegliessen.

*) Zfdn XX, 370 f. 379 ;\Mystik II, 332 f.

•) iSo Denifle, Zfda XXI, 93. Ganz verkehrt ist es zu sagen, d^^ Erwcihnung des ..neuen" Bfb setze voraus, dass ein „altes"^ existierte und iannt war (Preger, Zfda XX, 369 A. 1: Mystik II, 333). .yNeW heisst loch nur mit Bäcksicht auf seine Entstehung aus Stagels Sammlung, von d^^ "ieuse dreimal ei-täklt.

DsK UandDchrifteuTui'UMüiiti. AiL uuJ \Vt.'ise dieser Aus^julie. 43^

Wag dag Handschrifttnverhältni» in bezug auf das tr Bfb betrifft, »o ist es nicht leicht, ein klares Bild hiereon und hte »icherr Grundiaije fär die TextgesUdtung zu yemnneii, und dies tsbeaondere deshalb, weil fast bei jedem Brief die Zahl der ihn iberlieffrnden IIss. sich ander.i zusammensetzt und weil es nn einer •ntUeh fährenden Ha. fehlt. Sämtliche Texteszeugen sind com AreketypuK schon ziemlich weit entfernt, und heiner derselben ist frei I zahlreichen Verde rbiu'fisen and Auslassungen. Verh^tnissmässig «m beste» ist z, dann folgen b u»k/ s, hierauf chßü, Ods^; recht »ehlfchlett Text haben mK, g zeigt viele starke Eingriffe des Schreibers, Und n ift icegen seiner zahlreichen Erweiterungen und Streichungen tktr eine Umarbeitung als Abschrift zu nennen. Nach dem Gesagten ist auch der kritische H'ert der einzelnen Hss. zu bemessen. Kine ftmigsf Sicherheit für richtige Lesart gibt dan Zusammentreffen von t und b. Verwandt sind folgende Hss.: b und C, b und c,.b und s, i md U ; d und s; g und n; h und R, h und s; m und N, n und z; »nd»'; Oundz; bhs, bhBs, bmN, dmN, hmN, hBs. hlts\ hRss\ JHz. Die Variatiten sind bei Brief 1 und III fast voüstätuiig an- f^hen, bei II die meisten, von IV an musste mit Biicksicht auf itH üaum eine bedeutende Einschränkung eintreten, indem nur mehr die wichtigeren, für die Textgeschickte bedeutsamen Abweichungen mtiert wurden.

In sprachlicher Hinsicht ist z zugrunde gelegt, weil diese Hs. irmöge ihres Alters und ihrer Mundart dem Original am nächsten B dürfte; doch nind nicht alle Inkonsequenzen der Schreibung ^tixch kopiert, für das und dz ist stets daz geschrieben und «ei«Ae/i waz ( Belat.) und was ( Verb.) unterschieden. Bei den Britfen, welche in z nicht stehen, ist s bevorzugt unter Berücksichtigung «n h und U. bei Br. XXIII b und bei XXVII s\

IT. Die Predigtet! und <Ias Miunebiichlein.

l. Die Überlieferung der ersten Predigt (Lectulue) ist keine te^mders gute; auch die relativ beste Hs. b', welche zur Grund- logt genommen ist, hat nicht wenig Fehler. Als zusammengehörig tnnii-m sich namentlich b und b'', ä* und s, b a7id C, b und c, C und i: g und *, n' K»rf s, ferner bCc. bb'C, gnh. g zeigt he- gegen Schluss starke Kürzung. Von den Varianten sind die wichtigsten verzeichnet.

4

44* Einleitung. I. Die Cberlieferung.

2, Bei der Predigt Miserunt wie bei den beiden folgenden ist wegen d^s unzulätiglichen Materials nicht immer ein sicherer Text zu erzielen. Für die ersfere ist in sjyrachlicher Hinsicht die mittel- fränkische (hessische) Hs, g^ benutzt, die aber in sachlicher Beziehung wegen ihrer zahlreichen Interpolationen weniger Vertrauen verdient, Sie ist zu verbessern durch b^, und namentlich durch die Gruppe b^r. Für die Predigt Exivi stapid nur d^r schlechte Abdruck in der Tauler- ausgäbe von 1543 zur Verfügung, d^r hier mit einigen Konjekturen und mit Ausgleichung und Reduzierung der inkonsequenten und ver- wilderten Schreibungen iviedergegeben ist; vgl. jedoch oben S. 28* f. Für die vierte Predigt haben wir eine ältere Hs, nieder rheinischen Dialekts, die aber d/is hochdeutsche Original noch stellenweise durchblicken lässt, und den Taulerdruck. Über den Zusatz in letzterem vgl. die Bemerkung S. 536,

3. Das Minnebüchlei.n ist bis jetzt nur in z gefunden worden, wornach es schon Preger 1896 edierte (s. S, 537). Für den mitunter mangelhaften Text hat der erste Herausgeber wenig getan, es ist hier durch vorsichtige Konjektur an einigen Stellen eine Besserung versucht worden. Ausserdem ist der Text nicht wie bei Preger diplomatisch genau abgedruckt^ sondern wie beim Gr Bfb leicht retouchiert. Dass die in Pregers Edition 466 71 angehängten (iebete nicht von Sewie stammen, wird später gezeigt werden,

y. Bemerkungen zur Orthographie des Textes^).

Der Einheitlichkeit halber, und zugleich, um diese Ausgabe für philologische Zwecke möglichst brauchbar zu machen, ist beim Exemplar die Schreibart der vorzüglichen Hs. A, obwohl sie sich nicht immer konsequent bleibt'^), möglichst beibehalten worden. Wo geändert ist, sei es um das V'eratändnis zu erleichtern'^) oder weil ein offenbarer Schreibfehler oder eine falsche Lesart vorliegt, wird die Lesart von A

') Dir folgenden (irundsätte sind tunlichst mit den mn der ^deutschen K ommiHHion** dtr Kgl. Freuasisdun Akadnnie der Wissenschaften für die Her- ausgabe der „deutschen Ttxte des Mitt .lalters^ aufgestellten in Übereinstimmung gebracht worden. Vgl. Heft 1 der „7'ex/t": Friedrich von Schwaben, hrsg. von Jellinek Umj4 S. VL

') Anmentlich in der Anwendung von s, ss^ z, zz harscht starkes Schwanken. Heim Text des lidew zeigen sich sowohl bei Vokalen (z. /A o, oi), als hei Kon- sonanten ( htiujigere Dopplung!) Abweichungen gegen früher,

•') Aus diesem Grund ist in einigen wenigen Fdllm waz (Verb,) in was geändirt, wo es nahe mit waz [Helat.) zusammensteht.

Bilder und Sprüche des Exemplars. Seuses Verhftltnig zur Kuust. 45*

hn Variantenapparat verzeichiet. Von der Regel etner genauen

Wiedergabe von A ist jedoch femer in folgenden Fällen abgewichen

worden: statt der Schreibung e, welche die Hs. bis auf einigemal

festhält, ist stets ö gesetzt; u und v, i undj sind nach dem Lautwert

verteät; Abbreviaturen^) sind aufgelöst, Eigennamen gross geschrieben

und unllkürliche Grossschreibungen bei anderen Wortern beseitigt,

Worttrennung und -Zusammensetzung sowie Interpunktion nach

modemer W^eise geregelt. Bei der Ansetzung neuer Abschnitte habe

ich mich möglichst an die § Zeichen in A gehalten, jedoch öfters auch

nach Denißes Vorbild bei längeren Auslassungen Unterabteilungen

gemacht. In Sperrdruck ist gegeben, was in der Hs. rot geschrieben

oder unterstrichen ist. Zu bemerken ist noch, dass zwischen ü und ü

in A nicht immer mit Sicherheit unterschieden werden kann; es ist

m diesen Fällen die nach der Analogie wahrscheinlichere Lesart

^twäUt.

Vorstehende Grundsätze sind im wesentlichen auch bei den nicht im Exemplar stehenden Schriften in Anwendung gebracht worden, jedoch mit etwas mehr Freiheit in bezug auf Beseitigung inkonse- JM^wfer Schreibungen. Das einzelne ist schon unter III und IV gesagt.

C. Bilder und Sprüche des Exemplars. Seuses Verhältnis zur Kunst.

Aus Aiüass der Redaktion des Exemplars hat Seuse dasselbe '"'^ Bildern und Sprüchen ausgestattet, icelche den Zweck habeti, •»POrt dieser falschen niederziehenden Welt wieder auf zu dem minnlg- ^^^^m Gott reizlich zu ziehen^ (4,27 f), Sie sollen den Eindruck der ''or/^ verstärken, das Unsichtbare und Unaussprechliche, soweit es möglich istj der Anschauung und dem Verständnis naherncken (vgl, ^^^M). Nicht als ob Seuse die mystische Spekulation selbst in Linien ^i^d Farben hätte bannen wollen „wie kann man bildloses bilden?'" f^ägt er selbst (191,6), und erklärt seine „entworfetien Bilder*" und "^bildeten Worte*^ der blossen Wahrheit ferner und ungleicher, als «» schwarzer Mohr der schonen Sonne ist (193,32 f), sondern *^ stellen teils die mystischen Erlebnisse in symbolischer Weise dar,

0 xpa ist in Crisius, Jhs in Jesua aufgelöst, wie die Hs. auch manch- ^ ausführlich schreibt.

4ö* Einleitung. I. Die Überlieferang*.

teils halten sie die in dsr Beschauung gezeigten Phantasiebilder fest. Eine Ausnahme macht nur das elfte Bild, welches, auf Bitten der St<igel wohl schon früher entworfen (190,27 ff.), den Ausgang der vemiinftigen Kreaturen aus Gott und ihren Wiedereingang in Ober" aus sinnreicher Weise veranschaulicht , und von Seme selbst im 53, Kapitel der Vita erklärt wird.

Der Entwurf der Bilder und allem nctch auch die Ausführung stammt von dem Autor selbst, denn sie sind von höchst origineller Erfindung und ganz organisch aus den Einzelheiten des Textes, den sie illustrieren, hervorgewachsen, tragen auch in allem den Stempd seiner reichen und edlen Phanta^ne.

Bilderhandschriften des Exemplars sind uns in AKEWB\ teilweise auch in P, erhalten^), wozu noch die Druckausgaben v<m 1482 und 1512 kommen. Die Ausführung der Bilder im einzelnen zeigt entsprechend der mehr oder minder grosseti Gewandtheit und Sorgfalt der Illuminatoren manche Unterschiede, wenn auch der Uaupf-charakter der Komposition gewahrt bleibt; von den beigeg^nen Sprüchen fehlt i7i den jüngeren Hss, ein Teü (namentlich die laiei' nischen), noch mehr in den Drucken. In der vorliegenden Ausgabe sind aus den vier Haupthss. AKRW die bezeichnendsten Bilder a^ gewählt und nachgebildet'^); alle aus der ältesten Hs. A zu nehmen ging nicht an, weil hier verschiedene Bilder sehr roh ausgeführt und mangelhaft erhalten sind. Die folgende Beschreibung und H^iedef' gäbe der Sprüche besieht sich jedoch zunächst auf Hs. A *), wo das Ot> ginal Seuses wohl am treuesten wiedergegeben ist; die wichtigeren ' Abweichungen von K und den anderen Manuskripten sind verzeichnet, ebenso die bedeutsameren Varianten zu den Sprüchen. Übrigens ist bei den letzteren in A der Text vorzüglich und nur an ganz wenigen Stellen zu verbessern.

1. Bild (Abb.l S. 2 nach K) in A Bl. 1" vor dem Prolog. Oben üteht: Disü bild bewisent der''^ Ewigen wisbeit mit der sele geisch-

«) die K

^) Denifle kannte davon nur K und B; er gibt in seiner Ausgabe jwctüe genaue Beschreibung der Bilder und Sprüche erster er Hs. Beprodueiert sind bis jetzt von den Bildern der Hss. nur Nr. 11 nach K bei Denifle^ Nr. 1 nach Bbei A. Salz er, Geschichte der deutschen Literatur 1904 ff., Beilage 61m

*) Durch ein Versehen ist bei einem Teil leider ein zu kleiner MaesMäk^ genommen worden, so dass die Details nicht alle leicht erkennbar sind.

^) Div einzelnen Bilder sind in der Hs. von alter Hand mit Ziffer I- (Bild ö' und 0 sind als eines gerechnet) numeriert.

Bilder uiid .'^prücbv des [■^vt^m^ltLr

i VerliSltnis znr Kmiet. 47*

getnalielscbaft") ( roll. Links David f nbt-r dir Mrejfent/pn \teM je ihr i\ame) mit folgenden Sprüchen: Iniciom sapiencie domini (Pt. 110,10; SimcA 1.10; vgl. Bdiw ■2H7,7i. Ein anvang etlicbn wisheit ist got flisecblich dieoen in vorchtlicher behilt- Techf.'' Salomoo: Der sunnen bild ist nit'') ho tin, siu vbertriffet l.rteriien seliin ( Weish, 7,29; vgl. 4(Hl.&f.). Unter David Die ige wislieit mit deu Spriicheit: läH, concupiecJs B&pienciam etc.') irach l,:iH) Kind mins, begerst du der getliclien wisheit, tto be- ll die tugent der gerelitikeil ; unter Salonioii Der diener der Ewigen BJieit, nrfjen dem «teht: hanc amari. Diz hau ich geminnet vnd gesftchet von minen jungen tagen vnd han mir si vserkorn ze einer*) mhel ( Weish. 8,3; vgl. 2iM,liff.). Unten links Job mit den 'orten: Sapiencia non iniienitur in terra suauiter uiuentiuni (Job i3f.). VVer Bincs libes mit Zartheit wil pflegen, der endarf sich Ewigen wisbeit minn') niemer angeuemen. Der weit ralnne B er lan, der die Ewigen wisbeit ze einem liep wil iiau; rechts illotilez: Sapientie est ordinäre (Aristot., Metaph. 1,2 Ö82al7f.). tr diser wisbeit wil pflegen, der eol ordnen alles sin leben (eyl. Wol. HIOJ. Hie einzelnen Personen tragen Spruchbänder, auf denen I deutuchen (nicht die lateinischen) Sprüche stehen. Die tmge tilhiit (mit Kiinigamfintel und Krone, die ii'eltsckeibe wit Sonne, hd und Sternen nuf der Bntut haltend, ogl. 103,17) und der Im«- (im Dominihnnerhabit, den Namen IHS auf der Brust, bart- ifeo ttet» in A.'J, ohne den Kram von Hosen, den er in K und )irägt) ■•'ind in ganzer Figur, die vier übrigen Personen im Brust- U; batid und Salomon tragen die Königskrone, Job und Arisfotelea itige Mütze. In KB^RWol steht die ewige Weisheit rechts, Seuse it, die Spruchbänder fehlen zum Teil, im übrigen xind die .ih- ickungen unbedeutend.

' 2.Bitd<Abb.2S.19nachW)inABl.i^\ Vorher. Mfht: Dis Vf/etA bilde bewi^et eins wolannahenden menschen raizzlich gesttche ^ getlicbem tröste (rot): nuf dem Bilde selbtt: Er hat mich vnd in miuneklicb vmbuangeii, dez stan tcb aller creaturen ledig vnd I mit in vnbehangen. Du" Bild stellt Seuse dm- über ihm b: der diener der Ewigen wisheit in sitzender Stellung, auf ■•» Schosse umarmen sich die ewige Weisheit in kleiner Figur und i IHtfurs Seele, die nach mittelalterlicher Art als nacktes Kind

■) i^eraalielichAfft mit der gel goistlicheu B'Il '•) nil frhli B' W -■) cW. Hl KU ■') aiaem K meiucm fi> ') minii fthh KR

48* Einleitunjf. I. Die Oberlieferang.

abyebildet ist,'^) Hechts und links stehen zwei Engel (in W einet' rechts und fünf kleinere oben, s. Bild), die auf den Di hinzeigen; in K tichweben sie in der Luft und haltete einen Kt von Hosen um Seuses Haupt.

3, Bild (Abb. 3 S. 52 nach W) in A Bl 22^ Oben steht: nagend bild meinet eins wolzftnemenden menschen f bigen dorpi ^rot). Das Bild stellt dar, ivie Maria, auf einer Bank sitzend, ias Kind Jesus dem knieenden Seuse (über ihm steht: der dien< 2r trägt von jetzt an den Rosenkranz, der sein. Haupt wie Heiligenschein umgibt) zu trinken geben, Rechts von den Figt ^teht: wer sin vichlichkeit mit strengen wirigen ^) f bangen hat bin geleit, dem wird von got erlobet sins libes pflegnAs in on lieber messikeit. In K ist das Bild durch eigene Zutaten des Mc '^gotischer Baldachin, prächtiger Thronsessel, reiche Gewänder, alli Hausgeräte mit realistischer Beobachtung dargestellt) verschöneri

4. Bild (Abb. 4 S. 65 nach A Bl. 28"), Doppelbild, vor . iteht: Dis nagende bilde mit dem reselohtem ringe betätet menge iden, in den ein warer gotesfr&nd mfiss beweret werden (r Oben Seuse (überschrieben: der diener) mit dem Kransse und ien roten Malzeic/ien an den Händen ufid Füssen (vgl. Erklärung 64,24 ff.) inmitten seiner Ordensbrüder (links und rn 'e drei Dominikaner), ein Engel ihn umarmend; links oben eine ien Wolken reichende Hand mit Kreuznimbus, die göttliche Vorsehi 'dextera Dei) bedeute}id% Unten Anna in nomvenartiger Kleide cnieend, mit einend Kreuzchen in der Hand, von einem Engd n )hen auf den Diener hingeunesen. In K steht das Bildchen 4nna vor dem andei*en.

o. Bild (Abb. 5 S. 129 nach K) in A Bl. 57r Oben : Diz nage jrbermklich bilde zeget den strengen vndergang etlicher vserwe fotes frönden *) (rot). Auf dem Bild selbst stehen folgende Spri Über deren Zuteilung zu den Figuren die Abbildufig zu vergleic at) : Liplichü ^biing dv tut wc, aber eines gelassen menschen vo ^ndergang tasentstunt me.

Wer in sinem bitern liden ane bimelscben trost och mAss laz ist grosse jamer vor allem**) pin.

") der diener fehlt KKW *) wirdigen B^W <?) der gawse Vorepi ehli K ^) aUer KPRW

^) Vgl. Krths, Die Mystik in Adelhausen (s. Änm. zu 113,14) 82. ^ Vgl F, X. Kraus, Gesch. d. christl. Kunst I (1895) 117 ff.

Bilder and Sprücbc dvn Ezemplarü.

s VerhälliiiK r,

Kuuat,

49*

, 6ot von himel der bat mich gelagseo, des lid ich Bwarlich") ||-alie maese.

Da bist wordeo ein äffe vnd ein tore, vnd an den eren Bwerzer B ein more.

I Ein beser lieger vnd ein falscher trieger von*) bilHcb liden |wan er bat es verBchuldct wol.

I Mit eeeicb vnd mit') gallen, wellen wir in trenken mit eehallen*'), U Einen hingeworfenn geheimen sol nieman klagen, wan sul in Lmtier lassen gnagen.

L Eilt ffietfich Bol man hin werfen den hundeu vf den mist, wan ■kIos vnd vnsuber ist; dz fQstüch eol sich uit weren, es sol sich E biUicb lan mennlich serzerren.

I In <ier Mitte links: frater eram leonum et socius strueionum '),

mmler Job (3o^9; vgl. Hör. 114): Min bröder waren mir grimm

■b vnd minO gesellen vngehiir») strussen. Das Bild stellt dar,

KjStuse von bdsen Geistern und durch Verleuniduitg dtr Menschen

Wiii^t wird. Er steht in d^r Mitte, die Kapuze bin über die Augen

igezögen und die Hände über dem Kopf zusammenschlagend,

\Geister in allerlei äpukgestoUnii (Affe, Habe, Schwein u. s.w.)

. und speien Feuer und Schwefel auf ihn, einer bedroht ihn

einem Bohrer (vgl. tl 1,14 ff.), ein anderer mit einem Pfeile

l^2f.); rechte oben befindet sich die verriegelte Himmelstür,

'TrosUosigkeit bedeutend, links in der Mitte ein mit spitzigen

H besckUigenes Krem (vgl. Kap. LG), auf dem der Name I H 8

tgraben ist und Don dem zwei Geissein mit je drei Zacken herab-

fm (43,4ff.); in K sitzt auf dem Kreuz noch eine Eule. Am

' dejt Dieners nagen und zerren allerlei Tiere: Hund, Löwe,

pw, Schlange, Skorpion. Rechts befinden sich mehrere Personen '):

'. Dominikanerinnen, von denen eine einen Kessel trägt und dem

r mit einem Schwamm Esaig reicht, ferner drei Männer fltomini-

; odtr ein Mönch und zwei Laien?); mehrere con den Personen

Im i»t( dem Finger auf Sevse. Unterhalb davon zwei Fiichse,

ll« kUinrg Tier zernagen, und ein Hund mit dem Fusstuch

Maid (58,6 f.).

H. Bild (Abb. <! S. 141 nach H) in A Bl. 62-. Vorher liest man:

•) WacA ««r&rlich iit vnd tum größten Teil htrausradirrl A *) von S ') mit/thU A -*) schal Ä acbaUe KP ') der tat. Spruch frUl EPS n ftkU A ») /ort gam inrgradiert A

') in K, Vit scheint, ncei Dominikanfr und drei Dominikanerinnen.

H. BtiKD, Dtntish* flobrirun. 4'

50* Einleitung. I. Die Überlieferung'.

Disv«) nagenden*) bild gebend ze vereten die tröstlichen vnderlibi, die got sinen lidern vnderwilent lat werden (rot). Maria mit Königsmantel und Krone auf dein Haupte, das Kind auf dem Arm, das eine Paternoster schiur oder einen Rosenkranz in der Hand hält in S hat Maria eine Rose erscheinen Seuse (überschrieben : der diener), der dakniet und die Arme ausbreitend zu Jesus spricht: Ach zartes herzentrat. Auch rechts herüber, teilweise noch über Maria stehl HERZTRUT. Links ein Engel stehend, in den Wolken ein weiterer kleiner Engel mit einer Harfe (in K zwei Engel mit kleiner Orgd und Psalterium),

7. Bild (Abb. 7 S. 147 mich K) in A BL 6'5^• ChriHus erscheint als gekreuzigter Seraph dem knieenden Seuse, über dem der dienert steht. Vorher die Horte: Diz nagend bild lert den menschen, wie er nuzzberlich sol liden (rot). Bei d^m oberen der drei Flügelpaan ; ist geschrieben : lern liden cristförmklich, beim mittleren : trag lidea '■ gedulteklich, beim untern : enpfah liden willeklich, zwischen Christia : und Seuse: Ach herr, 1er mich, dazach knnne liden nach dinem - aller liebsten willen. Das Kreuz ist in W und ol, wie in der spät' mittelalterlichen Kunst häufig, ein Rosenstrauch mit ausgebreiUiff^ Asten (vgl, auch Bild 12). Es ist nicht unmöglich, da^ss das Büi, welches den Grundgedanken der Mystik: die NachfoUße Christi synh bolisch zusammenfasst , von der Darstellung der Stigmatisation des hl. Franz von Assisi^) beeinflusst ist. Eine moderne Düsseldorfer Nachbildung (Stahlstich) s. bei Den ifle, Das geistliche Leben H880, Titelblatt,

H. u. .9. Bild (Abb. 8 S. 150 nach W, 9 S, 151 nach K) in A Bl. 67% zwei zusammengehörige Bilder: Seuse empfängt himmlische Tröstung und wird als geistlicher Ritter investiert. Vorher die Worte: Diz*) nagenden bild bewisent aller gotlidender menschen himelschen troet in zit vnd ir gross erc vnd loblich wirdekait, die su son besizen in in ewikait (rot). Auf dem oberen Bild Seuse (überschrieben: der dienen*), neben einem Stuhle stehend und von einem Engel umarmt, rechts ein kleinerer Engel auf einer Leiter mit einer Harfe (K: Hand-^ orgel), ferner zwei weitere mit Buch wmi Geige, ganz oben die ei€ig0

«) die K ^) radiert A n K fügt hinzu : der ewigen wiszhait '0 die K «) fehlt K

') Vgl, IL Thode, Franz von Assist und die Anfänge der Kunst diT* lienaissance in Itidim ^1904, 144 ff., der 10 italienische Darstellungen dM0 wunderbaren Vorganges aus dem 13. Jh, aufführt. Die spätere Kunst bis 160^ hält den durch Giotto (f ^337) gescfuiffenen Typus fest.

Bildor und Sprüche des KxempiarB. SeaHe» VerhUtniH zur Kuawl. 51*

Weisheit (Christus) mit Marin in Brmtbild. llW'X. wetic/ien in un- htdeulaiden Einzelheiten iib. Auf dem hildn die Sprüche: Der von der Ewigen wiBlieit pnd von dem") hsiligen engel''} ist vmlivangen, den mag enkein scbedlicb viigelück nieiner erlangen.

Mit himeUcher süzikeit, gütlicher wisheit vnd engelschlicher urtlieit ergezzet got bIo diener alier ire widerwertikeit. Auf dem liiiteren Bild rric/it Christus die ewige ileinheit (BriisthUd; in JJ' und H wird ein Engel daraus), von Wo/kennimöus umgehen, im knieenden Seuse (über ihm steht ivieder: der diener'') einen lütig. drei Engel bringen Schuhe, lütterkteiii, ('iirtel und eilte Krone, fKhts oben blasen zwei Engel die Posaune, ein dritter schlägt die Pauke. Unterhalb ein Schild mit Topfhelm; das Feld ist weiss inrf rot und mit einem Kranz von Boxen geziert, d-irüber ateht I H S '). JbcAte hieeon zwei Bitter auf Pferden mit einem Fähnlein, das in/ulU mit IBS gezeichnet ist, hinter ihnen ein Knappe, Dazu f^tSrtn die Sprüche: Ritterlichii klaid vnd ere son eweklich Ben, die sieh hie dur got lidens vnd midens nit land verdriessen. Wer sieb gütlicher ritterschaft nimet an, der aol in allem liden liiR mannes herz in vnverzagter wise han.

Um den Schild herum steht: Dz wies felil betütet'') luterkeit, In rot gedultekeit.

Garn unten am Band« ist in A notiert: äü obren bild hörend mit. l/arnach hätte der Illuminatot- die Bilder falsch gruppiert; I auch in den andern Hss. ist die Beiheufolge dieselbe. Zum fmtändnis des zweiten Bildes vgl. Kap. 2u und 44.

tu. Bild (Abb. 10 S. 154 nach K) in A Bl. t!8": Die Ewige wia- toil m königlicher Gestalt tnit Szepter (in K auch Reichsapfel) hält r dem weit auegebreiteten Mantel') eine Anzahl Personen: links if ( rAersckrieben : der diener), rechts seine geistliche Tochter,

•) den B'Ütr üj eugeln B'RW •:) fehlt K "i betlit«t fthU AP

") Phanlattüch i»l es, fi-tnn t. J. Mont auf Grund diente Bilde» Stune IMitmeieitr und Auktontäi in der Heraldik aiuiehl (Diäs.-Arehh von S [16931 ÖJ; XV [1807] 14i}). ^ Dae Bild seheinl bteii\ftusgt von der Idee and Darnttllung der Sehuti- ifi Maria (vgl. 317,14. 647,28 ff.), die gerade im 14. Jh. in Domini- tutn aufkam, ogt. IC. Krebe in „fVeibuiger Münnlerblätfer*' 1(1906), I, Gtteh. der ehrittl. Kuitet II, 1 (1897) 433/.; Paltttr f Gant im Einktang diimit sieht, data in A auf Bild 9 und 10 die ewige il in «•eAtieher Farm, liorllos und mit gelbem Hnar darnest l auf Bild in deutlich Maria daraus.

y

52* Einleituug. I. Die Überlieferung.

ü/ier der Elisabef) (rot) uteht, im iJoiiiinikatterirmenlmbit, auf gfnem Throne sil3eiid und von einem Engel gekrönt; neben ihr ein Bueh^)i Seme'^uiid Elsheth hallen einen Kram von Rosen, iimerhalh dessen IHS*) steht, rechts von ihnen sind ein Mönch und eine Nonne det Dominikanerordens, unterhalb eine bürgerlich yekleidete Frau mit zwei Mädchen (diese beiden fehlen in K) und drei Mäniur, icelcii sämtlich nach den von der Strigel ausgeteilten Namen IHS die Bänät ausstrecken. Links oben ein kleiner Kngel mit einrm Buch '), i noch einer rechts den Mantel haltend. In B^R Ha fehlen vemchiedeni Einzelheiten (Thron der Elsbeth, Kranz'lu. s. w.). Vor dem Bildt stehen die\Worte: Diz nagend bild z&iget, wie ein äberuollee her» gotee das selb ocli gern gemainsameti vil andren menschen (rot); auf demselben: In minen getlicben scbirm") wil ich eii nemen, die minen nameu JesDB in ir begtrd wen tragen,

11. Büd (Abb. 11 S. 195 nach A Bf. 82-), da" wichtigste von aäat% den mystischen ü'eg darstellend. Einleitend die Worte: Diso nageBd& bild bezeichuent der blossen gotheit iewesentheif*) in persenlicber driheit vnd aller oreatnren üb vnd wideringeflosBenbeit vnd zegent den ersten begin eins annabenden menschen vnd sinen ordenlichen durprucb dc2 sünemens vnd den allerhehsten vberswank Vberwesticher volkomenheit (rot). Linkv üben drei einander umschlirssende Ringt (vgl. l!)l,25f.) und eine Art Triptgchon mit der Überschrift: Dl» ist der ewigen gotheit wisloses Abgrunde, daz weder anrang li noch kein ende. .4ms der Einheit des göttlichen W'esfns geki^ die drei giittlichen Persmien hervor, in ganzer Gefiolt dargettd Unks Gott Vater bärtig, in der Mitte der hl. Geist mit d^ Taubtf die anderen Per.?onen umfassend als die Liebe, die aus beiden t geht, rechts der Sohn gesenkten Blickes, womit d^s Leiden nnged* ist. Dazu die. Worte: Diz ist der persnncn driheit in wesenlichc einikeit, von dem erielanr gelob seit. Als erstes geschöpßieh W^ese» folgt der Engel: Disfi figur ist der ussfluzz engelscblicbei natur; daneben ein Dämon, abwärts schiessend, weichet- den Engels- sture symbolisiert. Darauf als zweites Gi'schiipf der Mensch

--I') fehlt K '\ »chrin A •') getrennt gtechriebtn K, ic frhit B'

') Bedeutet offenbar di> von ihr gemachte Sammlung der Tüseer V'ilen Vgl. 97,Sff.

) Üidtuitt wohl StMts Scimfitn; vgl. 394,S3. ') Abbildung ?Mch K bei Dmijte 302.

Bilder und Sprüche des Esemplara, Seuaee Verblihnia /

53«

lengeaialt^) : Diz ist men»cb1icbü geecbaffenlieit gebildet nach fifcr §ntbeit. Jetsi »cheiden sich die Wege: die einen wenden nick zu der Luxt der Welt und. gehen mit ihr zugrunde, daher rechts mäeii ein Innzendes Liebespaar (ein Ritter mit dem Schwert um- jirtet hält eine modisch gekleidete Frnu an der Hand; in K Jüng- i\iuj und Mädchen), über welchem steht: Diz") ist der weit minne, d* Dimt mit jamer ein ende, und hinter ihnen der Tod in teiif- tiicher Frntse mit der SeiMf ") (über ihm steht: Üiz ist der t3t'), A"e anderen kehren sich zu Gott und gelangen auf dem Wege der Reinigntig, Erleuchtung und Einigung zur höchsten VoUkommen- luil. Deshalb die mit einer Kette gefesselte (versinnbildet Bezähmung iiT Leidenschaften), knieende Nonne mit demSpruch: Minen') ker iit IT got netnen, wan diz ist gav ein kurtzes leben, und die daneben grosser Figur, die von Pfeilen und Schceiiern eerwundet, Schlange und Skorpion (in K auch von ein^n Hunde) bedrängt, d*r Betrachtung des Leidens Christi hingibt; sie hält mit der Hand ein grosses Kruzifixbitd und spricht: Ach lÖg, wie mäs sterben vnd mit Cristns gecrntzget werden! Durch Meiden Leideil kommt die Seele zur rechten (Jelassenheit, dargestellt ein« weibliche Gestalt, welche mit herabgesunkenem Haupte, iloasenifn Augen und schlaffen Armen in einem hohen Lehnstuhl ') und SU der die Worte gehfiren: Gelassenheit mich heroben »ü, wa min'') ie waz ze vil. Der Weg führt weiter über das schon mtiknie Krusifixbild zu einer Halbfigur , ebenfalls wie fchlafend und mit ienbhängenden Armen dai-gestellt. welche den Zustotid der Besc hauung tminnhildet: Die sinne Bint mir entwürcket, die hoben kreft sint »benrtrket. Die folgenden Bildchen stellen die mijstische Vereinigung ifu: a) die Seele im Schosse der Gottheit: Hie ist der geist in gnwangcn vnd wirt in der driheit der personen funden; b) in der UcAjte» Beschauung, in den Abgrund des göttlichen Wenens starrend vAdoch tne in einem „Ausschlag" (vgl. 193,10. 189,13): Ich hin

ÜMn K »1 bloeg der tod B'KItW <■) Einen B'i( ''i miniie /•

9' Keb N imin ül Genet.^des Mtinigm)

■t Bcnc. alg Nunnt dnrgtslellt, iiahl deshalb, Keil dm Bild auf BilUn

'jd, aUo zunächst für Nonnen, entKor/cn vurdc.

■) IM* Darstrilimg iM ritJleieht von einem Bilde der Tott>Uamet/Ut '. dtrt» Eitttiekiittg man geieöhnlich mit der grossen Pexl den 14. Jh, in Zatavtmenliang bringt: rgl. Kraus II, I, 44bjf'.

^ Bei diner und der fotgmden iSgur ist in K und noch mehr in ander dk Pointe tiemlieh ceridicM, rj!. das Bild'hH Dfnifle.

J

54* Einleitung. I. Die Überlieferang'.

in got vergangen, nieman kan mich hie") erlangen (cgL Gr Bfb478/L c) nla letztes Ziel: „des Geistes Überfahrt^^ (193,11), wo in C der Beyinn und das Ende eins wird: In dem inschlag ban ich a ding vergessen; wan es ist grundlous vnd vngemessen.

Das ganze figurenreiche Bild, dessen kurze Erklärung St selbst gibt (191,30 ff.), veranschaulicht somit geschickt den We\ gang der Mystik im einzelnen Individuum; der Weg ist durch i kräftige rote Linie, welche die Figuren verbindet und jeweils in Gegend des Herzens in ein Ringlein (der „Seelengrund^^, vgl, 192,4 einmündet, bezeichnet. Aber nur in A ist der Entwurf noch l und scharf erhalten, schon K und noch mehr spätere Hss, ha wesentliche Bestandteile weggelassen *); in den Holzschnitten der bei Drucke ist die Bedeutung der Figuren und Spräche kaum mehr enträtseln.

12. Bild (Abb. 12 S. 255 nach A Bl. 109''), Einziges zum Ä gehöriges Bild, eigentlich eine Verbindung zweier Bilder, die in d^nn auch getrennt sind. Einleitend die Worte: üiz nagenden bi meinent ein süsses traten mit himelschen worten aller tmrigen hei (rot). Oben Christus am Kreuz, dessen Fuss ein Rosenbaum < s^priesst; oberhalb des linken Querbalkens ein geflügelter bärtiger Ki wohl Gott Vater darstellend (in K deutlich ein Engelskopf). Li unten steht (in K kniet) Seuse (überschrieben: der diener*); rti auf dem Baum das Kind Jesus, Rosen auf den Diener werj (vgl. 102,18 ff.). Dazu die Verse:

Alles liden wenden tfit^ der Jesus treit in sinem mAt.

Kosen wil ich brechen^ vnd vf liden trecben.

Jesas min herz verwandet hat, gezeichenf) da min Jesas sti

Zum unteren Bild zwei Engel mit Spruchband : Wer sui lieb von got wil han, der sol in lait von billich stan. Lidens er tragen vil, der gottes früntschaft haben wil. Es ist Christus Schmerzensmann^ dargestellt, neben der Geisselsäule stehend ( 198,24 ff. und Amn. ebd.); Seuse (überschrieben: der diener**), einer Bank sit-zend, berührt mit der Rechten die Wunden Ch

«) hie fehlt KW t) u. d) fehlt K ^^ bezaichnet K

'; So fehlt in W der Engehsturz, die J'lgareit stehen sehr dicht einander^ die Linie if<t verwirrt und seihst unterbrochen: ähnlich auch in B^ ui

■) Diese drei Verse hat Stuse wohl aus den Sprüchen der Stagel \ nommen, vgl 39b,Uf. 8 f. 401^3 f.

=h Ein in der mittelaUerliche.H Kunst häufiges Motiv, vgl. Kraus t, 306 f; Peltzer 16:? ff.

Bflder iind Sprüche des Exemplar». Scuscs Verhältnis zur Kunst. 55*

(tgi 199,8) und greift mit der Linken in ein P salter ixim (vgl. 250,18 AHm,)f dcts ihm ein Engel übergeben, Rechts sitzen zwei weibliche Personen (eine dopon Nonne ?), über denen steht: Daz sint zwei lidendü menschen (vgl 253,19, 198,17 f.). Das obere Bild ist in W und in den beiden Drucken etwas abgeändert schon beim Schluss von Kap, 34 der Vita, dm bei der dctzugehörigen Erzählung gegeben.

Ausser den bisher beschriebenen zwölf grosseren Bildern finden nch in mehreren Hss., namentlich in den älteren und teilweise auch in den Drucken, noch einige kleinere, meist als Initialenverzierungen. Es ist zu vefynuten, d(fss auch diese auf Seuses Hand zurückgehen. Bei Beginn des Prologs zum Exemplar (3,2) eine schöne gemalte Initiale I und in dieser zwei Engel mit Wappenschild, auf dem IHS ikk (AKB^Wol), ähnlich wie auf dem 9. Bild; beim Anfang der Vita (7,2) eine Initiale E mit Brustbild Seuses, betend und um das üaupt den Rosenkranz (AK, in W einfacher); zu 17,5 der Name IHS mit Goldfarbe gemalt (AB' KR); 96,5 Initiale C mit Pelikan die Jungen nährend (AK), vgl. 99,2 ff. ; 155,14 bei Beginn des 'f^kulaUvef^ Teils der Vita ein Adler mit ausgespannten Flfigeln in itr Initiale S (AKol); 196,2 bei Anfang des Bdew der Name IHS und Brustbild Seuses (wie oben) in der Initiale E (AKW; in a l)(irAtellung der Verkündigmuj Maria); 200,14 Initiale H mit einer nackten menschlichen Figur = die Seele (A); 326,4 (Bdw) Initiale E rot und blau (A W ; in K wie bei 196,2, in W und ol Bild der Ver- sündigung Maria); 360,2 und 10 (Bfb) je eine farbige Initiale ('iKW; in B und TL Bild des Dieners mit Buch und Abtsstab (!)). Mimrdem haben W und die beiden Drucke zum Schluss des 34. Kapitels fkr Vita ein kleines Bild: Anna in der Burg betoid (vgl. Anm, *•« m,2).

Was das Technische und Künstlerische der Bilder anlangt, so ^^d sie in AB^PRW in der bei der deutschen Buchmalerei des au^^- 9(kenden Mittelalters so beliebten laviert4in Federzeichnung^) ausgeführtj ^fi roh und unbeholfen^ sehr mangelhaft in Perspektive und Anatomie, '^^r doch flott im Vortrag, naiv und treuherzig, von bemerkenswerter

I *) Vgl. darüber Janitschek, Geschichte der deutschen Mahrei 1890,

^^^S-; R. Kautesch, Einleitende Erörterungen zu einer Geschichte der ^*^chen Uandschrifienillustration im sp^i leren Mitt einher 1694: Klein- *«*»iid<, Zur süddeutschen Buchmalerei ds späten n Mittelalters^ in der ^^mmhrift: ,JHe christliche Kunst' IT (190516) 2Mfff. 269 fi.

5G* EinleituiiK- I. Die Überliefern ng.

Gewandtheit im Ausdruclc der Seelenstimmungen und in der Gharakieri siervuij der Personen. Zur richtigen BeuritHltmg ist wichtig, im Äugt zu behalten, daas die Bilder nicht Srifistzireck sind, sondern dem Bestreben dienen , sum Wort die Illustration zu liefern. Im einzelnen sind manche Unterschiede zwischen den verschiedenen Hut. Am nächsten steht dem Original A, in welcher Hs. die Bilder noch am meisten archaistisch sind ; die Farbe ist sehr matt und unschön, Teilt der Zeichnung sind mitunter selbst unkoloriert gelassen. Stäkritisei betrachtet stellen sich die Darstellungen irohl am nächsten zu der ta 1350 zu Konstanz entstandenen „Armenbibel"*). R und H' ver- einfachen das Detail, geben den Gestalten mehr Rundung and Fiill^ nnd wirken kräftiger durch lebhafte Kolorierung. Ähnlich ist auch bei den bemalten Holzschnitten des ersteht Druckes ") (Av^thurti Anton Sorg J482); die des zweiten Druckes (Augsburg, Hans Othmar 1512) sind zwar sacklich dieselben, haben aber künstlerisch rid ge* Wonnen : sie sind in den mittlerweile aufgekommenen neuen Stil ifflt^ gearbeitet und kÜnnen daher der Bemalung entbehren. R. Muth< meint, es lasse sich fast mit Sicherheit sageji , dass der KünstUfi welcher die Umarbeitung vornahm, Hans Burgkmair war.

Eine besondere Stellung nimmt K ein (vgl. oben S. 5*y.y, W woU von einem Berufsschreiber und -Illuminator*) hergestellte Prachtht bringt die Bilder noch mehr miniaturenartig und unter Benützm, der älteren Manier der Deckmalerei, in kräftigen, leuchtenden FaiiH (viel Gold). Hier allein nwcht sich auch die realistische RichUW{ die in der ersten Hälfte des 15. Jh. in der Buchmalerei Oberdeuti^ lands sich regt und zum Durchbruch gelangt, in etu-a geltend, s. B. beim dritten Bild (s. o. S, 48'), ferner in dem zierlichen Rankem

'} Hrtg. von Laib und Sehwart 1867, ''iSSÜ. Zur richtigen Dati rang vgl. Sehr eibert Einleitung eu F. Htile, Btblia pauperum ISOH, 39,!tl

») Vgl H. Malker, Die deuUche SUcheriüustration der GolMk i iyahrenaüsnnce 1887 I. 31 Nr.lGS; II Tnfd 70 »nd 71 ( Reproduklien I. und 10. Hilde»).

•) A. a. O. I, 166 Nr. tt83.

'I VermHtlirh i»t n drrsrtbe, der auch an der Ausachnnloknny der 1 Siedler Has. -JSS und 765 tätig war. Auf Bl. SO drr trsteren steht: Auno sd 1462 .Tohannes Salier presbiter me fecit, auf drvi ersten Blatt der htittrti 1483 heiiali me fecit. ^itileicht igt da- im Konslanger RaUlmch 1471 tw iiniitffn Malern und Goldtehntiedett eingetragene maieter Hans (Ph. Suppe. Komtamtr gMchickll. Beiträge II fWUO} t6:>,>. Ein bisehö/ticher JVo »omtnt Gehhard Saltler ist 148ä btteagt (J. Eisdriu, GmvMclitt nnd . sohrfibung van Koneiana 1851, 3S6i.

Bilder iiud Sprüche des ExeuijilaiB, SeuBe» VürlillMiia zur Kuiial. 57*

litr obtn erwtihntcn Initialen , besonders aber auf dem zugei/ebetien Vidmimgsbilt/e bl. 4 fein Engel, zwei Wappenschilder haltend, unten

tth und Hirsch, in den Ranken hübsche Dröleries). Die lüuatrierung von Seuses Sammelwerk eröffnet uns ehun ck auf ein interesnantes, noch nicht genügend erforschtes Gebiet: iit öeziehungen zwischen deutscher Mystik und deutscher Kunet'). Wenn Mgsttk und Kunst eerwandt sind, und sie sind lienn beide richten sich vorzugsweine an dasselbe Seelenvermögen, Phantasie, künstlerische Konzeption und visionäre Schauung gleichmässig innere Gestaltungskraft und eine ausgeprägte ividiKilität voraus, so teird eine gegenseitige Beeinflussung not- die Folge sein und auch bei Seuse ^ wird sich dies irgendwie \i^n lassen. Dnd in der Tat , wenn bei irgend einem der ;hen Mystiker, so bei ihm, dem phantnsieroUsten und poetischesten

') Di* neuttte SpeiiaHileratur : Ä. Peltier, DtuUche Myntik und dtut- UKunat 1899, und E. Hintee. Der ?:v\ßa»g der Mystiker auf die äU«e Maleraehule, Breelauer Disn. 1901 : der», in Wratdeutsche Ztitsehrifl 12 ff. (Besprechung vm Hchtiblfr-Äldtnhotc», OetchichU der Kölner Maltr- t 1902), befrirdigt icenig: ihrt Vtrfoistr ioMStn richtiges Verständnis der ^fiUk, wie Hberhaiipt historinche Schulung sehr vermiesen (vgl. Über Peltter tu Khar/t Urieil finkrs in Alemannia 19(11, 129; 1903, ZTBff.). Immer noch '"«ncerl igl das schöne Kapitel bri Schnaaae, GttcläehU der bildenden i'toil« IIB Mitlelaller VI (1S61) 27—60. In der imitrilimm Fragr, ob die <i(illufrrundt (auch Srvst.') auf die Kölner MalereehuU (Wilhelm von Herle, I Wjmrich u. a.) an der Wende des 14. Jh. einen Einfluai ausgeilht, I die Bemerkungen von Kraus II, 1,360 f. wohl da» richtige treffen 3tSff, ist die Sache sehr übertrieben). Wie alle grossen EreehHnungen K Oibiete dee religiösen Lebens hat sicher auch die milltlallsrliche Mystik, I die edelsten in ihren Bann eng und ihre Empfinduagewelt be- ^idenden Kunst Anregungen gegeben, die allerdingt oft mehr nach- I tlatittisch aitfzutOhlen sind. J-'iir Matthias GrUnw^ald hat den ' mystischen Ideen jüngst in muslrrhqfter Weise Er. Schneider l. tur Aügem. Zeitung 19l>i Nr. :1S4 und 336 naehgemiesen (die knieende Wkengestatt auf dem Isenheimrr Allarwerk ist nicht Maria in Juxtaposition, h Pütter 64,174 noch annimmt, sondern Personifikation der „minnenden

* alt Braut Christi). ') Sieht die eingthendm, aber nicht immei' ilberzrugenden Amffühntngtn

r oaff., Rintee ISff.Sftf. Vglaueh Kraus II, 1 439: ..Was

man aUe* für dir Anschauung der Zeit und der Kilnutlej- aus Heinrich "vWnm,"-

J

58* Eiuli'iluiife-, I. lÜL' OlurliBfeiiiiig.

unter ihnen. Smtse toar eine kiinsUensch empßndtndi' Nntur. SA reichbegahter, für alles Schöne so emi>J'äiit/licher Geint fiegnügl ^ nicht mit nebelhaften Phantasieyebilden , er atelll sowohl das in ^ Verzückung Gesc/imite wie die innig meditierten Begebenheiien d Ueilsgeschichte, besonders des Leidens Christi, plastisch greifbar unsere Augen; mitunier „glaubt man geradezu Beschreibungen e Gemälden zu lesen" *). Ebenso spricht sich seine malerische Begabu in der Freude an bildlichen Üaratelhoigen aus. Seiner Andacht K er „in bildreicher IVeisc' (103,15) genugtun: schon in der Jugti lässt er die ewige Weisheit in minniglicher Gestalt^) auf Pergnmi malen und nimmt das Bild mit auf die hohe Schule, um es tägU anzusehen (l(l3,lGff.), veranlasat die Ausstattung seiner Kapelle i Bildern und Sprächen der Alträter (f>0,12,ff.. 104,1 ff.) und andet andächtigen Materien (Name Jesu, liosenbavm des zeitlichen Leidi und Baum der welllichen und göttlichen Minne, vgl. 39ti,21ff.}, w sendet eine Kopie der erstgenannten an Elsbeth Stagel (107,lj Er kennt genau ilte Einzelheiten der künstlerischen Technik M redet gerne davon (00,16. (14,11 f. 333,17 f.; Hör. 00, 150), schÜSi die Himmelswonne mit dem Brunnen des Lebens^) und den einzeh Chören der Heiligen (242,3 ff., 243,24 ff.), den Etigelatam (21,G^ die Madonna mit dem Kinde (267.14ff., vgl. 15,lOff.; Hör. U in so lebhaften Farben und mit soviel Anmut und Holdseligkeit, <i man meinen könnte, er habe Bilikr der alten Kölner oder ßämiad Malerschule oder der Sienesen und Florentiner des 14. und 15, ^ namentlich seiites Ordensgmossen Fra AngeUco da Fiesole'), ■■ Augen gehabt. Das Leiden Christi stellt er, Kapitelssnal, Kreuzg\ und Chor der Kirche seines Klosters zur via dolornsa machend i die einzelnen Stationen des Leidenstcege^ in Betrachtung miterl^ in so dramatischer Lebendigkeit sich und uns vor, dass man Fug bei ihm die Idre der Kreuzwege, deren Darstellung dock i

') Strauch in AUff. dUch. Bioijr. H7.176.

') Wohl ffans ähnlich icie «uf Bild 1 t». ". S. 4T*i.

•) Vgl datu auch die Vinon da- Brli con I.iehenbtrij zu T6k*, Vitm 3U

') Der Vergleich Angtlkoa mit S»use lifgt naht, vgl. Itenifte XIF, Über den „mj/etiichen Maler" par t-xctUenee handeil auegittiebnel Sehrdr ZtiUchrift für chrigtl. Kuunt 189S, 193 ff. u. B, Vgl das Urltü M»«ch\ in Stimmm aus Maria Lanch ISffT I, 40H: „Aiigdicos WtrU sind die hOl m^MiiiKhc Po*sie der Farbig, wie dit .Sehrt/Ieu Sunn» und riiiAi.w die Mjf dtl Gemütes xind."

I BilUer uad Sprticlio de» Eitunplars. StiusM Vtriiältnia zur Kuust. 59*

nd. Jh. auftaurht, vorgebildet sehen dnrf^). Endlklt lint er, MM kümstlerixchen Drantje folgend nach dem Vorbilde früherer (»(•Apr^ aeim Schriften treibst mit BU^^ern mtsyentnttet, die, weim \^ituch in fielem mit dem Apparat herkömmltc/ier Anschauungen itüen find eich mitnnter wohl auch direkt an Vorbilder anlehnen^ {A als Games für originelle Schöpfungen gelten dürfen.

Ein persönliches Verhältnis Seuses zt>r Kunst ist somit un-

'itbnr. Nichl ebenso leicht ist die Frage zu beantworten, üb er

\cHd riner Weise auf die Kunstübung seiner und der folgetiden

tini)twirkt hat. Es ist bereits su denSprüchen H98,10f darauf

iteiesen worden, dass zahlreiche in der ehemaligen Dominikaner-

zu Konstanz, dem Jitzigen Inselhotel, aufgefundene Fresken

14. Jh., Martyrien darstellend und die Hand eines tüchtigen

verratend % neuerdings in Beziehung zu Seuse gebracht

fdeu sind. Vielleicht mit einigein Recht; aber beueinen läast sich

r freilich nichts, und Jedenfalls ist Sense nicht selbst dabei als

'SbendtT Künstler tätig zu denken, wie Peltzer^) annehmen mischte.

meowenig werden wir ettras darüber ausmachen können, ob sein

Irt oder Beispiel für die Kunstpflege in den mystischen JJwnini-

itrintienkH/Ktern AUmannietiS, wie sie für Unterlinden, KUngenttd.

[ 'i Viii Pttiter S4ff., im einttlum itohl Su irtit gehctiä. I>if eiste Ei-- mm»g dtt Krmticege tcheinl bei dem Dominibantr Alvaras von Gordiwa h*30 ndtr 1430») tu sein (vgl. Katholik 1895 I, S2H; ThuratoH, The IMdm ii/ the Croae, London 1906). Sehr wahrtcHeitdich sind die Kreuurrge flhur Verbindung von bibli»ehen fasttinnsetenen mit VorwOrfen der mytli- Ir Kontemplatiim entetandm (Kraus II, 1,30S).

L *] So uigtn namentlich iwei Wienbadttitr und Heidtlbcrger Uta. in. XII m. XIII) de» Libtr Sctvioi der AI. Hildegard zahlreiche Miniaturen, meist PMm der Mystikerin darsteUeitd. Aunführliche Seschreibuag bei A. BOn ntlhäuaer, Bit Miniaturtn der Univeraitätabibliolhek zu Heiddbtrg I fo 75 f.: Pttizer 34 ff. febd. 41 f. über eint Sililer/u. der Werke Elisabeth» WSehönauK

, ') Bf mtlire>'tn Sildern ist oben schnn darauf hingtvitaen morden (Mantel- wft Mari'l, der Tod und dn« tfinmnde Paar, Christus als gekreuzigter Seraph malt Schmtriensmann, das Krevi als Mosenbauvil.

k

') über ueilere Spuren von Wandgemälden in der Kirche (Kreutigungs- an drr nördlichen Leilnernische, teilweise erltalti^) und im Kreusgang M. Wingenroth in ZcHsehrift für Qeeehiclde des Oberrhevt» N. F. SO 433 ff. ') A. a. t>. 101.

60* EiulLituiig. 1. Die Übt-rlieferung.

1

Adethausen und itantentlich Töne bezogt ist^), non Bedtutumj Dagegen wird man den Anteil Semes an der Anregung und Bi fruchtung , welche die mittelalterliche Kunst durch die symboUsehH Vorgtelluttgen der Mystik"^ empfing, ziemlich hoch einschätzen dürft denn gerade er hat sie in so ungemein zaiier und poesievoUer Am ausgebildet und angewendet : ao die Vorstellung von der ewigen Weü heit, die bald auf Christus bald auf Gott Vater, in gewissem Shim auch auf Maria^) bezogen wird, eon der mitmenden Seele als Brat Christi, die Symbolik der Forben (besonders rot, grün, weiss, geü vgl. r,4,7. 199,2. 244,2 usw.), Blumen (Rosen *), Lilien, Veikhet vgl. 33.10 f., 59,8 ff., il4, 7 ff., 25 ff., 102,10 ff., 224,21 ff.) und Edei steine (242,8 f. 252,25. 271,20); auch die Übertragung hiiß»ch9 Anschauungen in das Religiöse, z. Ü. bei Schilderung des liinn (242,8ff. 432,26 f. 457,1 f.), und die sinnige Naturbetrachtung Mystikers ist in diesem Zusammenhang zu eriPähnen. Ganz besondti aber dürfte das biblisch begründete Bild von der geistlichen Riite% schaß, das bei Seuse Lieblingsmotiv ist (egl. 55,19 ff., 149,4 ff., 205,7 ff'. 352,14 ff., 370,22 ff., Hör. 29, Hl, 122). durch ihn seine VolkstUmiieli keit wie seine Einführung in die Kunst gefunden haben. Anfang wurde es in Literatur und Kunst wie bei Seuse noch mehr ii Sinne einer speziellen Berufung aufgefasst, später aber auf jeA Christenleben übertragen. Von der deutschen Mystik lässt sich m direkte Verbindungslinie ziehen bis auf Dürer (vgl, dessen Kupfa stich von 1513: Ritter, Tod und Teufel) und Erasmus (vgl, sei

') Vgl PrUter 70 ff., dtr aber auch hier wie öfter» zu weit geht. Ül Töte eiehe bmondtrs die Monographie von J. B. Bahn, Bauten und WaMl gtmäldr in Töas (= Mittmlungen der antiquar. Oadlsehaft in ZSrteh XX. B, 3) 1906. Der Kreiiigang war mit l/iblüchen Frenken aui dem Ende IS, und Artfang dts IG, Jh., «um Teil aber auch aas früherer Zeit, VöBig aae der Laß gegriffen igt m, wmn F. J. Mont im DiöB.-Ärtk von Schwaben X VI (1696) 120 meint, dass einigt plastische Figuren Mbcn Südportal dts Überlinger Miinstere (Johannes der Täufer und Sebastian [i Judas!}) nach den Angahtn Seuses gemacht worden sein.

'J Vgl. Fellttr iöfiff. Freilich ist nicht au vergesse», daes derselben ihren eigentlichen Nährboden in der kirehlichtn Liturgie haben. Dt ist die F<ie*it der Farben- und Blamensprache durch die Schriften der deutsei Slysliher, besonders Seuses, aufs höchste ausgebildet unrden (vgl. Kra us II, 1^44

") Vgl. oben S. 61' Anm. 2. Dittte Inrinanderspieten ist der allegorieeh Auelegung des Wrisheitsbuches und der Lilurgi» der Kirche geldujig.

'} Pell st r :iOä iragl die Vermutung, dass Seitse taersl das Motiv Rose als Sinnbild des Iteidens und des liosrnbaams als Symbol de» Krm in die deuisehr Kunst eingeführt habt.

Mder nnri Sprllche duH ExempUrs. Spuren VerhSItoii' zur Kunal. 61*

,EiKhiridiott militis christimii' lö02, deutsch und illuntnert so» Urs Graf 1520*),'- und /äye« wir hinzu schon zu der Darstellung itr „Streiter Vkristi" auf dem Kölner Dombild und Oenter Altar. VieUacht ist Seuse überkaujit der erste, der das Motiv künstlerisch I tmtertet hat (in stimm 9. Bild).

I Anregung hat Setisea Ulustrierung des Exemplars auch der

wkutKhen Holzschneidekunst des 15. und 16, Jh. gegeben, wie

mtAon bei Besprechu)tg der allen Drucke ausgeführt wurde. Ausser

miwni Bildern ßnden sich mehrfach zu Devotionsztoecken hergestellte

ftinftiattdrucl-e, welche steh an Seuses Werk anlehnen'). So stellt

I («n btmnlter Holsuchiiitt, um 1470 zu Au(/siurg oder Nürnberg ent-

finnjen, das Christkind dar, in einem Korbe Rosen tragend und mit

Spruchband, auf dem pariencia steht; unterhalb eine fünfzeilige

Cnttrschrift, die mit geringer Änderung den Sprächen beim 12. Bild

StuKcs, von dem die Komposition ja sichtlich beeinßusst ist, tntspricht

leb wil Fosen ttrecheo . . . Wer snnder lieb . . . Liden boI er haben

.. vgl. 398,4—9); ein Exemplar davon im Kgl. Kupferstich-

wf zu Berlin. Leicht variierte Kopien dieses Hokschnittes mit

itmüben Versen befinden sich zu München und Nürnberg (Ger-

tamacA^Ä Museum); von letzterer ist noch der Holzstock, früher dem

Klarissenklnster SSflingen bei Ulm gehörig, vorhinden ^). Noch naher

hrükrt sich mit dem 12. Bild ein um 1470/80 in Schwaben, leahr-

^tinlich in Ulm bezto. Sößingen, entstandener bemalter Holzschnitt,

fc twei Exemplaren zu Stuttgart (Landeabibliothek) und Nürriberg

{birmanisches Museum *f erhalten: Seuse knieend mit dem Kranz

( lind dem Monogramm IMS, rechts oben Maria (tkzw.

üt jtwige Weisheit'} mit Krone, Szepter und Reichsapfel, unten der

Bind mit dem Fit.^sfiich, links das Jesuskind auf einem Rosenbaum,

•) P. Wrbtr, BeürSge sa Dürers Wellanschauung (Studien lar deut- •■bii Kitnttgt-ickichU U. 331 1900, äO. Elid. 18 ff. etngtliatdf liUrarisvhe und ^MhiMorisehe SaehwHfungm. Eine <ntire«ia»U Stelle au« Tatiltr b$i ^'Ui,r im f.

')Gmaut Begchrtibungdtr folgenden fünf Holimchnitte bei W. L.Sehrei- *'', Uanad de Vamateur de la gravure aur boi» et aar mital au XV' Hiele ^iVSli 234/. .\>. 821—33: 11 (1S93I 176 f. Nr. 1698, 1699.

'l Vgl. Katalog der im Gei-m. Museum tu Nürnberg vorhandenen Hole-

l {18931 15; Abirildung S. in und bei (Esuenuiein), die Sduehnittt I4.utid 16. Jh. im Germ. Mtunim 1874, Tafel 86,2.

') Dietet Exemplar wie der eben ertcühnl' Holenlock war früher im Be- •l« eoii ^rofetaor Basiter in Ulm.

1

62* Einleitung:. I. Die Überlieferung'.

Rosen auf Seuse werfend, unten das Wappen von Ulm. Als Ut

Schrift trägt das Devotionsbild die Verse:

Der selig hainrich f&s ze costentz gebom am bodmersee

Nam die ewig wysshait zfim gmahel gaistlicher ee

Sein gespons tet im den namen verwannden

Amandas hiesz sy in nennen in allen lannden

Sein leben wz er in irm dienst vertzeren

Des frödt sich vlm die sein grab vnd hailtnm halt in erei

Abbildung nach dem Nürnberger Exemplar bei Essenwein (s, S.

Anm. 3) Tafel 92 und darnach in verkleinertem Massstab bei De\

(Titelbild). Derselbe Holzschnitt, aber mit lateinischen Versen \

est heinricns constancia quem generauit Snsz etc.), ist in Berlin '! Weiteres soll später, wo von der Ikonographie Sensen gehan

tvird, Erwähnung find-en.

0 Vgh Schreiber a. a. 0. II, 176. Nach Kärcher (Freib. D Archiv 1866, 215), der sich aa^ eine brief liehe Mitteilung Sigharts bei befand sieh im Dominikanerinnenkloster AUenhohenau dorther stammt i die Hs, J?*, s. oben S. 7* ein fünf Fuss hohes Bild Seuses, wie er in t Vision den Hund mit dem Fusstuche erbUckt. Bei Murer^ Helvetia sa 314 ein Holzschnitt mit (ihnlichem Bild wie das oben guletzt genannte, doch anderen Sprüchen und im Hintergrund das Konstanzer Predigerkloster,

—•-^•^ <•

Zweiter Teil.

Seuses Leben und Werke ')<

A. Jugend- und Lemjahre zu Konstanz und Köln

(ca. 1295— 1327).

L Oebnrtsjahr und -Ort, Abstammung.

Nur weniges ist uns über den äusseren Lebensgang Seuses, ^f^ondere über seine Geburts- und AbstammungsverhäUnisse über-

') Verzeichnis der Literatur (Detaüunter^uchungen werden zutreffenden Oru angegeben): i. Biographien bezw. Monographien: F. Bricka, ^99ai sur la vie, les ecrits et la doctrine de Henri Suso, Thhse^ Strasbourg 1654^ ^ P' (unbedeutend); W, Volkmann, Der Mystiker H, Suso, Programm DuiS' ^91869, 63 S.: F. Vetter, Ein Mystikerpaar (s, Anm. zu 96, 7; beachtens- ^^frte Anmerkungen); R, Seeberg , Ein Kampf um jenseitiges Leben, Lebens- ^ eines mittelalterlichen Frommen (Seuse) in protestantischer Beleuchtung, ^^>rptu 1889, 148 S, (im literarhistorischen Teil gut, in der Beurteilung vor- *w^«wmm«i^, gekürzt unter dem Titel: „H, Seuse, Der Gottesfreund** auf- t^Mwmen in R. Seeberg, Aus Religion und Geschichte, Gesammelte Aufsätze itd Vorträge, I (1906) 188—246; Th, Jilger, Heinrich Seuse aus Schwaben, I B^ü 1893, 160 S. (populär -erbaulich). 2, Chrössere Abhandlungen m Sammelwerken, A ufs ätze und enzyklopädische Artikel: Acta Sanctorwm 2i. Jan, II (Antwerpen 1643) 652 89 (ganz nach Surius, daher ohne selb- ständigen Wert); H. Murer, Uelvetia sancta. Lucern 1648, 315 46 (ebenfalls nach Surius, doch mit eigenen, nicht immer zuverlässigen Zutaten); Fr. St ei II, Ephemerides Dominicano-sacrae I (Dilingen 1691) 145—64 (mit Vorsicht zu henütsen!); Quitif et Echard, Scriptores Ordinis Praedicatorum I (Paris 1719) 653 59, II (ebd, 1721) 821 (wertvoll, meist kritisch und quelle ntnüssig); Ä. Tour an, Uistoire des homme^ illustres de Vordre de S\ Dominique II (Paris 1746) 435 60 (erbaulich): A. Weif ermann, Nachrichten von Ge- kkrten uno. aus Ulm, Ulm 1798, 499—508; K, Schmidt, Der Mystiker H. Suso, TheoL Studien und Kritiken 1843, 835—92; ders, in Memoires de tAcadimU roydle des aciences moraleti et politiques de V Institut de France,

64* Eiiileitiiiig. IJ. (?euseö Lebeu und Werke.

liefert, und nun dam wenigen können wir nur mit Mühe das t verläasiye heraustesett. Ein einfaches Mouchleben setzt eben die Fei der Geschichtsschreiber weit weniger in Bewegung als die Tatt derer, die on/" der Höhe der Metischheit wandeln. Kein seiner 2 angehäriger oder ihr nahestehender Gkroriint ') nennt i'eineti NanM

l, II tavanis elrangert 18411, 396—486 (mit dem deutschen AafeaU btiiai identiiehi: St. Bormann, Über den MyslUcer H. Saeo, c, d. Hagmt G* mania II, 172— ht: Fr. BUhringtr, Die deuUchen Mj/atiker dt» li.\ 15. Jh. (Bit Kirchr Chi-iUi und ihre Zeugen II, 3), Zürich 7855 (Ü. Ä SiuUgaii 1877) S37—44I (»ehr brauchbare, ivartne Darstellung); K. Grtit\ in Eath. St-hiceitirblätter II 11860} 65 ff., 137 ff., 399 ff.; i Mystik im Prtdigerorden 1861, 71ff., 219ff. 3Q3ff.: J. Bach, Meisler i hart, 1S64, 164— 7U: E. Böhmer in OiwbrechU Damaris 1S6B, SSl—i L. Karchtr, H. Suao, Abhandiung aber Ort und Zeit »einer Geburt, Fr Diot.'Arch. 111(1866) 187—320: W. Preger, Vorarbeitet! tu einer Geeelikk der deutsche« Mystik, ZtHschr.f. historische Theologie 1869, HS 37 (kritiii Unttrsuchutiu der Lebmsdaten) : dtrs., Gesch. der deutschen Mystik II (M 309 415 (viel wertcoÜta Material neben manchem Anfechtbaren, vgl. die Krilä^ von Strauch, Afda IX (1883) 138— U, und Denifle, Deutsche i»t-2 1883, 201ff.); Fr. Btvan, Three friends nf God (TauUr , Xikotami v Basel, Stiso), London 1887, 301—88 (witsenschnfaich wertlos »nd tmdsnäl^ Seh. (Sehunr ?;, H. Smto, ein Originalbild diesem grossen schwäbischen MystÜm Didt.-Arch. von Sehwahtn III (1886) 41, 4y w.o. (erbaulich, kritisch » A. Baumgarlner im Kirchenlexikon V (1888) 1721—29; Ph. Sir in Allff. deutsche Biographie 37 (1894) 169- 79 (treffliche Zusammtnfam H. Suao the MysHc, in Tht Church (^uaterty Bet^eic 61 (1905t 164—81 fi unsugangliehj ; Cohrs in Realeniyklop. f. prot. Thtol. XIX' (1907) 173" (mat^elhaft). Zu vergleichen sind auch die Einleilungm in den Äitsgt von Denifle und Thiriol (s. u.l und die (aber nicht vollatSndige und verlntsigt) AuffOhrung dir Literatur bei U, Chevalier, Bipertoirt des »tna hisl. du tnoyen^gr, I Bio-BibUogr., 3. id. Paris 1906, 2101 f. Auf MH«m IM beruht ea, uienn Kobertiein, Deutuchs Nationallileratur V*, 447 Jxm. { und Strauch a. a. O. 179 eine popvlSrr Darstellung de« Lebens Seuset > Denifle in ,Jlte und Nine WtW, Einsiedeln 1883/4, Heft 10 u, 11 angeben! handdl sich um eine kure» Biographie Heinrich Seue» Dtniftts.

') Der Dominikaner Joh. Meyer au» Zürich (1433— 8&), eifriger Samt und fleisiiger Chronist seines Ordens über ihn jetzt tusammenfassend P. Alht in Ztitaehr.f. Gesch. des Oberrheins 1898, 355—63; 1906, 504—10: vgl. Bild in Freib. Diöe.-Arch. 1906, 391 f. weiss an verschiedenen Stellen, ko er t Stute spricht, so im ,Chronicon df Praedicatoribus' (Mone, QueUensammtung 3311. im ,Libm- de illustribus niris ordinis fr. Fraedicat. (d)d. II, 157), \ ,J.tbm da- 33 ernten Meister de» Predigerorden^ (Adel/tauser Sammitband Frtdiurgtr Stadtarchiv Bt. 303, nach gütiger Mitteilung von Herrn ArcM Dr. P. Albert), und in der Vorrede der Töaser Viten (ed. Vetter 4 ff.), mj uie nichts tu berichten, leas er nicht aus Seuses Schriften geschöpft haben h

Geburtiijahr aud -Ort, Ahgtaramnng.

65*

4if Vrkutidrn uiui Bächetve/iäUe dir Ktöstrr^), in denen er find durch die Ungunst der Zeit fast ganz verloren gegangen. wrf wir zur ErvifrMuj der Lebensdaten Semes in der Haupt- \ au/ seine eigenen Schriften angewiesen, die nher weit mehr liae t Seelenleben als die äusseren Umstände beiUcksichÜgen, und , hm dem Mangel einer streng chronologisckett Ordnung nur t sichere AithiUtspunkte Ineleti, Da und dort, nnmentlivh in Vorrede zur Ümckaungahe von 1512 und Im den nur mit Vor- 2u benutzenden Hngiagrapheii M iirer und Steill, ßtukn sich ergänzende Sotiscn.

use erzäiill selbst ( Vita 44,4 f.), dass er am St. Benedifctm- 'Hl, März) in ,diese elende Welt' geboren norden sei; das Jahr wir nicht. Die Attsic/Uen der Neueren, um von äUeren, \ren Meinungen'^) abzusehen, schwanken zwischen 1295^) and !■*}, beide Zahlen rund genommen. Der erstem Ajisatz hat mehr Peinlichkeit für »ich, das ergibt sich aus Bücksehlüssen aus I datierbriren Ereignissen in Üeuses Leben'"). Wenn er, irie r gezeigt werden soll, um 1324 nach KiUn übersiedelte und um e Zeit durch Eckhart von seinen quälenden Zfeeifeln, die nach r Bekehrung (im IS. Jahre, vgl. 8,4 f.) gegen Kl Jahre gedauert l (63,2), befreit wurde, so werden wir ungefähr 1295 ala Ge- fahr anzunehmen haben ; doch nind l^if Jahre Spielraum zu

>) Du* Aiciiio de» Sonilamfr Prrdigcri-lositrs iar in den lie/oitnaliniis- n («I. 15'/7> rrriorin gegangen (vgl. MoHt, (^wllrnnaiamluitg IV, äSt):

SitUolheh jinden »ich Sparen nach in äett tieanMiger Jahren de» 19. Jh. ,roB Zeppelin in Sthrifttn dea Verein»/. Gmch. die Bodeaetea FI,S4i.

iit nur da» Kopialbueh dt» l'redigerklonUr» erhalten {im Siadiarchir), tr Seu»ai Nam:n mu »einen Lthttiten nicht nrnnt legi. Kornbtck in

de» Vereins /. Xuiiat u. Allerlum in Ulm n/id (Iherschteahen WHI, W. 1 Lärrarhi»torikef wie Altamura, Bellarmin, Dupin, Care u.a. I St»**» l'od Irits um mos und lanttn Ihn schon 1323 mit Thoma» l)Mn tur Kaniinitation ttnrgtachktgen merden, teil» rricken »ie ihn Aber Xach ttHer handuchrifÜichen Noiit von 1516 in ejnn' Ausgabe, i^ienbroek /vgl »ein Sueo lt< A li heia»», wäre tr »chm ISf^) gehören. *SSo Weyeimann, Vulkmaun, Frtgfr, Jlenifte (Seuet XIII:

) tSSfd und laoO-': Da» geifiÜ. Leben XXI: ..um 1396"), Sethtig. ») Mmrtr, stein, (Juilif und Kehard, Schmidt, Bf.hringfr, k, Kareher. Vttttr. Strauch.

) Die Vtrruoke l'regtr», Vt/rarbtitm IHff., avu der Abfa»tungSMtit r Scheißen auf da» Gebartnja/^ Sea»ei< tu .leliltrxsen, sind hinfiUti//, fc Jim« Thitierttngen al» unriehtig rnnriae».

; lUntitbc äcUilliL'D. 5'

lassen (wohl 1293 95). Damit stimmt dann auch, wenn Murer^) thi 1365 (richtiger 1366) im Alter von 70 Jahren, Joh, Meyer^ ,ga alt an den Jahren^ sterbest lässt, und eine Notiz aus dem 15. Jh in Clm 15312 Bl. 84"* besagt: decrepitas obiit anno domini 1366

Die Frage fiach Seuses Geburtsort^) hängt enge mit dei nach seiner Abstammmig ztisammen. In dsr Vorrede der Druck ausgäbe von 1512 f. i* ist benchtet, er habe eigentlich Heinricl von Berg geheissen, sein Vater sei ein adeliger Herr von Berg im Hegau gewesen, seine Mutter, deren Namen er selbst aus Verehrwij für sie annahm, hiess Seüsserin, Murer*) und St ei 11^) wissen «ä erzählen: um da^ Jahr 1295 vennählte sich ein Herr von Berg odn Berger aus Konstanz mit einem Fräulein von Saussen aus Überlingaif beide aus altefn und vor^iehtnem Geschlecht; um 130() wurde ik berühmter Sohn geboren y der in der Taufe den Namen HeinriA erhielt. Darüber hinaus erfahren wir bei späteren Schriftsteilem*) nichts weiteres von Belang.

Obwohl die angefnJD'ten Nachrichten ziemlich spät sind, so darf doch wohl die überei)istimmende Angabe, d^4is Seuse aus elftem adeligen Geschlecht von Berg stamme und dass seine Mutter eine gebürtige Stu oder Süs (so die ältere alemannische Namensform) war, für glauh würdig gelten. Zweifelhaft aber bleibt, ob der Wohnsitz der Elten und Geburtsort des Sohnes Konstanz oder Überlingen ist. Von dei zahlreichen adeligen Geschlechtern von Berg, die im 13. und 14. Jh in Schwaben und in der Schweiz a massig waren'^, ist am ehestem

^) Helvetia s, 346. Die Zahl 70 ist jedoch mit Rücksicht auf Ps. 89, i nicht zu pressen. Ein lap»u8 memoriae ist es, wenn Murer 315 Seuse äH um 13(X) geboren sein lässt. P reger, Vorarbeiten 128 meint^ er habe die Zal 1295 als Geburtsjahr in einer alten Quelle gefunden,

^ Kurze Chronik des Predigerordens, Tübinger UniversiiätsbibliMSi Ifs. Md 456 des 15. Jh. (aus Ineigkofen; s. obeti S, li^ A, 1),

^) Ich habe über Seuses Abstammung und Geburtsort ausführiieh « Hist.'pol. Blmei' ISO (1902 II) 46—58, 106—17 gehandelt; hier eine kitri Zusammenfassung mit einigen Nachtrögen.

') Helvetia s. 315.

^) Ephemerides I, 146, Steill fügt am Schlüsse hinzu: Haec ex M8 Antiq. Adelhus., was sich wahrscheinlich auf eine (jetzt verlorene ?) Schrift h ,Joh. Sieger, der zu Adelhausen lebte, bezieht.

") So bei Surius in der Votrede seiner lateinischen Übersetzung Seusti li u celinus, Constantia lihena na 1667, 280 : Quetif et Kchard I, 663 tm

') So in Württemberg rw Berg ()A. Ehingen, Ravensburg, Tettnang^ \ der Schweiz zu Berg am Irchel, bei Arbon und bei Weinfelden, Im He§i von den Grafen von Heiligenberg, die Sevin, Kaiset* Baibarts J^^nrnh

Ctljurtajtthr und -Ort, AbBiaramung'. 67*

m dm Konsttime.r Patriziergescklecht von Berg zu denken, Ihar Herren van Berg »mxen, wie es scfifint, ursprünglich nla Mini- tkrtalen das Biacho/s con Konstanz zu Burg bei Weinfelden im Kanton Thurgau, nach d«r Mitte d&< 18. Jh. aber zog Ulrich von Birg wie manche andere LaiidfdeUent« in die Stadt, Aitgehünge dt» üeschlechlcs .ipietcn in der grossen Xniiftheire<jung des 14. Jh.

EMiagm I900, 71 ohit Oiimd mit Satte in B*sithung brint/l, wird ahm- n ui%d in VbrrlUigtn ilasl nich ein adeligts Gtachlechl von Berg ■htceUrn. Nach *w«i BerielUfa au« dem Hominikanerordensarchiv teelche der Rtgmaliurgtr Predigtrkonvent im 18. Jh. (den einen 1TÖ4, im nndrm venig früher) an den Ordensgeneral beew. an dag Gmrralkapiiel röfftnlticM in Analecla Ordinis Pratdieatoram Vlll [19001 "ÖIp flSfi; inungin ZtiUthr.f. kath. Thtol. 1H03, 3GU Jf./, würde Seufr von einem Gitt/m- pKÜtcht ron Brrg und Saasaiberg abstammen. Es wird nlimlieh darin gesagt, Valer Seuats (UeoricaB comeB de Monte el Sanaeaberir, quibasdam Subu I Jährt 1300 am Tage des Apostels Thiimag (Sl. fJez.l gtslorben und Kraugaag des llegensburger Kloster» begrabm, die i'htrreste aber IIJUO in ti lagen. Alf>trt<i»taptllt älierlragen und in einem Grabe mit dem bekannten ner Joh. HeroU {f 1468) bestattet wordm sein. An einer benachbarten Unk habe man eine Intehn/t (nicht mehr erhalten) mit einer Notit über die Teten angebracht. Ich glaube nicht, dass mit diesem sehr sjiSlen Ziugnia *fmJ »hro« antu/angen ist. Es steht mit dem Prolog der Ausgabe vim 1&12 iwJ anderen Berichten durchaus im Widerspruch. Schon das Datum 1300 Tietl Misatrauen, dsnn damals var tlruse, dem der Vater nach seinem Tode •ndHnwN sein soll (Vita 23, :iiff.). erst ein jiaar Jahre all. .S'tine Jr'amiiir (rtiTri* auch scha-eriieh dem Hoehadtt an. Es gah femer gar kein Grafen- pifUtda ,rim Berg und Saustnhei'g' : die Burg .Sausenberg (ä^ji Std. südwestlich "* Xidlheim im Breisgau) var im Jksilte der Markgri^rn ron Baden-Hach- •"P <ad eist 1306 nannte sich ein Zu>eig des Geschlechtes infolge Teilung de» imiia Haehberg-Sausenherg wler Hachberg-Röttel-n (s. die Hegesten der Mark- Ftfat em Sadm und Hachbrrg, I bearbeitet von R. Fester l'MO, h SOff. iililer ton Knobiach, Ohrrbadisches Oesehlechtrrlmeh I [18981 504f.). i*i^tinl gunt, als ob jene Nachitchl durch einen findige« Gehhrten aus dem ^emn Sausrnhtrg (Susrnberg ss Borg des 8uso, vgl. A, Soein, Mhd. Namen- *"* taiia, imi: Krieger, Topograjih. Wlbch. von Baden II', 7.*»Jfl heraus i"i/iiiüen trorden irär*. Maji mag auch die Vermutung wagen, dass Markgraf Situich II enn Hachltry, der um 1333 in den Veulschorden trat und 1300, >Hf uw, starb (rgl. I-'esler a.a.O. h 11, 94) im Regrnshurger Dominikaner- bestatlet aurde und dass sein Grab spHltr Anläse eu jener Legende f''. Hier »'i ange/figl, dass dax neue Material, das Denifle «ach einer Uäteümg Strauchs in Dcutuch' Lit.-Ztg. tSHl, 64: Afda IS, 143: Allg. dMi. Biogr. ä7, V9 aufgefunden haben soUtt, sieh, wie er mir selbst 1901 if die '•bmgenaniilc'i, in ihrer Bedeutung anfangs «ehr ithersehätilen itiehtt b'schrSiikt,

()8* EinleituDg. IS, Seuses Leben und Werke.

zu Konstanz wiederholt eim Rolle^). Konrad dictus Tuchscherer de Beryey 1286 bezeugt'^), war vielleicht Seuses Vater, manche Patrizier verschmähten es nicht, ein vornehmeres Handwerk, wie das der Tuchmacher, hezw. Tuchhandel zu betreiben. In Ulrich ton Berff, Chorherr bei St Johann in Ko7istanz, der 1298, 1301 und 13()7 urkundet ^), dürfen wir wohl einen Olieim des Mystikers seheti *). Damit ist mm auch mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit gegebeUf dass Seuse selbst in Kofistanz geboren ist. Das älteste Zeugnis, das wir besitzen, die Unterschrift des oben S, 62* beschriebenen Ulmer Holzschnitts von ca. 1470 besagt deutlich: hainrich fÜ8 ze costents geborn am bodmersee. Im Ernste kann wohl nur Überlingen Konstanz die Ehre, Geburtsort Seuses zu sein, streitig machen, und in dsr Tai haben nicht wenige, nachdem früher Konstanz in der Vorderhand gewesen war, den eingehenden Darlegungen Kärchers^ folgend, wenn auch teilweise mit Reserve, sich für erstere Stadt entschieden ^). Doch sind die Beweise schicerlich stichhaltig, Kdrcher legt mangels älterer Nachrichten das Hauptgewicht auf das fiegatwe, bereits als unhaltbar nachgewiesene Moment, dass sich in Konstanz kein Geschlecht von Berg nachweisen lasse, ferner auf drei in Dheat' lingen aufbewahrte Seusejwrträts, welche die Aufschrift treten, dass der Dargestellte ebendort (um 1300) geboren sei, und auf die Lokal'

*) *SVi7 1:^70 öfters in Konstanz urkunäUch bezeugt; vgL die Zusammen stellang in Hist.-pol. Bl. a, a. O. 51 ff., 56 ff. und dazu Reg. ep. Conet U n. 5S14, 6032 (1363 und 1367 Konrad von Berg), n. 6317 (Johann vm Btr§ [de Monte], KUriker, öffentlicher kaiserlicher Notar), n. 6440, 6441 (tST* Bruder Uuhert von Berg [de Monte], ep. Hossensis, Weihbischof Heinrichs von Konstanz). Nicht hieher werden gehören : f rater Johannes de Berg eoncersm (1319) und F. Thomas de Bergen (1361), beide im Necrologium des l^Veiburger Dominikanerklosters verzeichnet (Freib. Diöz.-Arch. XVI, 42).

2) Württemb. ÜB IX, 79; Fürstenb. ÜB V, 198: K. Beyerle, Die Konstanzer Ratslisten 1898, 63 f. Das Haus derer von Berg lag (1360) in der Paulsgasse und hiess ,zur Taschen^, vgl. K, Beyerle, Grunde igentumsverhäU' nisse im mittelnlterl. Konstanz II (1902) 375 f.; Marmor, GeschichÜ. Toitf graphie von Konslam 1860. 180,

») Cod. diplom. Salem. II, 638; III, 129; Reg. Ep. Const. II n. 3208,3219: Freib. Diöz.-Archio 1903. 137 f. In der Urkunde von 1301 werden sein V4r- storbener Vater Marguard, seine Mutter Mechthüd und seine Schwester Mar^ fjnreta genannt,

*) Dies ist auch die Ansicht Beyer les, Freib. Diöz.- Archiv 1903,137^

'') S. den oben S. 63* Anm. 1 zitierten Aufsatz; vorher schon tfhnlich im Freib. kath. Kirchmhlatt 1866, 362 f., 371f., 381 f.

') So nnmentUvh Denifle, Preger, Strauch.

Geburtsjahr um! -Ort, Äbstauiuiunt-,

69*

ition, iBflche das Haus Nr. 493 in der nett 1HS9 no (/mannten ftisitt tils sein Geburtshaus beseichne. AHein jene Bilder yehüren I 18„ frühestens 17, Jh. an und haben somit ganz ijeHnge Auk- die Trndilion aber für da« angebliche SusohauH '), (Ais eor Jnhren mit Hilfe der bndischen BegieruHy pietätcoU rentouriert und immerhin eine Sehenswürdigkeit der Stadt bildet, ist mit 'heil kfinnt über 100 Jahre zurück zu rerfolgen, ja ihr Vcr-

wird von Serin') ganz in Abrede gestellt.

Es fileibt aber, wenn auch Seuse selbst allem nach zu Konstanz

ift, doch die Möglichkeit offen, dass Seuses Mutter aus Übcr-

%m ttammief wie auch Murer und, Steitl berichten. Dann würde

'id um ungezwungendateu erklären, ivit man dazu kam, Üherlingen alx

tat Beuses, der »ich nicht nach dem Vater, sondern tiach der

irr nannte, zu hezachnen. Zicnr lässt sich der Familieniuime

Säs') im späteren Mittelalter in den Gegenden am Bodensee und

•\ Näherei Hüit.-p'A. BL a. a. O. 113f. Das im ällfutea Teilt Überlingens

me Uavis knnn nach dem Urtril Sachverst/Indiifer aeintm Kerne nach xoht

lai U. Jh. stifilclireichm : vgl. F. H. Sraug, Sunstdenktnäler des ffrOMS'

^UDM Bndea I (IBüT) 666f.: H. Sfviii , (''hm-linger Häutrrlmeh 1890, HO.

't Kaiser llntbarls Kronhof 72.

'l Ihr illttren H$s., leetehe dtm aUmaniiischea Sprachgebiet angehören,

ilifH durchtreg Stt», Sfise, orfer auch SnB(ei, Heinrieh von ^iirdiingtii: Jer

I iSirauth, M. Eimer XXXI, 22) und der Süsse lLI,S6f.). Dem Süsn

riciu in aekie'lbiseiirhayrisehtr Mundart Sense, dem Siis Satis. Erstere

I in heanudera durch die Augsburger Ausgabe von 1483 verbreitet leoi'den

durch henifie mieder in Aufnahme gelirimmen; Saeo isl das latinisierte

und homml schon im 14. J/i. vtir (sti in dem später su trwälinenden

eon 13fi6i. Her Personenname Sa» (siis,) scheint nach Fnrstemanu,

Uehes yamenbaeh J* (1900) 1373 tu dem akd. siisim, staöa», «thd. süsc»,

nhd. sausen tu gehören; ein Susi) findet sieh tuersl im U. Jh. iTradi-

Carbsimses ed. Wigand 1843, 244). Ebenso pfiegie auch Ssase selbst

nwm Kamen ahtuUiten: nach dem Prolog von lälS die Änekdnt« scheint

fhudiKttft ülierüt/ert munterlc er bei «etn«n Predigten seine Zuluirtr und sieh

ulbri auf mit den Worten: Merckt oaS, Mona der sellM will seitascii, oder: Nu

•oIm iruax. in luflst seüspu ; wenn er das l'o/t strqfen inolile, sprach er:

th laGn d«r seüas »euBen, daa euch die orea seUseu j oder, tcenn er sich nicht

fitniiti, itttan SU sagen: Der geÜBX getar da nit seäBep, Vielleicht liegt auch

X,31- eüeeut iil in di(^ Löhi eine derartige Anspielung vor. Ohm Grand

SIeill, Wegermann und Kär eher den Samen mit dem mhd. siiet«

vgl. auch die Vbtrsehrift der Vita 7,1 «ach M: der wnder

Auf einer Veneechslang von G und S scheint es tu britthtn, wenn in

'S. oben S, 8') gey s, und hei Zillard, Kurte Chronica des Uomini-

I, Jtütngtn JÖ96, 47,b3 {dach vergleic/ie am .fchlusse die Errata und

70^ Einleitung. II. Senses Ijeben und Werke.

Oberrhein verschiedentlich nachweinen \ doch scheint auch in Übe\ lingen eine Familie dieses Namens existiert zu haben, d<( sich < einem Anniversarienverzeichnis des dortigen Pfarrarchivs 1523 et Jahrtag für Snsanna SäseriD, ihre Vorfahren und Nachkommet notiert findet^). Kaum wird man, tcie Sevin ( s. oben S, 66 Anm. 7 ) will, die eine halbe Stunde westlich von Überlingen gelegen Sassen- bezw. Siessenmnhle hier hereinziehen dürfen, d<i die Ableitun* dieses Natnens ganz unsicher ist^).

II. Jugendzeit, Eintritt ins Kloster, Bekehrung.

Die Eltern des jungen Heinrich *) von Berg waren, tcie er sdbsi erzählt (2H,21ff,, 142,17 ff.), sehr ungleichen Charakters; schrofft Gegensätze standen einander gegenüber, wie wir es im Mitteklttt

Strauch, M. Ebner 364) Geiss geschrieben ist; es ist aber auch möglich, dm eine Konfundiei'ung mit dem Wiener Professor und I>r. tfieoh Johannes Gtva^ (Geiz)^ f 1440, vorliegt, der verschiedene asketische Schriften verfassie (die Hti 721 und 756 in Giessen enthalten Collationes super Ave Maria und Sermwii von ihm).

>) So in Wil hei St, Gallen (St. Galler ÜB III, 360,426 [1320 des Süsei mtili/; IV y 663), in Strassburg (vgl, Anm, zu 74,2) und Basel (Suser, ÜB III 142 f,; IV, 173,261): vgl, auch Socin a. a. 0. 443, Über die in einem Brie) Heinrichs von Nördlingen (Strauch XXIX, 37 f.) vorkommende Sussin ze Hoch stetton vgl. die Anm, zu 74,2.

*) Genaueres Hist,'pol. Bl. a, a. (), 109 Anm. 2.

•'•) Von einem Personennamen Sns, oder von ahd, siosza, Weidepiais Vgl, Bück, Oberdtsch. Flurnamen 1880, 269: ders. in Schriften d. Ver, , Gesch. d. Bodensees XI, 113; Krieger a. a. O. 1132,

*) Schwerlich echt ist der Name Johannes, der sich in manchen Hs des Hör. (so in Clm 18608, 18737: Cod. Mdlic. 106 usw,) und namentlit in den Hss. der altfranzösischen Übersetzung dieser Schrift ( (juetif ei Kchard 653: Theol. Stud. und Krit, 1843, 852), dagegen nur ganz vereinzelt i deutlichen Hss. (s, oben S. 6*: vgl. S. 69^ Anm. 3) findet, - - Der Naf Aman d US, ,Liebetraut^ oder ,Herzentr(iut^ (vgl, 140,7), ist nicht, vielfach geschieht (K drehe r 206: Vetter 21: Strauch 169 usw.) fl* Klostei'name aufzufassen die Dominikaner pflegten damals bei der Profe* den Namen nicht zu ändern, sondet^i gncissermassen als Seuses nom de guen als Mystiker, deti er nach seiner Erzählung in der Jugend von der ewigf Weisheit selbst erhielt (Hör. 216: in ea vinionis gratia quodam novo et mystic nomine ab ipsa [Sapieutia] vocatus frater Amandus; vgl. tbd. 17,222), Es wät sonst nicht zu erklären, dnss der Xam*' weder in einvr deutschen Hs,, 7wchh Heinrich von Nördlingen oder Joh. Meyer oder in iSeuses Epitaph vorkomm somiern nur in zahlreichen Hss. des Hör, (vgl, Strange o; Quetif ei Echard 653, 656 f.: Clm 7819, 14604 usw.): düae achövften ihn eben ein f eich a\

Ja gen (i /dt, Einlvitl ii

, Bekehrung.

71*

4 selten antreffen ')■ Der Vater irnr durchaus ueltlich gesinnt,

Mutter (Uigegen eine ,heiliije' Frau, ,m't deren Herz und Leih

Wunder') wirkte bei ihrem Lehen'; sie imr .voll Gottes' und

gerne darnach .heilig*, d. h. ihren Übungen der Frömmigkeit

Askese i/etebl, ollein des Mannes rauhe Gemütsart war dem

«hgrneigl, und so ßel ihr manches Leiden su ; sie war ,nlle ihre Tage

title grosse Leiderin'. Beide Eltern starben wohl, ehe der Sohn,

m dem nur noch con einer Tochter'), die Klosterfrau war, die

k ist (70,17 ff.ß, das rolle Manttesalter erreicht hatte. Auf aeinen

/•l und Charakter hat die Mutter massgebenden Einflua» ausgeübt;

übermächtige religiöse Gefühl, das die edle Frau einst ,minnesiech' *)

•.hie und um Karfreitag vor Teilnahme an den Leiden dts Ge-

vagteti »terben Hess, das lieheswarme, weiche und sinnige Gemüt

dem Zug ins Elegische ist als ihr Erbteil auf ihn äbergeganffen.

\'thl glaublich ist es daher, wenn berichtet wird"), er habe sich

ttr nach der Mutter Geschlecht genannt; schon 1338 hezw. 1347

«t ihti Heinrich von NördNngen '^ schlechtweij ,den Süssen', und

tr dem Stichwort .der Siine' ging später die Vita (vgl. 7,1) hesir.

Exemplar in die H'elt.

Den con Jugend mf kränklichen (56,16 f., 280,1 f., Hör. ff3,

<J Knaben, der wohl für einen uvltlichen Beruf nicht recht taitgen

■Jite (vgl. 146,11), bestimmten die Eltern für das geistliche Leben

I hrachten ihn im Älter von 13 Jahren den Domimkanem in

Iwftans als Novizen. l>as idyllisch am Aasßiiss des Rheins ans

tlr.T dts Hör., trie auch r. B. Xolür« nm .Sc/.hisw des ß-ifhes in Cht Blind 13375 draÜieh seilten, liiuittrtß'end ixl es, irenit der Frolog von l! tagt, Staat habt den Namen Amandi*» liti Lebetiieit geheim gehalten, tirr- ^ tdtrst nach Htintm Tode in aeinrn Offenbarungen gründen wurdrn. Abtr Ittnd ja in dem 1334 publüierte» Horotiigium! £in B'iminikaner Amandas 12X (BaaUr ÜB III, 1511 u. 13113 iah Pruvintiai von Tciil.mi», vgl. 'Ijf'r, Vorarbeiten 3(l> btitugt.

') Ein inUreetaTitta Bcispitl m-tählt Stiine Hm: llii. ■} Das Wart wuuder (24,4) ist nicht biichnläblieh tu fansen, snuilern iU «hA a^r daa 14S,3S ff. trtfihlle Vorkommnis (vgl. auch i/7,4. Iü2,4>. *J Murer 315 »piHcht viin mthriren Kindern, schwerlich als suverl listiger

*) Gant daisttbe wird

Iff.l und nott ElieabHh n

•) Pnu(oj dl» Druckes i

■) IMtge obtn S. tiä' A

von lUli eoa Sure- in Tim (Vit- 1 Ksalingen lu Wiitr ertähll.

ed. y-llir

72* Einleitung. II. Seuses Leben und Werke.

dem Bodensee gelegene InselUosfer^) (vgl. 48ßf,) war foiHan die längste Zeit seines Lebens seine Heimat, und die Handschriften des Hör, ^^) bezeichnen ihn mit dem offiziellen Titel als frater Henricus Su8o (bezw, fr. Amandas) ordinis praedicatoram conventas (oder domuB) ConBtantiensis. Der Predigerorden stand damals in Deutsch- land auf dem Höhepunkt seines Ansehens und seiner Ejcjfansivkrafif und übte als der vornehmere, die Wissenschaft ex profes>o pflegende Zweig der Bettelorden auf die Söhne adeliger Familien immer fuxA eine nicht geringe Anziehung aus'^; im Innern des Ordens ßtilich begann die ursprüngliche Zucht, welche fast das gatize 13. Jh. stand- gehalten hatte, sich zu lockern, und es zeigten sich manche bedenkliche Spuren des Niedergangs. Das Konstanzer Kloster machte hierin keine Ausnahme*). Es hat Sense später bittere Seelenpein verursaehtf als ihm gesagt wurde, seine Kitern hätten bei Gelegenheit seiner Auf- nahme ins Kloster, die sonst nicht vor dem 15. Jahre geschehe* durfte, ein grösseres Geschenk gemacht (62,23 ff., vgl. die Anm. dazuh Wir wissen nicht, ob dabei wirklich eine Unordnung vorkam der Kontext spricht schwerlich dafür, jedenfalls aber spiegelte sein» aufgeregte Seele ihm vor, es sei Simonie gewesen, und er litt gegem zehn Jahre schwer darunter, bis ihn Meister Eckhart durch rer- niinftige Belehrung von seinen Skrupeln befreite.

Die ersten fünf Jahre des Klosterlebem verflossen ohne eiit^ Aussergewöhnliches ; wie der rückwärtsschauende Asket in strenger^ wohl allzu strenger Selbstbeurteilung erzählt ( Vita 8,4 ff. ; Bdew Kap. 1; Hör. 15 ff. 56)^ trug er zwar ,geistlichen Schein^ d. h. das Orden»' gewandy das nach aller Anschauung , rechtlich betrachtet, an sich schon den Mönchscharakter verlieh '*), aber sein GetniU blieb ,vnr gesammelt*, er begnügte sich mit dem Geuöhnlichen, ohne sich besondere sittliche Anstrengungen zuzumuten. Doch seine ideal angelegte Nat^ fand bei dieser Halbheit auf die Dauer kein Genüge; er war in seinem Innern stets unruhig und unbefriedigt , ein unbestinntite$

') 1^36 fjegrüudety llbiCt ron Kaiser Joseph II aufgehoben, seit Ibli JnselhoteV.

-) Vf/i. oben iS. 70* Anm. 4.

•') Vf/i. Fiiihe, ViKjedruckti Domiuikanerbrieft des 13. Jh.^lisOl, 10,

*) Vtß. Vila IfyJJfiJf. Nö,:J3ß'. Savh Hör. JJ 'jiugcn manche Mönche nach dir Noii in die JStndi. um Bekannte zu besuchen : die discursus iiiutiles evaiij^elizaTitiiiin tadelt ASeusc scharf ( l. c. 174). Weiteres über die Zuatändt im Predigerardvn unter B L

•') 1'///. 7.'. Sc her er, Kirchenrecht 11 {lüUl) b03.

Dirr Dienst der ewigpn WeislieiL 7

« und Dürsten noch etwas Qrossem, das die gunse Seele aus- beutete ihn iintihläs»iij '). Die innere Umwandlung, ps^c/iolof/isch lange vorbereitit, pertlichtetf fich in seinem 18. Lebensjahre, vm VHS"), «14 dem durchgreifenden Entschlma (der geewinde 6,14), sein Leben forUm ohne Bückhnlt in ikn Dienitt OoUes <^tUtn. Durch einen ,verbory0Hen liehtreivhen Zwj mn doH' I er «ich märhtig geHärkt, durch Kampf und Askese hindurch der .höchHen Kumt rechter (Ifhssenheit' (5.H,/lf. J5 ) zii ringen. er führte seinen Vorsatz aus, ohieohl dem Anfänger Zweifel flog Gelingen tntti fremde Einreden, seihst Spott, nicht erspart m (8JilJf. Hör. IS f.) und er unter seinen Klostergenossen » ijieichgestit/imten Freund fand, der sein Streben hätte unterstützen in {9,äl>f.). Mit rfer AbUgung einer Lebensbeichte (43,13f. K/.> begann er seine ,Vita nuova', die er in all ihren Phasen rückhaltloser Offenheit und unnachahmlicher Zitrtheit schildert.

III. Der Dienst der ewigen Weisheit,

Dir Keligiosität Senses nach seiner DeMtrung nalim eine ganz ni^ristische, ihm eigentilnUicIie Ausprägung an. Wir sehen in n Anfang an zwei verschiedene, sckeinliiir sich widersprechende ituHgen neben einander herlauj'en: die gefühlmnässig-schuHinneriKche die itxketifch -selbs Uf ui'ile r euch e.

,Er halle von Jugend auf ein niiunereiches Herz', bekennt er $ich seibst. (11.27, vgl. 13,14 f.. Dar. 16). Seiner lebhafte» asie genügte es aber nicht, Gott nur im allgemeinen als das idrrdatf und Schünheit sich vorzustellen, es verlangte ihn nach R Üymbol, oder bester einer Personißkation der göttlichen Voll- ntuheiten, die ihm greifbnr nahetrelen und mit der er in Verkehr n konnte. Er fand diese in der „ewigen Weisheit". In seiner tfKap. 3) und noch deutlicher im Hör. (15 ff,) berichtet er, wie I dieser Vorstellung kam und welche Entwicklungsstufen sie bei I durchmachte. Angeregt von dtn ,Lihri Sapientiales' des alten menles, besonders dem Buch der Weisheit, den Sprüchen Salomos Jem* Sirach, deren Ausspräche über die „ewige Weisheit" seit

*) tiif Ertätilitiig ti,iff. rrinntrt im dirjenir/e iler hl. Oertruil im I.rgalux m pittatüt, Hwlat. Girtrud. ac Mtc/ithitd. 1 (W/ö) 103ß.

*) Unriehlig Sirbtrg 136: ..seine Brkehru'ig gesrliali am St. Aiineslag% NO 31. Jan. V113~. Abu ttanätll sictt hiei- < Vila 10.11 f.l um riiie 1, äif ,tn »einem Anfanii', d, h. in ilrr rrtttn Zeil nnch der Behthrung

74* Einleitung. 11. SeuBug Lebfii iinil Wt-rke.

altera von der Ideologischen Spekulation nicht bloss auf die Eiget •fchafUn Gattes, sondern auf eine eigene göttliche Hgpostnse Logog, gedeutet und in der kirchlichen ägml/olik und Liturgie du Mittelalters vielfältig in diesetn Sinne eeruendet wurden (vgl. oboi S. 51* A. 2 u. S. CO* A. 3), fnsste er sie zunächst ganz allgemein den Inbegriff alles Schönen und Liebenswürdigen, iilentifiziertd i aber dann fortschreitend mit dem ,ausqmllendtn Ursprung der blostm^ Gottheit' (14,30 f.), d. h. mit dem göttlivhen Wesi-n an und für darauf konkret mit der persönlichen, menschgeu-vr denen eiligen K«V hat : Christus, ohne jedoch die allgemeinere Auffassung ganz aufsu* geben, und lässt auch, wie es in der Liturgie geschalt bezw. gestAttHj die Bezugnohne auf Maria dann und wann miteinfiiessen.

Seine Seele rang nach bildlichem Ausdruck seiner inneren A\ Schonung und begehrte die Geliebte zu sehen; sie zeigte sich t wirklich seinen .inneren' Augm in bedeutungsvollen, der hl. 8dt entnommenen Bildern: sie leuchtete wie der Morgenstern und s wie die aufgehende Sonne, bald erschien sie ihm als schöne Jungfru bald alu edler Jüngling, bald als weise Meisterin, bald als statlUd Minnerin, und sprach zu ihm gütlich: „Sohn, gib mir dein Hertf^ (14,10 ff. Hör. 20 f. 57). Die Worte Pavli von Christus als ,6(^ Kraß und Weisheit' (l Kor. 1,24), ,in dem (die Schätze der W^ heif und Wissenschaft verborgen sind' (Kol. 3,3), wiesen ihn t auf die zweite göttliche Person hin, durch deren leidend« Mensehhü er zur Gottheit vordringen solle (Hör. 21,25; Bdew 203,6ff.). / Sinnbild der eirigen IVeisheit iii letzterem Sinne erschien ihm t Name Jesus (40<),2tiff.), und ihm widmete rr einen bis ins ktetH geregelten Kult, der in der ,Brudcrschaft der ewigen Weisheif weitere Kreise verbreitet wurde (Kap. 45; 393,8 ff.). Ihineben fük er aber doch stets die Idee der ewigen H'ei.'-heit auf ihren Vrsprti und Quellpunkt, das Wesen Gottes als den ,grundlosen Abgrund (a üartheit, Schönheit, Herienlust und Lieblichkeil' (14,29 ff. Hor.i zurück. Einen unauslöschlichen Eindruck machte es auf ihn, auf am St. Agnestog erstmals in einer Verzückung rorubergehend jt^

'l Aus dtr iirilehtigrn SrhiWcrung der Vita Imt Herdtr den Vm zu Ktinmn KChSntn (itdkhU „JMe nniji- Weükeif (ahgedrueH bfi Diep. Sl- •jriiommcH. Eingehenden f^ueUmnacliteeis hat H. Kühler grlirjirl i <ltr Kgt. tächs. (it»eÜachaft dtr Wies.' 168'., li>b—3i (dtr Au/sais cnrnUit Kühl»» Kinneren Schriften 111 119001 1U7-31) und fettgteleUt, das» ifoi

ds» Urtext, »ondem Muin; Hrheiia >. Sliiß. ticniita und das G«d

verfemst hat.

Der Dienst der ewigen Weisheit. 75*

Zustand des Sichselbstverlierens und der mystischen Einigung mit fM erlebte (Kap, 2, Hör. 22), auf den alle Mystik hinzielt. Was er da sah, kann er nicht beschreiben: es war formlos und weisdos* die Vision war also mehr eitie intellektuelle als eine bild- liche^) (vgl. Hör. 22: in hoc fontali principio nee forma erat nee raateria) und doch war es alles Entzückens voll; er konnte nur ^ch selbst vergessend einstarren in den glanzreichen Widerschein der (jottheit. Als die Erscheinung zu Ende war, sank er erschöpft wie ohnmächtig zu Boden, seine Seele und Ge^nüt aber waren voll ,himm- Men Wunders', und latige Zeit blieb ihnen der fühlbare Eindruck iacon *).

Die Liebe zur ewigen Weisheit ist fortan die überirdische Atmo- sphäre, in der Sense schwebt, „Diener der ewigen Weisheit*^ die istAende Bezeichnung, die er sich gibt. Was nur je irdische Minne ff« Lobsjyrüchen erdenken kann, häuft er auf dieselbe: sie ist sein Herzeiitraut (27,4. 140,7), seines Herzens Kaiserin (15,17), sein fröhlicher Ostertag, des Herzens Sommerwonne, seine liebe Stunde (37,1 f., Bdew 223,28 ff., Hör. 58 ff.), mit ihr glaubt er sich vermählt Vit Franz von Assisi mit der Armut (vgl. Hör. 217), und strömt rfm Jubel seines Herzens über diese Gnade In Worten voll stürmischer Begeisterung aus (Kap. H; Hör. 215 f., vgl. P reg er II, 362 f.). Er v)idmi ihr, besonders in den Tagen seiner ^blühenden Jugend^ (110,4), ^0 sein Antlitz noch von frischer, blühende^' Farbe war (110,14), änen Dienst voll rührender Zärtlichkeit *^), wie es ganz seiner poetisch- '^mantischen Anlage, seiner ritterlicti-adeligen Erziehung entsprach, ^^^d fühlte sich darin unaussprechlich selig; seifte tägliche Lebens- ^rdnung, seine ,kindlichen Andachten^ (110,3), seine Naturbetrachtung "nd unter diesen Gesichtspunkt eingestellt. So trenn er ein neues ^^^trnnd anlegt, oder sich zu Ader iässt oder die Tonsur erneuert i 110,4 25), wenn er Lieder singen oder Saitenspiel erklingen hört ^^^}Sff,), unterlässt er nicht sie zu ,meineti' und um ihren Segen hitten; das YV eltall mit allen Geschöpfen ruft er zu ihrem Lobe ''"/(Sursom eorda! Kap, i)). Zu Ehren der ewigen Weisheit reifasst ^f ein eigenes Gebetlein lateinisch und deutsch als ,Morgengrtiss^ USfl2f,, 395,18 ff.), dessen \ er breitung er sich angelegen sein lässt,

'j Vgl. Anm. zu 34:2,:i()ff.

*i Zum Vergleiche ist sehr lehrreich die dichterisvh-sgmholische Schilde- ^ng dtr Ekstase hei liiehard von St. Viktor, Bvnjainin Maior IV, ^3 (ange- M bei Krebs, Meisler Dietrich /s. Anm. zu 328,17} 133 A, 4).

^) Ililbsdie Schilderung bei hr inger 304 6^.

76* Einleitung. II. Seuse« Leben nnd Werke.

f^etzt sie in holder Sjmlerei als Tischyenossen vor sich hin, dass sie ihm Speis und Trank segtie (Kap. 7)j erbittet con ihr am Neujahr wie die Jünylinye in Schwaben ein Kränzleiyi (Kap. 8), und setzt am ersten Mai als seinen geistlichen Maibaum das Kreuz mit allerlei lüumemier geschmückt (Kap. 12). Er lässt sich auch die eunge Weisheit in minniglicher Gestalt, tvie sie Himtnel und Erde in ihrer (wewalt hat, auf Pergament malen, nimmt das Bild mit auf d-ie hohe Schule nach Köln und bringt es uneder zurück in ,seine Kapelle^ in der P redig erkir die zu Konstanz, in der er gewohnlich seiner An- dncht pflegte (103,14 ff.). Wie er in einem eigenen prächtigen An- dachtsbuche, dem BiicIUein der ewigen Weisheit, das Lob seiner (reliebten verkündete, soll später Ertvähnung finden. Seine Liehen- Inbrunst ging sogar so weit, dass er einmal in seifier Anfang«s^ mit einem eisernen Griffel sich den Namen Jesus als bleibendes Unlr zeichen in die Brust eiiigrub^), ,gleichwie weltliche Liebhaber dm Namen ihrer Dame am Kleide tragen^; unvertilgbar blieb er da Um zu seinem Tode, nur zwei vertrauten Frewnden und Elsbeth Stagd offenbarte er d<t^ Geheimnis (Kap. 4; 143,32 ff. 393,12 f.; Hör .76,221; Minmb. 538,5 f).

lY. Senses Kasteiungen.

,Zur Minne gehört ron altem Hecht Leiden^ Jeder Minner id auch ein Märtyrer' (13, 15 f.), das war Seuses Überzei4gung, der auck hierin die Idee des mittehtlterlichen Frauendienstes ins Religiöse übet' ir(igt% Der ewigen Weisheit zu lieb int er daher bereit, alles, auch d<ts schwerste zu leiden (34,13 ff.. Hör. 18,65). Und er wartet nicki^ bis Leiden von selbst kommt, sondern beginnt bald nach seifier Be- krhrum/ damit, seinen ^wilden Mut\ den ,verwöhnien, widerspefisOgen

Ähnliches trird erzählt von der hl. Jindegundis (f 567) und Edäkt fV^M^ «y« Znchler, Askesv und Mönchium IV (1897) 45^: ders.y Ik» Knuz Christi Iblö, :J47 : ron Christina Ebner y rf/l. Lochner, Ze&M und (resichte der Chr. K 1^1'^, 11: ferner von Veronika Giuliani (f 1727\ tf/^ Stimmen aus Maria-Laach W0;'> II, ::^S4.

Vgl. Hör. 8!: militiae species amor est: /. c. 11 f.: litore qnot coBchia^ , tot sunt in amore ilolori's . . . Revolve innuniora et stupenda, qaac legisti et. andivisti, quac prohpiuior Iiuius roundi aniatons ex amore vanissimo sa^tinaenut , Noiinr in^t'iuisoebas, cum ad notitiam tuam ])ervenit iuvenem quendam tibi noteB; in tantum fiiisse fascinntnm. ut ob amorem nuiu^ puellae fermm quoddam siiae inlixum portaret? Man fühlt sich unicillkürlich an die LiebestOi r/r/<7iv vnn I.irhtenst.in erinuti, der sich um seiner Dame tciihn einen ah hackt <. :

i

Seiise« Kft5l«iiiiigen. 77*

(.«ü', seine ^eieitdige Natur'. 7iiil dey er sich äicrhtdett fii/Uie ('J.l'J. iS. 39^ ff., 108,18 ff., Bihw 2(M),20), durch ein erfinderischfs Syntem «H ÄbUitungeii und Kristftungen zu bezwingen und zu unterjochen. l)ie Eintfrabung dex Xametui Jesu in die Brust iet schon efwähnt it»räfH. Seine Zunge hielt er in strengster Hut, ao dims er inner- Ml, Ho Jahren bei Tische nie das StiUschteeigen brach (Kap, 14); ith« Jahre blieb er in seinem Kloster tibgeschieden i^on iilter Welt (i2^iiif., 103,5 ff.), trug lang ein hürenes Hemd und eine eiserne Kfttt Hin den Leib, schlief des Nitc/tts wohl 1(1 Jahre in einem enge», fit Söget» besetzten Unterkleid, die Arme in Schlingen gespannt «(kr die Hände in lederne Hundschuhe gesteckt, die mit spitzigen Utmngsiiften versehen waren (Knp. 15). Acht Jahre tntg er ein wi Khar/en Nägeln und Nadeln beschlagenes hiihernes Kreuz unter dm Kleide auf dem Kücken, und nahm mit demselben wie auch mit rintr eigens präparierten Geissei häußg Disziplinen (Kap. IG). Un- yfitkr acht Jahre schlief er auf einer nlten Türe oder in einem '«¥M Stuhle sitzend, ohne hinreichende liedeckung im Winter, icärmte 'ich iftgen 25 Jahre nie am Konventsofen und mied olles Bad, ass limijr Zeit nur einmal lies Tages und brach sich nicht nur, wie im 'Jrdtt> zu gewissen Zeiten üblich, das Fleisch, sonilern auch Fisch ml Eier ab (Kap. 17), enthielt sich zwei Jahre des Obstes (25,8 f.), trank viele Zeit keinen Hein ausser am Ostertag (46,19 f.) und er- hivbtr eich nur ein gaiiz kleines Mass Wasser (Kap. J8). Nach der MtUe, die sehr früh am Morgen stattfand'), trachte er, auf blossein Silin im Chore stehend bin zu Tage (47,8 f.). Vom 18. bis 40. Lebens- Jokrr trieb Seuse diese ,marterlichen Übungen'^, an deren Glmth-

'' Üu» ,Ofßciunt noclumum' mardr nicht übtrall für gUie/ien ZtH ab- friallm fiim MitItrnnckI oder 1—3 Stunden später, vgl. Mörtier, Sialoire *• nailita grnfraax dr Vordre de» frrrte prichews 1 [Paria JH03} öSlf.). In ' Kmtaiu variierte man, wit ee tcheint (vgl. 47,3f.), nach der Jahreetett.

'[ A* irtrd kaum gelingen, wie ei Prrger, Vorarbeiten 1^4ff., l30ff., Mim*« eemvxht hat , jene Kattei-ungen in Siune^ J.tben chronologiseh tu .ffrea. iJesu »intl dit Ztitangabm zu unhiatimmt; etwas Sehematieiercn mai/ ^t* trohl mitanrerlat^lm. Aai 69,30/. dürfle tu fotgem »ain, dose Sense die "Wn ifhn .Jahn nach seiner Bekehrung (cn. 1313— S3) in Konstant btitb. ^ijiitb -jUivh'f odir ähnlicher Abtötuni/tn, wie Sfuse eie ähtt, bimnen aue dtr '^liUfengeatKichle und auch aus der deutschen Mystik m Menge beigebracht 'irden; tgl. s. B. Zöekler, Askese II>, bälff. 457: Aers., Kreui Christi %379: Oreith 3ölf. 383,31^6,414 (aus Katharinental und TBse); Pes, Mieea tuieeliea VIll (ITSSt 107,156,307 u. ö. (aug Untertindln); Srehs, ■r, ChrisUna Khner 1S73 paesitii; Strauch, M. Ebner tegl. Anm. S. 302 ff. I. Auch Mechlhild ron Magdeburg uidPtetf tich

78* Einleitung. II. Scuses Leben nnd Werke.

Würdigkeit